War das wirklich stets das gleiche Ensemble, das hier den Goldenen Musikvereinssaal bespielte? Gerade noch bewegten sich die Wiener Symphoniker zart tänzelnd durch die orchestrierten Liebeslieder-Walzer op. 52 von Johannes Brahms. Der dänische Dirigent Thomas Dausgaard bewies mit intensiv schwungvoller Körpersprache, dass auch die Skandinavier den Dreivierteltakt im Blut haben. Vor lauter tänzerischer Delikatesse blieb allerdings die Präzision - speziell in den Streichern und den Blechbläsern - bisweilen auf der Strecke.
In Tschaikowskis D-Dur-Violinkonzert wurde auch manch romantische Regung offenbar. Der griechische Ausnahmegeiger Leonidas Kavakos faszinierte immer wieder, etwa durch die perfekt dialogartige Mehrstimmigkeit in seinem Spiel und die kantablen Stellen. Das große Aber waren jedoch enttäuschende Intonationsmängel.
Und dann kam Robert Schumann. Diese Interpretation seiner Zweiten Symphonie bot so viele Facetten, dass man kaum aus dem Staunen herauskam. Sympathische Geste: Nach Schluss des hervorragend vollmundigen Scherzos schmunzelte Dausgaard höchst zufrieden mit dem Orchester um die Wette.
Das Adagio kannte keine oberflächliche Sentimentalität, sondern wurde Schumann’sche Seelenwelt mit echtem Tiefgang. Tatsächlich legten die Damen und Herren Symphoniker in alle vier Sätze vollen Elan, ließen sich auf die dynamisch eigenwilligen Vorschläge des Dirigenten ein und schufen so ein Stück urwüchsiger, deutscher Romantik.
Konzert
Wiener Symphoniker
Thomas Dausgaard (Dirigent)
Leonidas Kavakos (Violine)
Wiener Musikverein
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