Die Leipziger und ihr Mailänder Maestro zu Gast im Goldenen Musikvereinssaal bestechen programmatisch. "Mit Beethovens Erster" war Steffen Schleiermachers Beitrag zur Beethoven-Tournee des Gewandhausorchesters Leipzig betitelt.
Zeitgenössische Musik ergänzt alle Neune: ein ansprechendes Konzept, hinter dem sich noch mehr verbirgt. Das älteste bürgerliche Konzertorchester der Welt präsentiert Beethovens Meisterwerke nicht von ungefähr, schon zu seinen Lebzeiten standen sämtliche Symphonien des Titanen bei den Sachsen auf dem Programm. Aus dieser schönen Tradition heraus veröffentlichten sie aktuell unter der Leitung ihres derzeitigen Chefdirigenten Riccardo Chailly den Symphonienreigen des Wiener Klassikers. Schleiermachers Auftragswerk konnte indes wenig fesseln. Ständig repetierte Klangmotive ließen das Publikum auf das Original warten. Und das Warten lohnte.
Chailly hielt sich an sein Konzept. Eine gewisse Härte zog sich durch Beethovens Symphonien, ein grundmilitärischer Ton, öfters ins Staccato gehend, machte schon die erste und besonders die zweite Symphonie zum modernen Genuss. Die schicksalsgebeutelte Erleuchtung, etwa im Schluss der c-Moll Symphonie, ließ allerdings auf sich warten. Die Finalsätze gelangen durchwegs im Tempo hazard, beinahe italienisch hektisch.
Mit dem "Ritratto di musico" schuf Chaillys komponierender Landsmann Carlo Boccadoro eine sehr ansprechende Beschäftigung mit Beethovens Fünfter. Immer genauer wurde hier das pochende Schicksalsthema zitiert, bis nach einem kraftvollen Höhepunkt der Klangapparat, unterstützt von flirrenden Flöten und insistierenden Pauken wieder verebbte.
Zurück zum Original: Von romantischen Ansätzen, geschweige denn Weichspülern, hielt der Dirigent, auch als Chef des Concertgebouworchester bekannt geworden, nichts. Für ihn zählte vor allem die präzise partiturtreue Linie. Besonders hervorgehoben seien die Bläserstimmen, die hervorragend einstudiert waren. Insofern darf man, nein, man muss auf zwei weitere Abende mit Werken von Colin Matthews über Friedrich Cerha natürlich bis zu Beethoven gespannt sein.
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