Es gibt Bilder, die selbst an der Wand des Museums beengt wirken und daher auf Rollen quer durch den Raum gestellt werden. Ein schöner Bruch mit monotoner Ausstellungsgestaltung - bei Anselm Kiefer wird das Museum ohnehin oft zum noch brodelnden Labor.
Die 15 Werke aus der Sammlung Essl, denen der Hausherr selbst als Kurator viel Raum gibt, reichen locker für eine große Schau. Peter Handke bezeichnete die Formate schon 1999 als "giganten- oder zyklopenhaft". Der Künstler selbst möchte für jedes einen White Cube. Seine Bilder sind Panoramafenster in eine weit entfernte Geschichte, biblische Zeiten schließen die Schöpfung mit der aktuellen Malerei kurz. Buchobjekte sind wichtig, weil sie Text und Bild verbinden. Die ersten Schrifttafeln kommen aus Städten im Zweistromland.
Anrufung der Namen
"The Fertile Crescent" verweist, in fast acht Metern Breite, mit Ortsnamen wie Ur auf die Ruine eines der bekanntesten mythischen Bauten, den Turmbau zu Babel. Anregungen kommen von archäologischen Skizzen, Fotos und Kriegsdenkmälern, der Maler macht den "fruchtbaren Halbmond" zur heutigen Steppe.
Anselm Kiefer will zeigen "was hinter der Geschichte ist", und er bringt auch den Verlust zurück ins kollektive Gedächtnis. Die Gemälde sind eigentlich alle Reliefs, aufwendig gespachtelte, vor sich hin bröselnde technische Wunderkammerstücke. Der Künstler will ihren fortschreitenden Zerfall, der Sammler muss ihn stoppen. In einem der Objektkästen hinter Glas ist der brennende Dornbusch, gefertigt aus Brombeerdickicht, vor Malerei arrangiert: "Ich bin der ich bin", spricht das Bild.
Magisch wird der Titel in karge Landschaften geschrieben, in der sich eine Kartografie mit Ugarit, Memphis, Gaza, Damaskus oder Sternbildern am Himmel entfaltet. Gedichtzeilen von Friedrich Hölderlin, Paul Celan und Ingeborg Bachmann sind mit Kohle oder Kreide inmitten dichter Farbpaste aus Sand, Schellack und Ölfarbe eingesetzt wie auf Schultafeln. Bleiboote, Flugzeuge, Bücher, Metallsessel und Eisendraht hängen vor den selten abstrakten Berg- und Seelandschaften. Die Farbpalette ist eingeschränkt, kein Grün, kein Rot und wenig Blau, dafür Grautöne und Ocker.
Im Schöpfungsprozess der Bilder ist bei Kiefer, trotz Monumentalität, mit melancholischer Geste des Vergänglichen der Bildersturm integriert. Figuren sind in der weiten Leere nicht zu sehen, aber Flugzeuge und Boote kehren wieder. Das Blei für seine Boote und Bücher stammt vom Dach des Kölner Doms - der Künstler hat es gekauft.
Geschichte und Zerfall
Für Jörg Widmanns Oper "Am Anfang" entwirft Kiefer passende Bühnenbilder aus Ruinen und im Aufführungsverlauf aufzurichtenden Lehmziegelwänden, wie in einem Film am Ende der Schau zu sehen. Auch wenn diese Werke gedankenschwer wie die deutsche Romantik an unserem europäischen Geschichtsbewusstsein anklopfen, gefällt die aktuelle Variante des Historienbildes mit eingeplantem Zerfallsprozess auch den Amerikanern. Kiefer hat Handkes Rat angenommen, seine Werke ins Freie zu legen und wie Natur zu behandeln - oft ist der Fluss der Elemente sichtbar. Bei den Versatzstücken aus Holz hält er sich an sein Credo von 1974 "Malen = Verbrennen" und "Malen der verbrannten Erde" und schreibt neben Kreide auch mit Holzkohle Sätze, an die er sich und uns erinnern will. Immer wieder bannt er die Lyriker Bachmann und Celan, das unglückliche Liebespaar nach 1945, und ihre offenen Fragen. Dazu zitiert eine große Meeresbrandung Gustave Courbet und das montierte Buch testet unseren Bild-Text-Bezug. Am Ende überlebt die schon so oft totgesagte Malerei.
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Geboren 1931 in Maisons-Laffitte; studierte in Paris, Grenoble und London Politikwissenschaften; Ausstellungen seit 1979 in Paris und in der Provinz...
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1960 geboren in Hainburg an der Donau; 1980-86 Studium der Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in Wien bei Prof...
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Geboren 1947 in Wien; Studium der Rechts- und Volkswirtschaft in Wien und in Frankreich. Von 1969 bis 2007 als Beamter beim Bund in Wien und bei...
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