Oft genug geht sich ja davor nur ein Kaffee oder ein Snack aus und danach genügt meist ein Glas Wein, um den Kunstgenuss sickern zu lassen. Wem aber der Sinn nach ordentlichen lukullischen Herausforderungen steht, der findet eine breite Palette an Möglichkeiten dafür. Die folgenden Tipps entsprechen einer persönlichen Hitliste und sind keineswegs objektiv.
Es gibt wohl kaum eine edlere Adresse als das Sacher, um einen Opernbesuch abzurunden. Wer jetzt gleich die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, sei daran erinnert, dass man sowohl im Café Sacher als auch in der Sacher Stube ganz normal und auch nicht teurer als in anderen Wiener Kaffeehäusern gemütlich seine Melange trinken kann, die übrigens ganz besonders schmeckt, weil sie mit einem kleinen Gupf Schlagobers verfeinert wird. Und wenn schon Sacher Torte, dann an der Quelle! Als süßer Snack empfiehlt sich der Sacherwürfel, der aus demselben Teig geschnitzt ist wie die Torte, nur eben viel kleiner und rundherum mit Schokoglasur überzogen.

Nicht so plüschig wie das Sacher Café ist das Sacher Eck an der Ecke Kärntner Straße/Philharmonikerstraße, das seit seiner Eröffnung im April 2003 ein beliebter Treffpunkt ist. Hier gibts neben süßen und salzigen Snacks auch ein wohlsortiertes Angebot an österreichischen Weinen, die sowohl glasweise als auch im Flaschenverkauf erhältlich sind. Am frühen Abend leider meist sehr voll, also eher für danach geeignet, zumal bis ein Uhr Früh geöffnet ist. Das Erklimmen der hohen, barhockerähnlichen Sessel ist vor allem für Frauenspersonen mit engen Röcken allerdings eine ziemliche Herausforderung.
Wen es nach kulinarischen Weihen gelüstet, ist in den haubengekrönten Restaurants des Hotel Sacher gut aufgehoben. Werner Pichlmaier, Küchenchef der Restaurants "Anna Sacher" und "Rote Bar" hat im aktuellen "Gault Millau" wieder mehrere Hauben verliehen bekommen und darf nun deren drei sein Eigen nennen. Im Restaurant "Anna Sacher" beeindruckte die Tester des Gault Millau vor allem die "ausgesprochen moderne, zum Teil sogar gewagte Umsetzung der Speisen", während die Küche des Restaurants "Rote Bar" mit einer "soliden, guten Klassik aus ambitionierten Gängen" überzeugte. Besonders gemundet hat den Gault-Millau-
Testern das "wirklich fein und würzig abgeschmeckte Beef Tartar mit Trauben-Senf-Eis." Hervorgehoben wird auch das herausragende Service der Herren Ober, die fast jeden Gast seit Jahren zu kennen scheinen und mühelos zwischen den Fremdsprachen hin und herwechseln.
Café Sacher: Täglich von 8 bis 24 Uhr, Warme Küche bis 23.30 Uhr
Sacher Stube: Täglich von 10 bis 24 Uhr, T: (0)1-51 456 0
Sacher Eck: Täglich von 9 bis 01 Uhr, T: (0)1-51 456 699, www.sacher.com
Eine gute Adresse zum Einstimmen auf den Musikgenuss ist das Café direkt in der Oper am Herbert von Karajan Platz 1.
Auch hier lässt es sich davor oder danach bei einem Glas Sekt und einer Kleinigkeit aus der Küche gemütlich plauschen. Es schadet nicht, wenn man ein wenig Geduld mitbringt, weil ein armer Kellner für das gesamte Lokal zuständig ist, was bei Vollbelegung eine Herausforderung ist. Für die Pausen der Opernvorführungen kann man Brötchen und Getränke im Vorhinein auswählen, die dann vorbereitet auf einen warten. Ganz ohne Gedränge und Stress.
Café Oper Wien: Mo-Sa 8 bis 24 Uhr, So 9.30 bis 24 Uhr, T: (0)1-513 39 57, www.cafeoperwien.at
Beim Theater an der Wien hat man die Qual der Wahl. Mein persönlicher Favorit ist das Restaurant Piccini an der Adresse Linke Wienzeile 4, gleich neben dem Feinkostladen, der seit 150 Jahren der Klassiker unter den italienischen Greißlern ist. Endlich wurden die Öffnungszeiten des Restaurants ausgeweitet, sodass man auch nach dem Theaterbesuch die köstlichen Pastavariationen mit passender Weinbegleitung genießen kann. Sehr empfehlenswert auch die Fischgerichte.
Restaurant Piccini: Mo-Sa 12 bis 23 Uhr, T: (0)1-587 52 54, www.piccini.at
Unmittelbar neben dem Theater an der Wien lädt das Theatercafé zum Verweilen ein. Das Theatercafé ist neben dem "Hansen" in der Wiener Börse und dem "Vestibül" beim Burgtheater - das inzwischen von Veronika Doppler und Christian Domschitz geführt wird - das Dritte in der Lokalriege der bekannten Gastronomen Anita und Leo Doppler. Die Räumlichkeiten, die vor über zehn Jahren von dem Architekten Hermann Czech gestaltet wurden, sind nach der Neuübernahme behutsam erneuert worden. Die Küchenlinie konzentriert sich auf feine, leichte Bistro-Küche mit österreichischen Akzenten und Tom Frötsch hat dafür eine Haube im Gault Millau 2012 kassiert.
Klassische Gerichte wie Salades, Tartines und Quiches finden sich neben Risotto mit Stangensellerie, Cranberries und Hirschsalami, Ossobuco mit cremiger Polenta und Schmorgemüse oder Schweinsfledermaus mit Erdäpfelvogerlsalat. Zu Mittag stehen täglich zwei Menüs zur Auswahl, eines davon vegetarisch. Der Champagner der Eigenimportmarke Harlin wird für wohlfeile 7 Euro das Glas angeboten.