Krisenherd

Syrien-Libanon
(rm) Der "Arabische Frühling", der die politischen Karten im Nahen Osten neu gemischt hat, könnte auch für den arabisch-israelischen Konflikt neuen Zündstoff liefern. Die explosive Lage in Syrien ist für den Nahostexperten Markus Bickel, der lange Zeit auch für die "Wiener Zeitung" aus dem Libanon berichtet hat, Anlass, die Gefahrenmomente dieses Konflikts zu analysieren. Bereits im Mai dieses Jahres ist es auf den Golanhöhen zu blutigen Auseinandersetzungen gekommen, als Palästinenser von syrischer Seite aus versuchten, die Grenze zu überschreiten. Bickel beleuchtet in lebendigen Berichten die explosive Situation im Dreiländereck zwischen Israel, Syrien und dem Libanon, die schon in der Vergangenheit von Kriegen und blutigen Anschlägen gekennzeichnet war. Syriens Einfluss im Libanon, der durch den Mord am ehemaligen libanesischen Regierungschef Rafiq Hariri nur vorübergehend geschwächt war, die Rolle der fundamentalistischen Hizbollah, die sowohl Israel als auch die prowestlichen Kräfte im eigenen Land bekämpft, sowie der Einfluss, den der Iran durch die Unterstützung der Hizbollah in der Krisenregion anstrebt, sind ein explosives Gemisch, das jederzeit wieder in einen bewaffneten Konflikt zwischen den Nachbarn ausarten kann.
Der vergessene Nahostkonflikt
Markus Bickel
Edition Weltkiosk, 221 Seiten, 19,40 Euro
Journalistische
Einblicke
(Wei) Es sind zum Teil überraschende Einblicke und Urteile, die der langjährige Ex-Chef der "Presse" in seinem jüngsten Buch serviert. Für Bruno Kreisky hegt er große Wertschätzung, und auch der "Genossin" Dohnal zollt er Anerkennung. Mit zahlreichen Ex-Bundespräsidenten, Bundeskanzlern und Wiener Bürgermeistern verband ihn ein Band der Zuneigung und Ablehnung. Franz Vranitzky und Wolfgang Schüssel schätzte er. Seine Beziehung zu Rudolf Kirchschläger war eher distanziert, jene zu Thomas Klestil bestens. Leopold Gratz und Helmut Zilk waren für ihn interessante Persönlichkeiten, Felix Slavik ein Nobody. Chorherr würzt seine kurzen, zum Teil amüsanten Darstellungen mit Schnurren und Anekdoten, die das Menschliche hinter den Gesichtsfassaden der Politiker blitzlichtartig aufleuchten lassen. Knapp und informativ schildert er die Kulturszene der Nachkriegszeit, erhellend ist die Momentaufnahme der österreichischen Medienlandschaft, erstaunlich das hohe Lob für den verewigten Medienzar Hans Dichand. Thomas Chorherr erweist sich einmal mehr als ein Großmeister des geschriebenen Wortes.
Österreich: Hinter den Kulissen der Politik
Thomas Chorherr
Ueberreuter, 192 Seiten, 22, 95 Euro