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  • Artikel vom 24.02.2012, 16:30 Uhr

Kunst

Update: 24.02.2012, 17:34 Uhr
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Musa

Schönheitswahn und Gehirnwäsche


Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Katarina Schmidl, Ein schönes Stück Österreich (2002)

Katarina Schmidl, Ein schönes Stück Österreich (2002)Musa Katarina Schmidl, Ein schönes Stück Österreich (2002)Musa

Schon vor 40 Jahren haben die Grande-Dames der österreichischen Kunstszene, wie Maria Lassnig, Gerda Fassl, Liselott Beschorner oder Elfriede Mejchar, begonnen, dem Schönheitsdiktat die Rute ins Fenster zu stellen. Lassnig stülpte sich eine Hundemaske über, Mejchar und Beschorner zerschnitten die Beauties aus den Modemagazinen und Gerda Fassl griff in ihren Skulpturen auf die mütterlich-runde Urform der "Venus von Willendorf" zurück. Birgit Jürgenssen schrieb sich dann "Jeder hat seine eigene Ansicht" auf ihren schönen Rücken - für sexistische Werbung standen sie alle nicht zur Verfügung. Lisl Ponger weist auf den Wirtschaftsfaktor "Exotismus" in Moderfotos seit Jahrhunderten hin.

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Das Musa hat die gesellschaftliche Relevanz der geradezu perversen Gleichung von gut, schön und wahr im Sinne einer westlichen Ansicht von Makellosigkeit seit der griechischen Antike für unsere Tage aufgegriffen. Nie sei die Gehirnwäsche so groß gewesen, der Schönheitswahn so präsent in den Medien, die Folgen so würdelos, meint Musa-Leiter Berthold Ecker.

Kulturelle Dominanz

Mit zahlreichen Pailletten bestickte Farbfotografie "Rio 2" von Sissi Farassat aus dem Jahr 2003.

Mit zahlreichen Pailletten bestickte Farbfotografie "Rio 2" von Sissi Farassat aus dem Jahr 2003. Mit zahlreichen Pailletten bestickte Farbfotografie "Rio 2" von Sissi Farassat aus dem Jahr 2003.

Die Schau "Beauty Contest" wurde bis Mitte Jänner mit großem Erfolg im österreichischen Kulturforum in New York gezeigt. Nun zieht sie mit ihren parallel veranstalteten Performances auch hier in Wien ein, um Abgrenzungen vom Hässlichen als das zu thematisieren, was sie eigentlich sind: ein biologistischer und rassistischer Rest an westlicher Dominanz über andere Kulturen.

Dem Kurator Claude Grunitzky aus New York liegt vor allem daran, eine neue Balance zu finden, denn weder die Hautfarbe, noch Herkunft und Geschlecht sollen hier eine Rolle spielen, weshalb auch Positionen wie jene Matthias Hermanns und Irene Andessners mit Kalup Linzy oder Cindy Sherman konfrontiert werden. Leslie de Melos indische Tänzerinnen blicken auf Sula Zimmerbergers Mädchen im Dirndl, beide malen grellbunt; Rashaad Newsome übernimmt wie Andrea Freiberger "alte Muster", Symbole und Embleme in die nur exotisch anmutende Collage.

Ulrike Lienbacher turnt an der Stirnwand in Lebensgröße zeichnerisch unsere Körperzwänge vor - fett sein ist unmoralisch und Altern kommt nicht in Frage. Jakob Lena Knebl & Hans Scheirl liefern dazu nackte Tatsachen in Performances, aber auch in einer Doppelvideo-Projektion, die ähnlich der wichtigen Diaprojektionsarbeit von Petra Buchegger allen Beauty Contests ihre Unwürdigkeit vorführen.

Ironie trifft auf Feminismus, dazu konnte Clarina Bezzola in ihrem Sexmonsterkostüm auf New Yorker Straßen mit ihrem "Walk Alone in the Streets" großes Aufsehen erregen. Sie wird im März auf Spuren der klassischen Wiener Performerszene die Kärntner Straße diesbezüglich testen. Ob männerverschlingende Bestie oder gelangweilte Jugendliche von Muntean/Rosenblum am Stadtrand irgendwo - die Schönheitsdebatte hat auch was Tierisches. Das unterstreicht Anna Jermolaewa mit ihren Videos "Der Weg nach oben" und "3’ Überlebensversuche". Ratten und Stehaufmännchen versuchen zu entkommen - die einen aus einem Glasgefängnis, die anderen vor dem unsichtbaren Einfluss von außen. In Sachen Schönheit gibt es kein Entrinnen.

Ausstellung
Beauty Contest
Claude Grunitzky (Kurator)
Musa
bis 26. Mai




Schlagwörter

Kunst, Musa, Beauty Contest

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2012-02-24 16:35:06
Letzte Änderung am 2012-02-24 17:34:03



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Siehe auch: http://bit.ly/JrMvnU

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