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  • Artikel vom 05.02.2012, 08:00 Uhr

Reisen

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Die Karibik-Insel namens Sonntag

Abseits vom Klischee der blütenweißen Sandstrände


Von Wolfgang Weitlaner
  • Die Insel Dominica hat sich im Lauf der letzten Jahre zum El Dorado des Ökotourismus entwickelt.

Blick über die kleine Ortschaft Soufriere. - © Wolfgang Weitlaner

Blick über die kleine Ortschaft Soufriere. © Wolfgang Weitlaner

Die Antilleninsel Dominica teilt ein ähnliches Schicksal wie Austria und Australia: Sie wird meist mit der Dominikanischen Republik verwechselt. Und das, obwohl die beiden Staaten eigentlich nur sehr wenige Gemeinsamkeiten haben. Ein Blick auf die 750 Quadratkilometer große Insel, die zwischen Martinique und Guadeloupe liegt, lohnt sich, denn trotz ihrer geringen Größe wartet das tropische Eiland mit einigen Superlativen auf.

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Dominica entspricht nicht dem Klischee einer Karibikinsel mit schneeweißen Sandstränden und luxuriösen Hotelburgen. Das unwegsame Landesinnere hat in der Vergangenheit auch dafür gesorgt, dass der Regenwald zum Großteil erhalten geblieben und nicht Zuckerrohrplantagen zum Opfer gefallen ist. Die junge Nation, die auf den Tag genau 485 Jahre nach ihrer Entdeckung von Kolumbus - am Sonntag, den 3. November 1493 - als Commonwealth of Dominica von Großbritannien unabhängig wurde, gilt seit einigen Jahren als das Ökotourismus-Ziel der Karibik schlechthin. Die größten Highlights können zu Fuß erkundet werden. Bei manchen Wanderungen empfiehlt sich auch ein einheimischer Guide, der nicht nur für die Sicherheit sorgt, sondern auch mit Wissen über Tiere und Pflanzen aufwartet.

Scott’s Head ist der südlichste Punkt Dominicas. Hier treffen Karibik und Atlantik aufeinander.

Scott’s Head ist der südlichste Punkt Dominicas. Hier treffen Karibik und Atlantik aufeinander.© Lauryn Ishak/Corbis Scott’s Head ist der südlichste Punkt Dominicas. Hier treffen Karibik und Atlantik aufeinander.© Lauryn Ishak/Corbis

So gibt es hier beispielsweise den zweitgrößten kochenden See der Erde, den man in einer siebenstündigen Tour erkunden kann. Dass das Wandern bei tropischen Temperaturen einiges abverlangt, macht sich spätestens nach den ersten zwei Stunden bemerkbar. Doch was während des Abstiegs in das Valley of Desolation zu erwarten ist, lässt einen die Strapazen rasch vergessen. Inmitten des immergrünen tropischen Regenwaldes tut sich eine karge Felslandschaft auf, aus der Mutter Erde ihre Gase und kochend sprudelnde Quellen entlässt. Klar, dass hier, wo pechschwarze und milchig weiße Bäche aus dem Erdinneren ans Tageslicht dringen, nichts mehr wächst. Unser Guide, Peter Green - von allen Bushman genannt - nimmt drei rohe Eier aus seinem Rucksack, füllt ein Plastiksäckchen mit dem heißen Wasser, bindet das ganze an einem Stecken fest und hält es an die Quelle. Nach zehn Minuten gibt es in der kargen Mondlandschaft weichgekochte Eier: ein gelungener Snack knapp vor dem Ziel der Wanderung. Eine weitere dreiviertel Stunde später erreicht man schließlich den Boiling Lake. Dabei handelt es sich um eine mit Wasser gefüllte Fumarole, dessen Magmakammer direkt unter der Wasseroberfläche liegt. Der See wird von zwei Flüssen gespeist. Inmitten der aufsteigenden Nebelschwaden gibt es eine Jausenpause mit zusätzlichen Infos über alles, was hier lebt und gedeiht. Dann erfolgt der mühsame Rückweg durch das Valley of Desolation und der Abstieg ins Rouseau-Valley. Die beiden größten Freuden nach der Tour-de-Force sind ein kleines Fläschchen heimisches Kubuli-Bier und danach ein Bad im warmen Fluss bei Screw’s in Wotten Waven. Dabei kann man je nach Temperaturwunsch zwischen verschiedenen Becken, die hinter- und nebeneinander angeordnet sind, wählen. Das Bad tut den Muskeln gut. Am Ende serviert der Boss höchstpersönlich einen frischen Obstteller.



WANDERN TAUCHEN ODER WALE BEOBACHTEN

"Unter Tauchern ist Dominica als Destination seit Jahren bekannt", erzählt Simon Walsh, Präsident der Tourismus- und Hotelvereinigung und Chef der Photoagentur Images Dominica. Kein Wunder, denn die Unterwasserwelt an der Karibikküste gehört zu den besten Tauchrevieren der Karibik. Auch für Schnorchler zu erkunden ist die Champagne Bay, wo Milliarden kleiner Luftbläschen vom Meeresgrund aufsteigen und für ein illustres Bild sorgen. Wer lieber im Boot bleiben will, dem sei zu einer Whale-Watching-Tour geraten. Vor der Küste der Insel lebt eine Kolonie von Pottwalen. Pilot- und Buckelwale aber auch Delfine gehören auch zu häufigen Besuchern. "Unser größter Schatz ist die unglaubliche Natur und ihre Vielfalt", meint Walsh. Das Smithsonian Institute hat die Insel als gigantisches Pflanzenlabor, das seit 10.000 Jahren unverändert blieb, tituliert. 365 Flüsse ergießen sich einerseits in die wilde atlantische, andererseits in die sanfte karibische See. Am Indian River - einem der größten und breitesten Flüsse - wurde übrigens "Pirates of the Caribbean" gedreht. Mit Ruderbooten wird man einige Kilometer flußaufwärts gebracht, wo sich die mächtige Botanik mitsamt den großen Landkrabben und bunten Vögeln zeigt.

Doch das größte Abenteuer auf dem Eiland ist der erst kürzlich durchgehend fertig gestellte 183 Kilometer lange Waitukubuli Trail, der längste Wanderweg der Kleinen Antillen. Den Namen hat der Trail von den hier noch lebenden karibischen Indianern erhalten. In deren Sprache heißt die Insel nämlich Waitukubuli - was so viel bedeutet wie "Groß ist ihr Körper" (das bezieht sich auf den Blick Dominicas von der Seeseite her). Die Wege, die die Dörfer und kleinen Pflanzungen miteinander verbinden, werden von den jeweiligen Dörfern aus betreut. "Jeder einzelne Abschnitt ist ein Highlight für sich", bestätigt Gilles Carbon Baptiste, die unter anderem Guide für den nördlichen Abschnitt von Penville bis zur Ortschaft Capuchin ist. Schon als Kind ist sie diesen Weg von einem Dorf zum anderen gelaufen. Heute sind an den Aussichtspunkten Bänke zum Rasten aufgestellt.



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2012-01-31 15:17:19
Letzte Änderung am 2012-02-03 12:31:08


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