
In der Küche von Christine Rabanser duftet es nach Kakao, Lebkuchengewürzen und Puderzucker. Eigentlich hat sich die hauptberufliche Marketing-Fachfrau in einer Bäckerei eingemietet und bäckt, wenn die Bäcker schlafen gehen. Zu Hause probiert die 39-Jährige nur neue Rezepte aus und feilt an ihren Kreationen, aber für das "Wiener Journal" machte sie eine Ausnahme. Lachend betont sie, dass sie "keine Kekserl" bäckt, sondern in der Größe von richtigen Cookies. Rabanser: "Von einem Stück Kuchen fühlt man sich so voll. Und für kleine Kekse habe ich keine Geduld. Ich steche auch nicht gerne aus. Meine Kekse sind meistens mit den Händen gerollt und dann flachgedrückt. Die Keks-Größen bewegen sich zwischen einem normalen Keks und einem Stück Kuchen." Ihre Leidenschaft wurde in Montreal in Kanada geweckt. Der amerikanische, britische und französische Einfluss macht sich dort auch bei den Bäckereien bemerkbar. In den Kaffeehäusern bekommen die multikulturellen Gäste Süßes aus der ganzen Welt. Vor allem: Cookies, die größer sind als österreichische Kekse und hierzulande durch eine amerikanische Kaffeehaus-Kette Bekanntheit erlangten.
Etwas Neues wagen
Nach Rabansers Sabbatical in Kanada reifte die Idee, eine süße Richtung beruflich einzuschlagen. 2009 war es dann so weit, ihr Unternehmen "Bröselkeks" startete. "Das ist mein zweites Standbein. Ich bin der Typ, der vom Prinzip, 40 Stunden für den Arbeitgeber da zu sein, abgeht. Als Selbständige kann ich meine Kreativität ausleben und dafür Verantwortung tragen. Vielleicht braucht man im Leben mehrere Standbeine." Wie alle Quereinsteiger standen anfangs rechtliche Fragen im Vordergrund: "Ich habe immer schon sehr viel gekocht und in meiner Familie gibt es auch Gastronomen. Aber ich hatte nie eine Ausbildung in diese Richtung gemacht. Die Frage war, darf ich Kekse für den Verkauf backen?" Ja, darf sie. Dass sie sich in einer Backstube eingemietet hat, bezeichnet die Keks-Bäckerin als ideale Zwischenlösung. Allerdings wird der Wunsch nach einer eigenen Backküche mit den passenden Geräten immer stärker: "Eine Backstube mit Verkaufsraum oder Café kommt aber nicht in Frage. Damit wäre ich sehr gebunden. Den Traum von einem eigenen Café habe ich nie gehabt."
Factfinding Mission

Ihre Arbeitszeiten sind, wenn andere schlafen. Besonders viel bäckt die Quereinsteigerin am Wochenende. Die Südtirolerin tingelt auch gerne durch die Stadt. Vergangenen Winter fand man sie am Weihnachtsmarkt im WUK. Karmelitermarkt, Naturkost St. Josef und Maggies Genussgalerie sind heiße Tipps, wenn man Rabansers Kekse kosten will. Am einfachsten ist es natürlich, die Kekse über ihre Homepage zu bestellen: "Ich beliefere vorwiegend Firmen und Veranstaltungen. Ich liefere auch für Partys. Da aber die Mindestbestellmenge derzeit bei 20 Stück liegt, können natürlich auch Familien zuschlagen, die keine Zeit zum Backen haben." Rabanser lässt sich nicht gerne auf eine Richtung festlegen: Unter ihren Keksen findet man orientalische Geschmacksrichtungen genauso wie riesige abgewandelte Vanillekipferl oder Schoko-Brownies. Auf Factfinding Mission geht sie in Kochbüchern, im Internet oder kreiert selbst. "Besonders wichtig sind genaue Rezepte. Denn was ist schon ein großes Ei? Ich schreibe in meinen Rezepten auch die Angaben für Eier in Gramm auf. Jedes Backblech sollte gelingen. Wenn etwas nicht gelingt, weil das Rezept ungenau war, dann kostet mich das ja Geld." Außerdem verwendet die begeisterte Keks-Esserin, die definitiv "nicht zur Schokoladen-Fraktion gehört", nur Bio-Zutaten und besonders gerne Demeter-Zutaten.