
Ansonsten räumt der Mark Dion ja am liebsten Schaukästen ein wie ein Naturkundler. Ordnet seine Sammelwut. Okay, sein Museum klärt uns weniger über die Wunder der Natur auf, es wundert sich mehr darüber, wie der Mensch sich die Natur aneignet. Zwei Muschelschalen "rezipiert" Mark Dion als Aschenbecher. Schändet sie mit Tschick, bis sie übergehen. Hm, Muscheln, die nicht rauschen wie das Meer, sondern rauchen wie der Marlboro-Mann. Na ja, ein Schwein in seinen eigenen Darm zu stopfen, ist abartiger. ("Frankfurter Würstel" heißt diese Übung. Nein, Tschuldigung, das Schweindl wird natürlich in den Dünndarm von einem Schaf gequetscht.)

Dion - oh, klingt fast wie Darwin! (Fast.) Und immerhin hat er Plastik als Lebensform identifiziert (als eine besonders vergnügungssüchtige). Hat Hunde- und Sexspielzeug wie exotische Wesen in Gläsern konserviert. Die Dinger sind mindestens so glaubwürdig wie Polypen. (Gelbe Tennisbälle würden in der Obst- und Gemüseabteilung ja auch als Äpfel der Sorte Golden Delicious durchgehen.) Tja, Dions Vitrinen mit ihren Überraschungseffekten haben Nasenplattdrückqualität. Und Humor. Auch wenn eigentlich überall eine makabre Endzeitstimmung herrscht. (Der letzte Überlebende stopft die Tiere aus!)
Georg Kargl Fine Arts
(Schleifmühlgasse 5)
Mark Dion, bis 10. März
Di. - Fr.: 11 - 19 Uhr
Sa.: 11 - 16 Uhr
Regenwurm schluckt Golfball
(cai) Ach, wieso hab ich bloß in diesen Katalog reinschauen müssen? Wär ich nicht so neugierig auf das uvre gewesen, dann wär ich jetzt viel zufriedener mit der Ausstellung. Ich hätt nie erfahren, dass der Robert Mittringer auch so witzige Objekte macht. Wie ein Vogelhaus, wo auf dem Stangerl vorne ein Golfball drobenpickt, der zu groß ist, um sich in die Hütte einzulochen. Der starrt also ratlos auf das Loch wie das Kamel aufs Nadelöhr oder der Fuß von Aschenputtels Stiefschwester auf Aschenputtels Pantoffel. (Oder der Schnupfen auf den Knoten im Taschentuch.) Diese Idee zeugt von geradezu genialer Einfalt.
Gut, aschenputtelig gehts in der zs art Galerie eh auch ein bissl zu. Da werden die Bilder so dreckig gemacht wie das ungewaschene Mädel am Herd. Weil der Mittringer malt nicht den Acker vor seinem Bauernhof, er wird selber zum Acker. Wird eins mit ihm. Pflügt in der schmutzigen Materie herum. Schreibt dann aufs markige Andachtsbild seiner Erdverbundenheit drauf: "Heimaterde." Und ein Holzbrett bandagiert er komplett ein und bahrt es auf wie für eine Beweinung. Ärmliche Materialien kriegen bei ihm eine religiöse Aura. Wertlosen Schachteln verleiht er mit Leim und Bandagen eine kreatürliche Ausstrahlung. Das sollte doch wohl reichen, oder? Na ja, eine magere Herde aus sieben Holzböcken (nicht der Zeck, der Schragen!) kann halt einfach nicht mithalten mit Cinderellas Vogelhaus. Oder mit einer brutal abgeknickten Orgelpfeife. (Wahrlich: Eher verschluckt ein Regenwurm einen Golfball, bevor ein Ton aus dieser Pfeife kommt.)
zs art Galerie
(Westbahnstraße 27 - 29)
Robert Mittringer
Bis 9. März
Mo. - Fr.: 11 - 19 Uhr
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Geboren 1931 in Maisons-Laffitte; studierte in Paris, Grenoble und London Politikwissenschaften; Ausstellungen seit 1979 in Paris und in der Provinz...
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1960 geboren in Hainburg an der Donau; 1980-86 Studium der Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in Wien bei Prof...
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Geboren 1947 in Wien; Studium der Rechts- und Volkswirtschaft in Wien und in Frankreich. Von 1969 bis 2007 als Beamter beim Bund in Wien und bei...
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