
Was wäre Favoriten ohne "Meixners Gastwirtschaft"? Wien wäre um eine Köchin ärmer, die gar nicht so viel Wert auf ihre Haube und Tamtam um ihre Person legt. Bereits seit den 70ern schwingt Berta Meixner den Kochlöffel und von Jahr zu Jahr bemerkt sie, wie sich alles verändert. Zur gemütlichen Runde mit dem Journal gesellten sich auch ihr Ehemann Karl und der 29-jährige Sous-Chef Harald Nowotny.
Sie haben in einem Kindergarten gearbeitet: Wie sind Sie denn in die Gastwirtschaft hineingeschlittert?
Berta Meixner: Meine Familie hatte auch eine Gastwirtschaft, aber mich hat das nie interessiert. Mir waren Familie, die Landwirtschaft und die Arbeit mit Kindern immer viel wichtiger. Schon als Kind musst e ich in der Küche und im Service mithelfen, dafür gab es aber nie Taschengeld. Samstag mussten wir für große Gesellschaften immer bis spät in die Nacht kellnerieren und am Sonntag ging es dann in der Küche weiter. Unsere Jugend haben wir im Wirtshaus verbracht - das war für mich so abschreckend, dass ich lieber mit Kindern arbeiten wollte. Es ist anders gekommen: Nach der Hochzeit 1978 bin ich nach Wien gegangen, wo meine Schwiegermutter ein Gasthaus hatte. Meine Zeit unter ihr war beinhart.
Karl Meixner: Wie Guantánamo.
Als die Schwiegermutter aufhörte, ist es leichter geworden?
Berta Meixner: Ja. Wir haben 1981 übernommen. Wir haben immer wieder Kärntner Spezialitäten und gutes Fleisch aus Kärnten mitgenommen. Wir sind viel essen gegangen und haben geschaut, wie es die anderen machen. Außerdem haben wir zusätzliche Köche eingestellt.
Sie kennen die Branche seit den 70ern. Wie hat sie sich verändert?
Berta Meixner: Es ist stressiger. Die Gäste haben keine Zeit mehr, alles muss immer schnell gehen. Dafür gibt es heute mehr Auswahl an Produkten. Heute kommen alle alten Sorten wieder. Früher hat man sich geniert, wenn man gesagt hat, dass man ein "Wirtshaus" hat. Das war nichts Besonderes und klang fast abschreckend.
Karl Meixner: Früher war das Lokal um neun Uhr in der Früh voll. Damals ist das Amalienbad noch mit Kohle beheizt worden. Da sind die Arbeiter mit ihren selbst mitgebrachten Jausen bei uns gesessen und haben in der Früh drei Krügeln getrunken. Wir haben gesagt, wenn wir übernehmen, wollen wir nicht, dass schon in der Früh die ersten Besoffenen da sitzen. Jetzt ist Favoriten viel ruhiger, weil mittlerweile Andersgläubige hier leben. Damals war es viel härter. Früher sind die Frauen am Nachmittag in die Wirtshäuser gekommen, um ihren Männern den Tageslohn aus den Händen zu reißen, damit noch Geld für die Kinder übrig bleibt.
Sie haben schon seit vielen Jahren eine Haube. Wie wichtig ist sie denn?
Berta Meixner: Das war nie unser Antrieb. Wir haben immer gesagt, wir wollen unser Niveau halten, damit unsere Gäste zufrieden sind. Unsere klassischen Rezepte schmecken noch wie vor 30 Jahren. Eine Zeitlang musste man ja richtig Angst haben, einen Schweinsbraten zu machen, weil es hieß, ein Schweinsbraten ist nicht mehr "in". Wir haben immer bodenständig gekocht: Täubchen oder Trends wie Chili und Ingwer waren nie unseres. Ein bisschen italienisch, aber mehr nicht. Ausprobieren tue ich schon gern, aber nicht mit orientalischen oder asiatischen Gewürzen. Das überlassen wir jenen, die das wirklich können.
Gibts eine kulinarische Erinnerung, die besonders schön war?
Berta Meixner: Als unsere Nichte voriges Jahr in London geheiratet hat, haben wir bei Yotam Ottolenghi in seinem vegetarischen Restaurant gegessen. Das war toll! Auch Jamie Oliver war toll.
Karl Meixner: Unsere Liebe gilt seit einigen Jahren dem Segeln. Am liebsten haben wir den kleinen Wirten in der Bucht. Schöne Erinnerungen haben wir auch, wie wir vor 20 Jahren in Spanien im El Bulli essen waren. Damals ist die Molekular-Küche gerade im Kommen gewesen. Aber Gott sei Dank hatten wir vorher zu Mittag im Hotel viel gegessen.
Dürfen Erdbeeren im Winter auf der Speisekarte stehen?
Berta Meixner: Nein!
Karl Meixner: Zum Garnieren verwenden wir sie. Aber viel schlimmer ist es, dass mittlerweile die Erdbeeren im Sommer auch nicht mehr schmecken.
Artikel erschienen am 24. Februar 2012 in: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 32-33