
Nur ein nebensächliches Accessoire? Ein praktisches Behältnis für die unverzichtbaren Gegenstände beim Ausgehen? Ein lästiges Anhängsel? Von wegen. Die Handtasche ist viel mehr als das, nämlich ein eigenständiger Modegegenstand, unverzichtbares Stilmerkmal, stylisches Statement. Die Tasche sei der "treueste Partner einer Frau", ein "Universum voll mysteriöser Gesetze", schreibt der französische Soziologe Jean-Claude Kaufmann in seinem Buch "Le sac. Un petit monde damour" ("Die Tasche. Eine kleine Welt der Liebe"), in dem er die Beziehung der Frau zu ihrem Gefährten zu ergründen versucht und sogar eine Verbindung herstellt zwischen Inhalt und der Aufgeräumtheit einer Tasche und der Persönlichkeit ihrer Trägerin. Die Handtasche, so Kaufmann, stelle für eine Frau dar, was der Schnecke ihre Muschel-Schale sei - außer dass man beim Schneckenhaus den Inhalt kenne und alle Schnecken einander irgendwie ähneln. Was für Handtaschen ganz und gar nicht gilt. Klassisch, praktisch oder individualistisch - die Spielarten sind unzählig.
Sie können groß und geräumig sein und umfassend Auskunft über das alltägliche Leben ihrer Besitzerin geben - mit Kino- und Geldkarten, Kaffeehaus-Rechnungen und Telefonnummern, Spiegel, Lippenstift und einem Parfum-Flakon (man weiß ja nie). Oder klein und handlich daherkommen mit nur dem Wichtigsten wie Schlüsselbund, Handy und Geldbeutel. Sie können chaotisch sein oder aufgeräumt, topmodern oder abgegriffen. Die eine Frau mag einen großen Taschen-Fundus besitzen, aus dem sie täglich auswählt, eine andere nutzt stets dieselbe, eine dritte besitzt eine Wintertasche in Leder und gedeckten Farben und eine helle oder bunte Sommertasche aus leichtem Material wie Leinen oder Korb.
Die Handtasche ist modische Visitenkarte, tragbare Rumpelkammer, ständiger Begleiter, oft aufgeladen mit Erinnerungen und Emotionen. Manche Frauen haben eine nostalgische Beziehung zu ihrem ersten Exemplar, wie man sie zu einer ersten großen Liebe pflegt: Kaufmann zitiert die Französin Carole, die jeden Tag auf dem Weg zur Schule in der Vitrine eines Lederwarenhändlers diese Tasche sieht, von der sie weiß, dass es die ihre ist, sein muss und die sie sich doch gar nicht leisten kann. Nach der Matura kratzt sie das Ersparte zusammen, betritt die Boutique und kauft das begehrte Stück: "Sie hatte auf mich gewartet." Ähnlich wie ein Liebhaber müsse auch eine Tasche für alle Sinne angenehm sein: fürs Auge, für die Nase, für die Haut. Laut Umfragen sind Taschen nach den Schuhen der zweitliebste Fetisch modebewusster Frauen. Am meisten besitzen die traditionell stilsicheren Italienerinnen, die bis zu 60 Exemplare horten - für jede Gelegenheit, für jedes Outfit und jede Laune.
Die Modehäuser haben längst das Potenzial entdeckt, das in Taschen steckt; einige bauen darauf ihren Ruhm und Erfolg auf. So bringen Unternehmen wie Louis Vuitton und Gucci, Prada, Dolce & Gabbana oder Fendi neben ihren Männer- und Damenkollektionen komplette Handtaschenkollektionen auf den Markt. Einige dieser Marken gelten zuerst als Taschen-Hersteller - und dann erst als Modemacher. In Preis und Raffinesse stehen die Einzelexemplare den prächtigen Kreationen in nichts nach - was dem Mann die Armbanduhr oder das Auto bedeutet, das ist so mancher Frau ihre Tasche, heißt es: ein Statussymbol und Luxusgut. Der Handtaschen-Sektor ist längst ein lukrativer Bestandteil der Modeindustrie. Die Designerin Coco Chanel galt auch in dieser Hinsicht als Befreierin der Frauen, ja als Revolutionärin: Mrachte sie doch die kurzhenkeligen Taschen en vogue, die um die Schulter gelegt werden, nicht an der Hand gehalten werden müssen - und mehr Bewegungsfreiheit gewähren. Tragekomfort und Eleganz in einem, auch bei Taschen gelang der Modezarin Chanel dieser Spagat, vor allem mit ihrem Klassiker Chanel 2.55.
Promis und ihre Marken
Die französische Luxusmarke Hermès hat eine lange Tradition als Ledermanufaktur, noch heute macht der Lederwarensektor rund die Hälfte des Umsatzes aus. Ein Modell mit Tragriemen, der "Sac haut à courroies", der ursprünglich dem Transport von Pferdezaumzeug diente, war Vorläufer für ein quadratisches Täschchen, das ab den 1930er Jahren für den alltäglichen Gebrauch hergestellt wurde und später Ruhm erlangte dank einer Frau, die alles veredelte, was sie trug: Grace Kelly alias Grazia Patrizia machte das Modell berühmt, indem sie auf einem Foto damit ihren Babybauch verbarg. Nachdem es auf der Titelseite des britischen Magazins "Life" prangte, ging das Bild um die Welt. Die Tasche erhielt den einprägsamen Namen "Kelly Bag" und war fortan verknüpft mit der strahlenden Fürstin von Monaco. Heute haben die mehr als 200 Variationen, darunter die von Jean Paul Gaultier gestaltete "Shoulder Kelly" oder die klassisch-schlichte "Kelly Flat", die typische Trapezform gemein, den festen Boden mit vier Metallfüßen, einen sanft geschwungenen Henkel.
Seit genau zehn Jahren bringt das deutsche Traditionsunternehmen Graf von Faber Castell den "Pen of the Year" auf den Markt...weiter
Ganz den Blumen verschrieben hat sich FreyWille in seiner neuen Kollektion "Floral Symphony", die sich in drei Linien aufteilt: "Impressionist...weiter