
Major Johannes Schäfer hat es nicht leicht. Da hat er den letzten Fall halbwegs verdaut und glaubt, mithilfe seines Therapeuten und der von diesem verschriebenen Tabletten endlich wieder ins normale Leben gefunden zu haben, als schon wieder ein Krimineller ebendieses kräftig durcheinander wirbelt. Denn der mutmaßliche Serienmörder, den er verfolgen muss, erinnert ihn und seinen Vorgesetzten Oberst Kamp ausgerechnet an einen Mann, der sich seinerzeit nach einer Verfolgungsjagd durch halb Österreich vor ihren Augen das Leben genommen hat. Oder doch nicht? Nein, aber das kann doch nicht sein, dass ein Toter aufersteht! Sind es womöglich nur die Tabletten, die Schäfer da einen Streich spielen? Schließlich machen sie auch einen launischen Choleriker aus ihm, der hin und wieder kurz ausrastet. Ode wäre es ohne die Medikamente noch schlimmer?
Georg Haderer zeichnet in "Der bessere Mensch" nicht nur eine skurril-spannende Kriminalgeschichte, sondern auch eine Charakterstudie eines krisengebeutelten Polizisten und ein Sittenbild der heimischen Ermittlungsarbeit und -politik. Da kommen Innenminister und Polizeipräsident auch schon einmal schlecht weg. Schäfer mit seinen Ecken und Kanten ist aber auch ein hervorragender Reibebaum, dem mit seinem Assistenten Bergmann ein hervorragender Konterpart zur Seite gestellt wurde. Und irgendwie dürfte der Major Schäfer auch ein bisschen seelenverwandt mit einem anderen Major sein, denn Kottan hätte sich sicher in manchen Situationen ähnlich verhalten. Nur dass Haderer den Zenker’schen Klamauk durch wissenschaftliche Recherchen ersetzt hat. Er gehört jedenfalls unzweifelhaft zu den aktuellen großen österreichischen Polizeikrimiautoren.
Georg Haderer: Der bessere Mensch; Haymon; 19,90