
Ein Abend im Bekanntenkreis, die Gespräche drehen sich um den heftig pubertierenden Nachwuchs. Ein Vater beklagt die Kaltschnäuzigkeit seiner Tochter, die ihren Freund knapp einen Monat nach einem lange geplanten romantischen Wochenende abserviert hatte, um wenig später schon den nächsten zu präsentieren. Eine freidenkerische Mutter wundert sich über den Ausschließlichkeitsanspruch, den die Tochter in ihren Beziehungen an den Tag legt, wieder eine andere beklagt die hemmungslose Promiskuität ihrer knapp 16-jährigen Tochter.
Wie ticken unsere Youngsters? Will man diversen Jugendstudien Glauben schenken, auch nicht viel anders als ihre Elterngeneration seinerzeit. Zwar beginnt die Pubertät bei Mädchen und Burschen immer früher, was allerdings nicht zwangsläufig heißen muss, dass sie auch früher Sex haben. Nach wie vor hätten die meisten Jugendlichen zwischen 16 und 17 Jahren den ersten Sex, berichtete die Bravo-Dr.-Sommer Studie vor kurzem. Die Sorge, dass Jugendliche durch den leichten Zugang zu Pornographie im Internet ein falsches Bild von Sexualität bekommen, ist zwar nicht von der Hand zu weisen, aber durch aufklärende Gespräche im Elternhaus lasse sich diese Gefahr relativ leicht in den Griff bekommen, sind Experten überzeugt. Vorausgesetzt, es herrscht ein offenes Gesprächsklima zwischen Erwachsenen und Kids. Denn dass die Uhren für Kinder aus sozial benachteiligten und bildungsfernen Familien anders ticken, ist aus den verschiedenen Studien ebenfalls herauszulesen.
Die romantische Liebe als Grundlage für eine erfüllte Beziehung und Ehe ist eine fixe Größe im Wertekanon unserer Gesellschaft ungeachtet der Tatsache, dass hierzulande etwa 50 Prozent der Ehen schon nach wenigen Jahren scheitern. Laut der Shell Jugendstudie aus 2010 stellen mehr als drei Viertel der Jugendlichen (76 Prozent) für sich fest, dass man eine Familie braucht, um wirklich glücklich leben zu können, und 69 Prozent der Jugendlichen wünschen sich Nachwuchs, allerdings äußerten junge Frauen (73 Prozent) diesen Wunsch häufiger als junge Männer (65 Prozent). Im Rahmen einer repräsentativen Studie des Instituts für Jugendkulturforschung in Wien wiederum wurden junge Frauen im Alter von 16 bis 29 Jahren gefragt, wie sie sich eine "moderne junge Frau" vorstellen. Etwa 90 Prozent wollen selbstbestimmt sein und das Leben genießen. Dass da eine gewaltige Lücke klafft zwischen Wunsch und Wirklichkeit, verrät nicht nur ein Blick auf die überbordende Lebensratgeberliteratur.