Wien. Exemplarisch für den Restabend wurden die Vorzeichen bereits zu Konzertbeginn auf Drama gestellt: "Before The Rain", ein Song mit dem Enthusiasmierungspotenzial einer nach fünftägiger Schlafabstinenz mit Whiskey eingenommenen Valiumtablette, passte aber insofern gut ins Konzept, als sich Simon Le Bon derzeit als Elder Statesman des 80er-Jahre-Pop zu verstehen scheint. Das aktuelle Album "All You Need Is Now" mit seinem zumindest inhaltlichen Bekenntnis zum Hier und Heute und eine daran anknüpfende, im Wien-Konzert seiner Band Duran Duran formulierte Brandrede für mehr Optimismus und inneren Frieden auch in schwierigen Zeiten künden davon.
Einmal ganz abgesehen von Le Bons Metamorphose vom ewigen Jüngling hin zum gesetzten Performer mit gepflegtem Gesichtsbewuchs, der sich nach einem Blick auf den Kontostand und die Models vom Videodreh im Hotel dann doch gerade nicht mit der Mitlebenskrise beschäftigt.
Schmähparaden und Bierzeltbass
Knapp darunter erklärt dann aber schon ein gut ausgepolstertes Glitzersakko: Das geht sich nicht aus. Duran Duran, die einst als flotte Disco-Popper mit Segelschuhen in lustigen Musikvideos auch als britische Post-Imperialisten ins Dschungelcamp verwiesen ("Hungry Like The Wolf"), kultivieren auch heute noch eine Vorliebe für den "Pop Trash", den sie nicht erst mit dem gleichnamigen Album vor zwölf Jahren ausrufen sollten. In der von 2300 begeisterten Konzertgängern aufgesuchten Gasometer-Halle stand am Montagabend John Taylor am Bierzeltbass mit seiner La-Roux-Tolle dafür ein. Und auch die Schmähparaden mit der in die Luft geschwungenen Rockergitarre sowie das letztlich dem Hallensound zum Opfer gefallene Saxofon und seine Soli durften den aktuellen Albumtitel dann doch Lügen strafen. Schließlich knüpfte "All You Need Is Now" nach einem Modernisierungsschub auf "Red Carpet Massacre" (2007) über die Hip-Hop-Beats aus dem Hause Timbaland aktuell mit Mark Ronson am Regiesessel recht klassisch dort an, wo die Band nach "Rio" 1982 doch einen anderen Weg einschlug. Es könnte aber auch an weitestgehend inspirationsbefreiten Songs wie dem Titelstück des aktuellen Werks liegen, dass das Heil für alle Konzertbesucher außerhalb des Fanclubs letztlich nicht in der Gegenwart, sondern in der Erinnerung gesucht und gefunden wurde.
Täglich grüßt

Dazu kam das auch für das Schlagerkarussell geeignete "(Reach Up For) The Sunrise" und mit "Come Undone" eine Ballade, neben der sich jedes Schmalzbrot unzureichend geschmiert fühlen muss. Allerdings: Im Gegensatz zu der ebenfalls ausgegrabenen Kokain-Reflexion "White Lines" von Mele Mel, aus der Duran Duran mit gepflegtem Disco-Rockismus einen der unbestritten schlechtesten Songs aller Zeiten machten, konnte hier ein gewisses Unterhaltungspotenzial kaum bezweifelt werden.
Knapp zwei Stunden sowie einen augenzwinkernden kunsthistorischen Exkurs durch Tastenmann Nick Rhodes und ein wenig erfolgreiches Twitter-Experiment später war der Fanclub trotzdem begeistert. Alle anderen durften sich an Simon Le Bons Zwischenrede erinnern und ihren Optimismus auch in schwierigen Zeiten nicht verlieren. Glück, innerer Frieden, Zuversicht. Liebe Leute, es ist alles eine Frage der Einstellung!
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