• 23. Mai 2012

  • RSS abonnieren
  • Wiener Zeitung auf Facebook
  • Auf Twitter verfolgen

Sie sind hier:


  • Artikel vom 21.02.2012, 16:39 Uhr

Kunst

Update: 21.02.2012, 17:12 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Galerienrundgang

Kunst ist sowieso Tierquälerei



Total "verstümmelt" (aber eh nur mit Zigarettenstummeln): Muscheln als Aschenbecher. Von Mark Dion.

Total "verstümmelt" (aber eh nur mit Zigarettenstummeln): Muscheln als Aschenbecher. Von Mark Dion.© Foto: Lisa Rastl Total "verstümmelt" (aber eh nur mit Zigarettenstummeln): Muscheln als Aschenbecher. Von Mark Dion.© Foto: Lisa Rastl

(cai) Bevor jetzt die Tierschützer vor der Galerie vom Georg Kargl aufmarschieren: Bei der Herstellung dieser Exponate kam keine Kreatur zu Schaden. Großes Indianerehrenwort! (Die Viecher waren nämlich alle schon vorher tot.) Die ausgestopften Vögel, die trostlos am Baum hängen wie Witwe Boltes Hühner, tun mir aber trotzdem leid. Weil sie auch noch geteert worden sind. (Gefedert waren sie ja bereits.) Ein Mahnmal gegen die Umweltverschmutzung? (Ja. Oder ein postapokalyptischer Streich von Mad Max & Moritz.)

Werbung

Ansonsten räumt der Mark Dion ja am liebsten Schaukästen ein wie ein Naturkundler. Ordnet seine Sammelwut. Okay, sein Museum klärt uns weniger über die Wunder der Natur auf, es wundert sich mehr darüber, wie der Mensch sich die Natur aneignet. Zwei Muschelschalen "rezipiert" Mark Dion als Aschenbecher. Schändet sie mit Tschick, bis sie übergehen. Hm, Muscheln, die nicht rauschen wie das Meer, sondern rauchen wie der Marlboro-Mann. Na ja, ein Schwein in seinen eigenen Darm zu stopfen, ist abartiger. ("Frankfurter Würstel" heißt diese Übung. Nein, Tschuldigung, das Schweindl wird natürlich in den Dünndarm von einem Schaf gequetscht.)


© Yantra - Fotolia © Yantra - Fotolia

Dion - oh, klingt fast wie Darwin! (Fast.) Und immerhin hat er Plastik als Lebensform identifiziert (als eine besonders vergnügungssüchtige). Hat Hunde- und Sexspielzeug wie exotische Wesen in Gläsern konserviert. Die Dinger sind mindestens so glaubwürdig wie Polypen. (Gelbe Tennisbälle würden in der Obst- und Gemüseabteilung ja auch als Äpfel der Sorte Golden Delicious durchgehen.) Tja, Dions Vitrinen mit ihren Überraschungseffekten haben Nasenplattdrückqualität. Und Humor. Auch wenn eigentlich überall eine makabre Endzeitstimmung herrscht. (Der letzte Überlebende stopft die Tiere aus!)

Georg Kargl Fine Arts
(Schleifmühlgasse 5)
Mark Dion, bis 10. März
Di. - Fr.: 11 - 19 Uhr
Sa.: 11 - 16 Uhr

Regenwurm schluckt Golfball

(cai) Ach, wieso hab ich bloß in diesen Katalog reinschauen müssen? Wär ich nicht so neugierig auf das uvre gewesen, dann wär’ ich jetzt viel zufriedener mit der Ausstellung. Ich hätt’ nie erfahren, dass der Robert Mittringer auch so witzige Objekte macht. Wie ein Vogelhaus, wo auf dem Stangerl vorne ein Golfball drobenpickt, der zu groß ist, um sich in die Hütte einzulochen. Der starrt also ratlos auf das Loch wie das Kamel aufs Nadelöhr oder der Fuß von Aschenputtels Stiefschwester auf Aschenputtels Pantoffel. (Oder der Schnupfen auf den Knoten im Taschentuch.) Diese Idee zeugt von geradezu genialer Einfalt.

Gut, aschenputtelig geht’s in der zs art Galerie eh auch ein bissl zu. Da werden die Bilder so dreckig gemacht wie das ungewaschene Mädel am Herd. Weil der Mittringer malt nicht den Acker vor seinem Bauernhof, er wird selber zum Acker. Wird eins mit ihm. Pflügt in der schmutzigen Materie herum. Schreibt dann aufs markige Andachtsbild seiner Erdverbundenheit drauf: "Heimaterde." Und ein Holzbrett bandagiert er komplett ein und bahrt es auf wie für eine Beweinung. Ärmliche Materialien kriegen bei ihm eine religiöse Aura. Wertlosen Schachteln verleiht er mit Leim und Bandagen eine kreatürliche Ausstrahlung. Das sollte doch wohl reichen, oder? Na ja, eine magere Herde aus sieben Holzböcken (nicht der Zeck, der Schragen!) kann halt einfach nicht mithalten mit Cinderellas Vogelhaus. Oder mit einer brutal abgeknickten Orgelpfeife. (Wahrlich: Eher verschluckt ein Regenwurm einen Golfball, bevor ein Ton aus dieser Pfeife kommt.)

zs art Galerie
(Westbahnstraße 27 - 29)
Robert Mittringer
Bis 9. März
Mo. - Fr.: 11 - 19 Uhr




Schlagwörter

Kunst, Aigner, Galerien

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2012-02-21 16:44:05
Letzte Änderung am 2012-02-21 17:12:57



Werbung



Beliebte Inhalte



Joe Zawinul - APAweb / Artinger
  • Gala für den weltberühmten Keyboarder aus Erdberg.
  • Am 2. Juni im Gasometer in Wien.
  • Kartenverlosung: Wir verlosen zwei mal fünf Karten.
  • weiter

Gustav Klimts Zeichnungen, hier etwa "Liegende Frau in gemustertem Kleid" (1911/12), zeigen den Künstler von einer ungewohnten und dabei experimentierfreudigen Seite. - © Wien Museum / Peter Kainz
  • Gesamtschau des Bestandes von Gustav Klimt
  • weiter

Die russischen Babushki und ihr Backgut in Baku. -  Foto: AP/EPA/JOERG CARSTENSEN
  • Im Gypsy-Pop-Einerlei sind alte russische Damen die Sieger der Herzen.
  • Österreichs Trackshittaz schieden aus.
  • weiter

Tigerpython: Bei Daniel Spoerri ein Schlangenkörper mit Tigerschädel. - NHM/R. Golebiowski

Daniel Barenboim (hier im Bild im Opernhaus Kairo). - APAweb /  EPA/MOHAMED OMAR Um eine Trauerminute in Gedenken an Dietrich Fischer-Dieskau bat Dirigent Daniel Barenboim am Beginn des Abonnementkonzerts der Wiener Philharmoniker...weiter




Stéphanie Barba

Geboren 1931 in Maisons-Laffitte; studierte in Paris, Grenoble und London Politikwissenschaften; Ausstellungen seit 1979 in Paris und in der Provinz... weiter




Andreas Roseneder

1960 geboren in Hainburg an der Donau; 1980-86 Studium der Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in Wien bei Prof... weiter




Gerhard Stadler

 - © (C) by Caplio GX100 User Geboren 1947 in Wien; Studium der Rechts- und Volkswirtschaft in Wien und in Frankreich. Von 1969 bis 2007 als Beamter beim Bund in Wien und bei... weiter




Pallas Athene, 1898
Gustav Klimt
Öl auf Leinwand

Vergessenes wurde wiederentdeckt. Im Naturhistorischen Museum freut man sich über die Belebung des Museums durch die Arbeit des Künstlers Daniel Spoerri. (Im Bild: "Austernschabracken-Pferdeskelett-Spießbock-Kümmerer" von Spoerri.) Blick auf das Werk "Sevilla-Series, No. 1, Tapir" des Künstlers Daniel Spoerri im Rahmen der Ausstellung "ein inkompetenter Dialog?" im Naturhistorischen Museum in Wien. Die Ausstellung ist vom 23. Mai bis 17. September 2012 zu sehen. (21. Mai)
Siehe auch: http://bit.ly/JrMvnU

Ein Demonstrant zeigt der berittenen Polizei das Victory Zeichen.  Hunderte Amerikaner gingen am Wochenende auf die Straße, um gegen den NATO-Gipfel in Chicago zu protestieren. Das amerikanische Model Lydia Hearst posiert für die Kamera.

Werbung