Heidrun Holzfeind hat nach ihrer Rückkehr aus New York im letzten Jahr einen Preis für Gegenwartskunst und einen für zeitgenössische Fotografie erhalten. Anfang der neunziger Jahre studierte sie an der Akademie am Schillerplatz bei Michelangelo Pistoletto eigentlich erweiterte Bildhauerei, ihre Interessen gehören aber der künstlerischen Forschung im Bereich Architektur. Danach führte sie ein Stipendium nach Mexico City, wo sie wie in New York Spuren und Auswirkungen des funktionalistischen Stils von Gebäuden aus der Phase der internationalen, klassischen Moderne folgte. Die Brisanz ihrer Untersuchungen im sozialen Umfeld von Städten setzt sie mit einer großen Werkgruppe über den Wiener Architekten Ernst Schwadron (1896-1979) fort, der das Haus am Franz-Josefs-Kai 3 erbaut hat, in dem sich die Bawag Foundation heute befindet.
Im Dachgeschoß hatte der Architekt bis zum Zeitpunkt seiner Flucht von Wien nach New York 1938 seine Wohnung, und in den Galerieräumen im Erdgeschoß war der Schauraum für Keramikfliesen der Baufirma Schwadron untergebracht. Ansatzweise erinnert Holzfeind mit einem Teppich nach dem Original von Schwadrons erster Frau, Erna Lederer, und dem Kaminsims an den Wohnraum des Paares und ergänzt das mit historischen Fotografien. Diese zeigen auch sein kleines Wochenendhaus in der Nähe von New York um 1950/51, in dem er sich eine österreichisch anmutende Idylle durch Möbel, Kleidung und Ernährung mit seiner zweiten, amerikanischen Frau schuf. In parallel zu einer Diashow laufenden Interviews mit seiner Nichte und Experten für Innenarchitektur, sowie einem Text über die schwierige Rekonstruktion dieser Lebensgeschichte, ergänzt die Künstlerin zu einer einfühlsamen Dokumentation.
Eine doppelte Dia-Installation und Videointerviews kombinierte Holzfeind 2006 zur historischen Neuformulierung der Studentenrevolte 1968 in Mexiko City, die vom klassisch modernen Universitätsgebäude ausging, und nach einigen Monaten blutig niedergeschlagen wurde. Die Identifikation der Frauen und Männer mit dem Campus ist immer noch spürbar.
Ironisierte Moderne
Statt der zumeist kritischen Haltung gegenüber der klassischen Moderne lässt Holzfeind oft feine Ironie mitschwingen - das vor allem mit der Foto- und Videoinstallation "Colonnade Park" 2011, wenn sie an den kühlen Wohnblocks von Mies van der Rohe 1954-1960 in Newark doppelbödig Kritik an den Bauten aber auch an deren Kritikern übt, indem sie die kühlen Räume für durchaus bewohnbar erklärt - und zwar dann, wenn sie von den Bewohnern mit kleinteiliger Ausgestaltung des privaten Umfelds dazu gemacht werden. Die Fotoserie ist durch einen Fehler bei Entwicklung oder im Film mit Lichtsensationen und Schlieren verfremdet: Selbst dieser Zufall mildert die Strenge.
Mit der Dokumentation eines improvisierten Freitagsmarkts in Kairo auf einem verlassenen Eisenbahngelände scheint der soziale Weg neue urbane Machtverhältnisse zwischen Westen und Süden anzusprechen, jedoch zeigt der zweite Blick einen braunen Grundton, der die Farbe Schwarz ersetzt. Damit ist das Denken über Fotografie bereits in ästhetische Gefilde abgelenkt. Was bleibt, ist Unsicherheit als Hauptgefühl, auch gegenüber globalen Entwicklungen.
Die Frage nach sichtbaren Macht-Hierarchien in urbanen Strukturen bleibt angesichts dieser vielschichtigen Neuformulierungen virulentes Thema künstlerischer Recherche. Gebäude und ihre politische Geschichte erhalten neue Blickwinkel durch individuelle Beobachtung. Gute Gründe also für die Bawag Foundation, Heidrun Holzfeind eine Personale zu widmen.
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Geboren 1931 in Maisons-Laffitte; studierte in Paris, Grenoble und London Politikwissenschaften; Ausstellungen seit 1979 in Paris und in der Provinz...
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1960 geboren in Hainburg an der Donau; 1980-86 Studium der Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in Wien bei Prof...
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Geboren 1947 in Wien; Studium der Rechts- und Volkswirtschaft in Wien und in Frankreich. Von 1969 bis 2007 als Beamter beim Bund in Wien und bei...
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