Hej - wer steht denn da mitten in der Kaigasse? - Ein Mädl im zyklamenfarbigen Lederkleid mit dazu passendem Hütchen. Ganz schön frech und vor allem ungewohnt in dem klassischen Ambiente von Salzburg. Das Mädl entpuppt sich als Puppe, die in einen Laden lockt, der mit bunten Modellen aus Leinen, Leder und Walk verblüfft. "Verblüfft" deswegen, weil es in Salzburg diese Art von Mode bisher noch nicht gab. Eine Mode, die zwar das Salzburgische zitiert, sich stilistisch ein wenig an die Tracht anlehnt. Aber mehr als ein Hauch, ein humorvolles Augenzwinkern, ist es nicht.
Also gut, jetzt gibt es also ganz neu und ganz ungewöhnlich diesen Laden. Er heißt schlicht "Albeck", nach dem Dorf, aus dem Kriemhild Reiner kommt.
Sie entwirft und näht selbst ihre Modelle. "Denn nur, wenn ich alles selbst mache, kann ich sicher sein, dass alles perfekt ist", meint sie. Und perfekt wirken die Modelle tatsächlich, aber eben nicht allzu perfekt - denn dann wären sie klassisch langweilig. Die Perfektion zeigt sich bei der Ausfertigung der Knopflöcher, der Wahl der Knöpfe und der exakten Nähte, die die Linie des Modells extra betonen. Perfekt ist auch die Auswahl des Materials. Kein Mix aus Viskose und Sonstigem, sondern edle, von Hand gewebte, gestrickte und gefärbte Stoffe. Und perfekt ist auch das ausgeklügelte Maß zwischen Strenge und Verspieltheit. Ein toller Knopf, eine besondere Kragenform, eine Mischung der Farben geben einem an sich einfachen Schnitt den nötigen Pfiff. Die Modelle für Damen sind beschwingt, viel Glockenrock, eventuell ein paar Zentimeter über der Taille angesetzt. Rot und Orange, Lila und Grün, Grau und Blau sind die bevorzugten Farbkombinationen. Den Herren kleidet sie eher klassisch-elegant, gerne mit Anspielung auf die Tracht. Das Hauptaugenmerk liegt auf den kleinen Details, wie prominent verarbeiteten Taschen, Kragen oder Knopflöcher. Auch an die viel begehrte Lederhose wagt sie sich heran und kann durchaus mit der berühmten Konkurrenz aus Bad Aussee mithalten.
"Echt guat!"
In dem kleinen Bergdorf Albeck im Gurktal lernte Kriemhild die Liebe zu Stoffen, zur Schneiderei. Ein Schloss, ein Spargeschäft, ein Gasthaus, tausend Einwohner, ein paar Kühe, keine Touristen. Wie konnte Kriemhild in einem Ort so fernab von der Welt so toll schneidern lernen? "Meine Mutter webte und nähte das Gewand für mich und meine neun Geschwister. Das war echt guat, echt cool. Sie hatte einen guten Geschmack", schwärmt die Tochter von ihrer tüchtigen Mutter. Kriemhild und ihre Geschwister fielen natürlich auf im Dorf. Solche Sachen trägt man doch nicht, hieß es anfänglich. Bis "solche Sachen" auch den anderen gefielen, sollte es noch eine Weile dauern. Inzwischen hing Kriemhild ihrem Traum nach - nämlich auch so schneidern zu können wie ihre Mutter. Zielstrebig verfolgte sie ihr Ziel, ging in Klagenfurt in eine Schneiderlehre, machte die Meisterprüfung und besuchte die dreihjährige Designschule in Graz. Dort lernte sie zeichnen und entwerfen, verfeinerte und erweiterte ihren Horizont, wie sie selbst sagt. Danach hieß es für eine Weile, den Traum zu vergessen. Sie heiratete, bekam drei Kinder und lebte in Albeck. Bald aber begann er wieder virulent zu werden. Dann der erste Schritt in die Selbständigkeit. Immer noch in Albeck, wo sie nach wie vor als Verrückte galt. Das änderte sich schlagartig, als 1993 das Fernsehen zur Tausendjahrfeier des Dorfes anrückte. Ihre Mode sah man in "Willkommen Österreich", und plötzlich war sie eine gemachte Frau, auf die die Dorfbewohner stolz waren. Erst recht, als die ersten Kunden aus nah und fern kamen.
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