Saalfelden. (irr) Schräge Töne, doch die Kassa klingelt: Allsommerlich quartiert sich dieses Paradox für vier Tage in Saalfelden ein. Aber das dortige Jazzfestival ist ja nicht bloß Institution. Was 1978 aus der Wiese spross und seit 2006 im Kongresshaus residiert, besetzt mehr und mehr eine Marktlücke. Durchgangsstation für den Einheitsbrei dauerreisender Jazz- und (ein bissi jazziger) Popstars? Hier nicht. Andererseits zählt das Festival aber auch nicht zu den Hardcore-Trutzburgen des Free Jazz. Schräge Exkurse? Auch hier erbeten. Doch oft verlinkt mit Elektronik, Kammermusik oder Rock. Und mit Hang zur Europa- oder Welt-Premiere.
Dass Ko-Intendant Mario Steidl heuer vorab einer "Abschaffung des Reinheitsgebots" das Wort redete, ist insofern kaum als Appetenzverhalten an den Kommerz zu verstehen. Ebensowenig wie das Programm, das am morgigen Donnerstag startet und ab Freitag auch die Hauptbühne füllt. Auf Letzterer eröffnet Max Nagl den Konzertreigen: Der heimische Saxofonist hat den Personalstand seines Quartetts (Big Four) verdoppelt und waltet nun unter anderem mit dem Gitarristen-Freigeist Noël Akchoté seines Amtes.
Freie Betten Mangelware
Ein Samstags-Highlight dürfte das Saxofon von Free-Jazz-Kapazunder David S. Ware bescheren, zuvor arbeitet sich ein Quartett des erratischen Namens Trank Zappa Grappa In Varese? an der Ideenwelt des amerikanischen Rock-Exzentrikers ab. Vielversprechende Namen umrahmen den letzten Tag: Verspricht das Trio von Schlagzeuger Jim Black Sensibles mit Schubkraft, dürfte das US-Trio The Bad Plus, namhaft erweitert um Saxofonist Joshua Redman, einmal wieder für imposante Grenzgänge zwischen Ohrwurm und Avantgarde, Rock und Jazz bürgen. Festivalkarten sind noch erhältlich - freie Betten vor Ort indes rar.
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