
Wien. Eine Generation liegt zwischen ihnen, es eint sie die Leidenschaft zu Büchern, vorzugsweise von Frauen geschrieben. Und sie bezeichnen sich als Feministinnen - was sich früher viele nicht trauten, berichtet Eva Geber. Die Buchautorin war 31 Jahre lang Redakteurin der Frauenzeitschrift "AUF", die im vergangenen Jahr eingestellt wurde. Doch den dahinterstehenden "Verein zur Förderung feministischer Projekte" gibt es noch - und dieser fördert unter anderem die Buchhandlung "ChickLit", die vergangene Woche in den Räumen der ehemaligen "AUF"-Redaktion in der Wiener Kleeblattgasse 7 seine Pforten geöffnet hat.
"Wiener Zeitung": Warum braucht Wien eine Buchhandlung für feministische Literatur?
Jenny Unger: Damit ich selbst wieder in eine Buchhandlung gehen kann. Seitdem das Frauenzimmer zugesperrt hat (2007, Anm.), habe ich mir Bücher von Freundinnen ausgeliehen, aber gekauft habe ich vielleicht drei.
Wieso kaufen Sie keine Bücher im Internet?
Unger: Ich brauche jemanden, der eine Vorauswahl getroffen hat. Jetzt sucht Paula die Bücher aus, und ich lese sie dann. (lacht) In den Buchhandlungen kommt 80 Prozent von Männern. Man kann auf keine Texte zugreifen, die von Frauen sind oder feministisch, weil das Angebot fehlt. Also dafür dieser Raum.
Paula Bolyos: Ich finde es gut, dass es fachspezifische, kleine Buchhandlungen gibt, wo sich Leute überlegen, was sie anbieten. Und die feministischen Abteilungen in vielen auch größeren Buchhandlungen sind sehr klein, da gibt es kaum etwas.
Eva Geber: Und sie wissen auch nichts. Die Frauenbuchhandlung hat einfach gefehlt.
Welche Bücher hat "ChickLit"?
Bolyos: Wir haben einen großen Romanteil; feministische Romane, Lesbenromane, Krimis. Wir haben verschiedene Schwerpunkte: Frauenbewegung, Frauengeschichte, Kinder- und Jugendbücher und feministische Ökonomie. Und wir werden auch eine Abteilung über Wissenschafterinnen haben, die in und um Wien forschen.
2011 wurde die 31 Jahre alte feministische Zeitschrift "AUF" eingestellt. Warum?