Bunsam ist kein großer Nationalist. Aber dem Fremdenführer ist doch der Hinweis wichtig, dass die große Zivilisation seiner Heimat um einiges älter ist als die der Nachbarn und dass sich das Reich der Siamesen einige der kambodschanischen Errungenschaften angeeignet hat.
Welcher Platz wäre für eine solche Erklärung besser geeignet als die Provinz Siem Reap, wo das Zentrum des Angkor-Reiches lag? Hier ließen die Gottkönige der Khmer zwischen dem 9. und 13. Jahrhundert hunderte Tempel errichten, die sich über eine Fläche von mehr als 200 Quadratkilometer verteilen. Von den vielen Holzbauten, in denen Handwerker und Bauern lebten, ist natürlich nichts mehr vorhanden, aber die aus Ziegeln und Sandstein gebauten Paläste und Tempelanlagen sind seit ihrer Wiederentdeckung im 19. Jahrhundert Anziehungspunkt für Forscher und aus- wie inländische Touristen.

Bekanntestes Bauwerk ist Angkor Wat, das die Kambodschaner die größte sakrale Anlage der Welt nennen, erstreckt sich die um 1150 dem Hindu-Gott Vishnu geweihte Anlage doch über eine Fläche von drei Quadratkilometer. Von ihren fünf maiskolbenförmigen Türmen sind in der Frontansicht drei zu sehen, und als Symbol Kambodschas finden diese sich auf der Nationalflagge ebenso wie auf dem Etikett der (ausgezeichneten) heimischen Biermarke "Angkor". Von der Fläche her noch größer ist die einstige Königsstadt Angkor Thom, umgeben von einer quadratischen Stadtmauer von drei Kilometer Seitenlänge und mit eindrucksvollen Tempeln im Inneren.

Diese zwei Anlagen zählen zu den vier sogenannten "Drei-Sterne-Sehens-würdigkeiten", die jeder Besucher gesehen haben muss. Weiters hinzugezählt werden Banteay Srei, das mit den schönsten Reliefs der Angkor-Epoche prunkt, und Ta Phrom. In diesem einstigen Kloster kann man sich noch den Zustand vorstellen, in dem zwei Franzosen, der Missionar Charles-Emile Bouillevaux und der Forscher Henri Mouhot, die Tempel im 19. Jahrhundert vorgefunden und ins europäische Bewusstsein gebracht haben. Ta Prohm wurde nur teilweise vom überwuchernden Urwald befreit, und die umklammernden Wurzeln riesiger Bäume sind ein beliebtes Fotomotiv. So ganz will man Ta Phrom dem Charme des Verfalls aber doch nicht preisgeben, Taglöhner arbeiten an manchen Stellen an Renovierung und Absicherung.

Anders ist es bei dem Tempel Beng Mealea, der außerhalb der großen Zone liegt, die man mit dem um 40 Dollar erhältlichen Drei-Tage-Pass besuchen kann (und mindestens drei Tage sollte man schon einplanen). Erst 2007 wurde das Gebiet, das 77 Kilometer nordöstlich von Siem Reap liegt, mit Hilfe von Deutschland von den Minen befreit, die als Erbschaft von jahrzehntelangen Kriegshandlungen zu tausenden im Boden liegen. Erst seitdem ist der dort gelegene Tempel für Touristen zugänglich, und hier ist man der Zerstörungskraft des Urwalds noch näher. Anders als in Angkor Wat, das aus der gleichen Bauzeit, nämlich aus dem 12. Jahrhundert, stammt, sind in Beng Mealea viele Aufbauten in sich zusammengebrochen, die riesigen Sandsteinquader liegen bunt durcheinander gewürfelt zu Füßen der noch stehenden Ruinen. Unweit davon liegt übrigens der Steinbruch, aus dem vor Jahrhunderten die Quader gebrochen wurden. Mit unveränderten händischen Abbaumethoden ist er heute wieder in Betrieb, um Material für die Restaurierungsarbeiten zu liefern.
Noch weiter in die Vergangenheit reist man in der Roulos-Gruppe, die aus den Tempelanlagen Bakong, Lolei und Preah Ko besteht. In diesen frühen Bauten der Angkor-Periode wurde noch vor allem mit flachen Lehmziegeln gearbeitet, nur Reliefs und Figuren wurden aus dem Sandstein gemeißelt. Der Touristenzustrom ist hier nicht ganz so groß, und daher die Bedrängnis durch die Einheimischen nicht ganz so arg, die den Fremden Souvenirs verkaufen wollen. Die Väter bieten traditionelle Kniegeigen feil, die Mütter Schals und die Kleinsten können auch schon einige Brocken Englisch: Mit dem hellen Ruf "One Dollar, ten cards only one Dollar" preisen sie ihre Ansichtskarten an. "Friends-International", eine der zahlreichen internationalen Kinderhilfsorganisationen im Land, empfiehlt übrigens, den flehenden Straßenkindern kein Geld in die Hand zu drücken - das animiert die Eltern nur noch stärker, die Kinder früh aus der Schule zu nehmen und das ohnehin hohe Maß an Kinderarbeit weiter zu steigern.
Die Versuchung ist allerdings groß in dem armen Land, an dem Aufschwung des Fremdenverkehrs partizipieren zu wollen, der in den letzten Jahren bis zu zwei Millionen Ausländer vor allem zu den Angkor-Tempeln brachte. In Siem Reap, Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, sind an den Einfallstraßen feudale Hotelkomplexe entstanden. Ein Fremdenführer kann (bei auswärtiger Übernachtung) bis zu 60 Dollar am Tag verdienen, während Reisbauern mit weniger als einem Dollar auskommen müssen. Und im Zentrum Siem Reaps ist die Pub Street und eine Parallelstraße Anlaufpunkt für Touristen geworden. In der rund 200 Meter langen Straße reiht sich ein Lokal an das nächste - vor wenigen Jahren hat hier nur ein einziges Lokal existiert, schildert Walter Tretenhahn, auf Asien spezialisierter Leiter des "eastlink"-Reisebüros. Kambodscha gehört seine besondere Zuneigung, hier betreibt der passionierte Liebhaber des Citroen 2CV sogar Spezialtouren mit sechs Enten-Oldtimern.
20 Jahre und kein bisschen leise präsentiert sich der Steirerhof in Bad Waltersdorf. Was das Ehepaar Gunda und Werner Unterweger aus dem vormals wenig...weiter
Topkapi-Palast© © Atlantide Phototravel/Corbis Topkapi-Palast© © Atlantide Phototravel/Corbis Ein Museum wie kein zweites auf der Welt: Der türkische...weiter