• 23. Mai 2012

  • RSS abonnieren
  • Wiener Zeitung auf Facebook
  • Auf Twitter verfolgen

Sie sind hier:


  • Artikel vom 16.09.2011, 00:00 Uhr

Mode

  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Albeck goes Salzburg


Von Silvia Matras
  • Die Geschichte von Kriemhild Reiner klingt wie ein Märchen: Mädchen aus Kärntner Bergdorf erobert die Modewelt Salzburgs.

 - © Albeck Moden / Albeck Moden

© Albeck Moden / Albeck Moden

Hej - wer steht denn da mitten in der Kaigasse? - Ein Mädl im zyklamenfarbigen Lederkleid mit dazu passendem Hütchen. Ganz schön frech und vor allem ungewohnt in dem klassischen Ambiente von Salzburg. Das Mädl entpuppt sich als Puppe, die in einen Laden lockt, der mit bunten Modellen aus Leinen, Leder und Walk verblüfft. "Verblüfft" deswegen, weil es in Salzburg diese Art von Mode bisher noch nicht gab. Eine Mode, die zwar das Salzburgische zitiert, sich stilistisch ein wenig an die Tracht anlehnt. Aber mehr als ein Hauch, ein humorvolles Augenzwinkern, ist es nicht.

Werbung

Also gut, jetzt gibt es also ganz neu und ganz ungewöhnlich diesen Laden. Er heißt schlicht "Albeck", nach dem Dorf, aus dem Kriemhild Reiner kommt.

Sie entwirft und näht selbst ihre Modelle. "Denn nur, wenn ich alles selbst mache, kann ich sicher sein, dass alles perfekt ist", meint sie. Und perfekt wirken die Modelle tatsächlich, aber eben nicht allzu perfekt - denn dann wären sie klassisch langweilig. Die Perfektion zeigt sich bei der Ausfertigung der Knopflöcher, der Wahl der Knöpfe und der exakten Nähte, die die Linie des Modells extra betonen. Perfekt ist auch die Auswahl des Materials. Kein Mix aus Viskose und Sonstigem, sondern edle, von Hand gewebte, gestrickte und gefärbte Stoffe. Und perfekt ist auch das ausgeklügelte Maß zwischen Strenge und Verspieltheit. Ein toller Knopf, eine besondere Kragenform, eine Mischung der Farben geben einem an sich einfachen Schnitt den nötigen Pfiff. Die Modelle für Damen sind beschwingt, viel Glockenrock, eventuell ein paar Zentimeter über der Taille angesetzt. Rot und Orange, Lila und Grün, Grau und Blau sind die bevorzugten Farbkombinationen. Den Herren kleidet sie eher klassisch-elegant, gerne mit Anspielung auf die Tracht. Das Hauptaugenmerk liegt auf den kleinen Details, wie prominent verarbeiteten Taschen, Kragen oder Knopflöcher. Auch an die viel begehrte Lederhose wagt sie sich heran und kann durchaus mit der berühmten Konkurrenz aus Bad Aussee mithalten.

"Echt guat!"

In dem kleinen Bergdorf Albeck im Gurktal lernte Kriemhild die Liebe zu Stoffen, zur Schneiderei. Ein Schloss, ein Spargeschäft, ein Gasthaus, tausend Einwohner, ein paar Kühe, keine Touristen. Wie konnte Kriemhild in einem Ort so fernab von der Welt so toll schneidern lernen? "Meine Mutter webte und nähte das Gewand für mich und meine neun Geschwister. Das war echt guat, echt cool. Sie hatte einen guten Geschmack", schwärmt die Tochter von ihrer tüchtigen Mutter. Kriemhild und ihre Geschwister fielen natürlich auf im Dorf. Solche Sachen trägt man doch nicht, hieß es anfänglich. Bis "solche Sachen" auch den anderen gefielen, sollte es noch eine Weile dauern. Inzwischen hing Kriemhild ihrem Traum nach - nämlich auch so schneidern zu können wie ihre Mutter. Zielstrebig verfolgte sie ihr Ziel, ging in Klagenfurt in eine Schneiderlehre, machte die Meisterprüfung und besuchte die dreihjährige Designschule in Graz. Dort lernte sie zeichnen und entwerfen, verfeinerte und erweiterte ihren Horizont, wie sie selbst sagt. Danach hieß es für eine Weile, den Traum zu vergessen. Sie heiratete, bekam drei Kinder und lebte in Albeck. Bald aber begann er wieder virulent zu werden. Dann der erste Schritt in die Selbständigkeit. Immer noch in Albeck, wo sie nach wie vor als Verrückte galt. Das änderte sich schlagartig, als 1993 das Fernsehen zur Tausendjahrfeier des Dorfes anrückte. Ihre Mode sah man in "Willkommen Österreich", und plötzlich war sie eine gemachte Frau, auf die die Dorfbewohner stolz waren. Erst recht, als die ersten Kunden aus nah und fern kamen.



Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2011-09-15 12:38:09


Beliebte Inhalte



Tanz, Musik und Essen bei "La Petite Orgie". - © Bettina Figl / unknown
  • Alternative Kochprojekte sind derzeit in aller Munde. Das "Wiener Journal" hat sich umgesehen und durchgekostet.
  • weiter

Der neue Terminal Skylink in Wien Schwechat bietet mehr Platz und ein modernes Ambiente. - © _MG_1041SL2_111215_RB_041_16bit.psd
  • Neue Strecken ab Wien, schneller nach Straßburg, Hannover, Tallinn, Kalamata, Elba und Skiatos.
  • weiter

 - © Wiener Zeitung
  • Österreichs Textilbranche ist am Ende. Ganz am Ende? Nein, ein kleiner Betrieb im südlichsten Niederösterreich leistet mit stilvoller Maßschneiderei...
  • weiter

Tibet Restaurant - © Anita Ericson
  • Je höher die Berge desto begrenzter naturgemäß das Nahrungsmittelangebot. Doch am Himalaya hat man gelernt, aus den simpelsten Zutaten äußerst...
  • weiter

Um Gruseliges "Draußen im Dunklen" geht es im ersten Raum der Ausstellung. - © (c) Wildbild
  • Das Ungeheuerliche hilft Kindern, ihre Ängste und Wünsche in Bilder zu fassen. Eine Ausstellung im Museum der Moderne Rupertinum in Salzburg widmet...
  • weiter




Werbung




Pallas Athene, 1898
Gustav Klimt
Öl auf Leinwand

Vergessenes wurde wiederentdeckt. Im Naturhistorischen Museum freut man sich über die Belebung des Museums durch die Arbeit des Künstlers Daniel Spoerri. (Im Bild: "Austernschabracken-Pferdeskelett-Spießbock-Kümmerer" von Spoerri.) Blick auf das Werk "Sevilla-Series, No. 1, Tapir" des Künstlers Daniel Spoerri im Rahmen der Ausstellung "ein inkompetenter Dialog?" im Naturhistorischen Museum in Wien. Die Ausstellung ist vom 23. Mai bis 17. September 2012 zu sehen. (21. Mai)
Siehe auch: http://bit.ly/JrMvnU

Ein Demonstrant zeigt der berittenen Polizei das Victory Zeichen.  Hunderte Amerikaner gingen am Wochenende auf die Straße, um gegen den NATO-Gipfel in Chicago zu protestieren. Das amerikanische Model Lydia Hearst posiert für die Kamera.

Werbung