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  • Artikel vom 03.02.2012, 08:00 Uhr

Wein

Update: 03.02.2012, 14:09 Uhr
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Werfrings Weinjournal

Vin de soif


Von Johann Werfring
  • Eine Fundgrube für Weinfreunde und Büchernarren bietet der Germanist und Doderer-Spezialist Willi Schedlmayer in seinem originellen Geschäft "La Trouvaille" in Wien-Josefstadt.

Beim wöchentlichen Jour fixe werden auch gereifte Weine aufgetischt.

Beim wöchentlichen Jour fixe werden auch gereifte Weine aufgetischt.Foto: Johann Werfring Beim wöchentlichen Jour fixe werden auch gereifte Weine aufgetischt.Foto: Johann Werfring

Wieder einmal mache ich mich auf den Weg zu einem von Willi Schedlmayer veranstalteten gallophilen Jour fixe. Das "La Trouvaille" (franz. "Glücklicher Fund") ist eine beschauliche Gegenwelt zur glamourösen Wein-Schickimicki-Szene, die mitunter in den vornehmsten Häusern Wiens bombastische Events beschickt.

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Seit über 15 Jahren ist Willi Schedlmayer, der mit einer Arbeit über Heimito von Doderers Roman "Das Geheimnis des Reichs" zum Doktor der Philosophie promovierte, Inhaber des "La Trouvaille – Bücher und Weine". In dem ebenerdigen, gerade einmal 20 Quadratmeter umfassenden Altbau-Laden türmen sich die antiquarischen Schmöker schier endlos in die Höhe, während die im Bereich des Fußbodens aufgeschichteten Weinkartons zum bukolischen Gesamtkolorit ebenso ihren Beitrag leisten wie die zwischen den Büchern befindlichen Bouteillen.

Willi Schedlmayer (l.) in seinem Refugium der Bücher und Weine bei der Rhône-Tal-Degustation.

Willi Schedlmayer (l.) in seinem Refugium der Bücher und Weine bei der Rhône-Tal-Degustation.Foto: Johann Werfring Willi Schedlmayer (l.) in seinem Refugium der Bücher und Weine bei der Rhône-Tal-Degustation.Foto: Johann Werfring

Diesmal bietet Schedlmayer einen vinophilen Querschnitt durch das Rhône-Tal. Seine Gäste, die sich in dem kleinen, gemütlichen Refugium der Bücher und Weine ein Stehplatzerl gesichert haben, dürfen sich bevorzugt auf Gewächse aus den Sorten Syrah, Grenache, Mourvèdre und Carignan freuen. Wie auch sonst gibt es für einen Zehn-Euro-Schein eine Abfolge aus acht Kostproben in recht unterschiedlichen Preiskategorien.

Die Kost beginnt mit einem unkomplizierten Weißwein. Weil die Stammgäste des La Trouvaille vorrangig an Rotweinen interessiert sind, bilden diese fast immer den Schwerpunkt. Der erste Rote ist ein 2009er Côtes du Rhône von Domaine Roche-Audran (10 Euro). Er erweist sich als typischer "vin de soif", wie Franzosen süffige Weine für gewöhnlich anzusprechen pflegen. Sogleich werden – wegen der geschmeidigen Prägung dieses Weins – Vergleiche mit dem in Österreich angestammten Blauen Portugieser angestellt. Wie sich später herausstellen wird, avancierte dieses vergnügliche Leichtgewicht (wohl auch wegen seines guten Preises) zum meistverkauften Wein des Abends.

Nicht immer ist man zu einem gewichtigen Wein mit Tiefgang aufgelegt. Indes stellen Weinfreunde mit fortgeschrittenen Kenntnissen auch an Leichtgewichte gewisse Ansprüche. Ein unausgewogenes dünnes Wässerchen wäre ein Jammer (da lieber gleich Almdudler). Insofern bedarf es eines Gespürs, in diesem Segment geeignete Weine bereitzustellen. Schedlmayer hat es sich zur Passion gemacht, neben den tiefgründigen Kreszenzen und guten Mittelgewichten auch vergnügliche Springinkerln, eben "vins de soif", aufzuspüren.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2012-01-31 13:59:06
Letzte Änderung am 2012-02-03 14:09:47


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