Das Fest ging weiter. Nach einer Feierstunde zu Ehren der 50-jährigen Zusammenarbeit zwischen Lorin Maazel und den Wiener Philharmonikern führten die Wochenendabonnements kurz vor der gemeinsamen Tournee in den hohen Norden. Gleich drei der üppigen, hierzulande noch immer selten gehörten Sibelius-Symphonien gehörte der Musikverein.
Mit gestrenger Geste machte Maestro Maazel deutlich, dass er hier keinesfalls Neuland betrat. Bereits 1992 spielten die Philharmoniker mit ihm eine Gesamtaufnahme zu dessen symphonischem Werk ein. Aktuell bestach das Ensemble wieder durch hingebungsvolle Töne. In voller, epischer Breite entstanden echte Dramen vom Nordkap. Mit Argusaugen und -ohren legte der Dirigent bei aller Klanggewalt besonderen Wert auf die Präzision der Einsätze. Eindringlich gelangen in der Fünften Symphonie Es-Dur op. 82 (entstanden 1914) die chromatischen Bewegungen an neue Klangufer. Perfekte Flötentöne dominierten das Eröffnungsallegro.
Sibelius Erste Symphonie mit Wiener Einfluss
Die Siebente, op. 105 von 1924 in ihrer großen, einsätzigen Anlage überzeugte auf dem Weg zur überhöhten, harmonischen Auflösung durch die Mischung aus hitziger Erdverbundenheit und nordischer Kältewelle. Die erste Symphonie kam dem heimischen Publikum bestimmt am gewohntesten vor - klassisch viersätzig gehalten, ist sie in ihrer Klangsprache von der Studienzeit des Komponisten am Wiener Konservatorium beeinflusst. So viel Energie wird den skandinavischen Sibelius-Experten gewiss gefallen.
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