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  • Artikel vom 08.09.2011, 00:00 Uhr

Museum

Update: 13.09.2011, 04:40 Uhr
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Museumsstücke

Schiele als Gotiker, Träumer und Realist


Von Johann Werfring
  • Eine sehenswerte Gedächtnisausstellung im Bergbau- und Gotikmuseum in Leogang offenbart eine bislang wenig bekannte Leidenschaft von Rudolf Leopold.

Die heilige Barbara mit Turm (l.) und die heilige Katharina ohne Rad (Mitte), Nordtirol, um 1490 sowie Alphäus mit Granatapfel und Kindern (r.), Ulm, um 1510/20.

Die heilige Barbara mit Turm (l.) und die heilige Katharina ohne Rad (Mitte), Nordtirol, um 1490 sowie Alphäus mit Granatapfel und Kindern (r.), Ulm, um 1510/20.Fotos: Katalog Die heilige Barbara mit Turm (l.) und die heilige Katharina ohne Rad (Mitte), Nordtirol, um 1490 sowie Alphäus mit Granatapfel und Kindern (r.), Ulm, um 1510/20.Fotos: Katalog

Rund 120 hochwertige Objekte der Gotik hat Rudolf Leopold zusammengetragen. Diese nur wenig bekannte Facette des im Vorjahr verstorbenen Wiener Kunstsammlers, der vor allem für sein Engagement um die Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts bekannt ist, wird nun in einer Gedächtnisausstellung im Bergbau- und Gotikmuseum in Leongang dem interessierten Publikum präsentiert. Leopolds Gotiksammlung war zuvor noch nie öffentlich zugänglich gemacht worden.

Egon Schiele in seinem Atelier mit der  Figur eines sitzenden Apostels, 1915.

Egon Schiele in seinem Atelier mit der Figur eines sitzenden Apostels, 1915.Foto: Johannes Fischer / Leopold Museum Egon Schiele in seinem Atelier mit der Figur eines sitzenden Apostels, 1915.Foto: Johannes Fischer / Leopold Museum

Das Interesse für die Kunst der Gotik teilte Leopold auch mit dem von ihm geliebten Künstler Egon Schiele (1890 bis 1918). Wie im Rahmen der Ausstellung zu erfahren ist, war Egon Schiele von Rudolf Leopold einst als "Gotiker, Träumer und Realist zugleich" bezeichnet worden.

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Dass Schiele sich ganz konkret für gotische Skulpturen interessierte, veranschaulicht ein Foto aus dem Archiv des Leopold Museums, das den Künstler in seinem Atelier in der Hietzinger Hauptstraße mit der Figur eines sitzenden Apostels zeigt. Diese Apostelfigur befindet sich heute im Wien Museum Karlsplatz.

Egon Schiele vor seinem Gemälde "Begegnung – Selbstdarstellung mit der Figur eines Heiligen", 1914.

Egon Schiele vor seinem Gemälde "Begegnung – Selbstdarstellung mit der Figur eines Heiligen", 1914.Foto: Anton Josef Trčka / Leopold Museum Egon Schiele vor seinem Gemälde "Begegnung – Selbstdarstellung mit der Figur eines Heiligen", 1914.Foto: Anton Josef Trčka / Leopold Museum

Im Jahr 1913 entstand Schieles Gemälde "Begegnung – Selbstdarstellung mit der Figur eines Heiligen". Schiele ließ sich neben diesem Bild in besonderer Pose ablichten; die Fotografie befindet sich heute im Archivbestand des Leopold Museums. Dass sich also auch der Schiele-Sammler Rudolf Leopold für Heiligkeit und Gotik erwärmen konnte, wird wohl wenig verwundern.

Wenn man sich die herrlichen Objekte der Gedächtnisausstellung näher zu Gemüte führt, so wird rasch klar, dass Rudolf Leopold in erster Linie Skulpturen mit besonders ausdrucksstarken Physiognomien gesammelt hat.

Die hier abgebildeten Figuren der heiligen Katharina und der heiligen Barbara, die anno dazumal gemeinsam mit der heiligen Margarete im Volksmund als die "drei heiligen Maderln" bezeichnet wurden, stehen jeweils auf am Boden liegenden Männern, deren Gesichter ebenfalls eine nicht unbeträchtliche Ausdruckskraft erkennen lassen.

Katharinas Sieg über 50 Philosophen

Katharina triumphiert hier über den zu ihren Füßen befindlichen Kaiser Maxentius, den sie der Legende nach besiegte, indem sie 50 von ihm beauftragte Philosophen in einer Disputation zum christlichen Glauben bekehrte.

Barbara steht auf ihrem am Boden liegenden Vater Dioskurus, der sie in einen Turm einsperren ließ. Nachdem sie aber gegen seinen Willen dennoch Christin wurde und selbst nach allerlei Torturen keinen Sinneswandel erkennen ließ, ergriff der zornige Vater das Schwert und enthauptete sie.

Weniger bekannt als die beliebten Nothelferinnen Katharina und Barbara ist heute Alphäus. Er war selbst kein Heiliger, sondern ein Mitglied der "heiligen Sippe". Der geöffnete Granatapfel in seinen Händen verweist symbolisch auf die Auferstehung Christi.

Rudolf Leopold – Gotik Sammlung
Bergbau- und Gotikmuseum Leogang
5771 Leogang (Sbg.), Hütten 10
Di bis So 10–17 Uhr
bis 30. Oktober 2011
Tel. 06583/7105
www.museum-leogang.at

Artikel erschienen am 8. September 2011
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7




Schlagwörter

Museumsstücke, Schiele

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2011-09-02 16:41:08
Letzte Änderung am 2011-09-13 04:40:51


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