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  • Artikel vom 06.02.2012, 15:07 Uhr

Bücher aktuell

Update: 06.02.2012, 15:37 Uhr
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Blick auf die Anatomie der Selbstzerstörung

Kershaw, Ian: Das Ende - Kampf bis in den Untergang


  • Hitlers totalitäre Terrorstrukturen als Motor für Kampf bis zum Zusammenbruch.

Die fanatische Bindung an Hitler löste sich nur zögernd. - © © Bettmann/CORBIS

Die fanatische Bindung an Hitler löste sich nur zögernd. © © Bettmann/CORBIS

(wt) Die totalitären Macht-, Mentalitäts- und Terrorstrukturen des charismatischen Führerregimes im untergehenden NS-Staat unter einem fanatischen Adolf Hitler, der jegliche "feige" Kapitulation wie 1918 ablehnte und den Kampf bis zum Tod einforderte: Sie waren entscheidend, dass Hitlers Wahn im Zweiten Weltkrieg traurige Wirklichkeit werden konnte. Der britische Historiker Ian Kershaw geht in seinem neuen Buch dieser "Anatomie der Selbstzerstörung" nach.

Äußerstes Pflichtbewusstsein nicht zuletzt aufgrund massiver totalitärer Repression und auch Verblendung infolge der Führertreue vor allem vonseiten der Generalität machten Schritte in Richtung einer Kapitulation NS-Deutschlands undenkbar, schreibt Kershaw. Erst nach Hitlers Tod, unter den Bedingungen des völligen, auch moralischen Zusammenbruchs und äußerster Machtlosigkeit, lösten sich die Bindungen an Hitler und sein Regime langsam und zögernd auf.

Information

Ian Kershaw: Das Ende - Kampf bis in den Untergang. DVA, 704 Seiten, 30,90 Euro.

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Was Kershaw in diesem tiefgehenden und glänzend dargelegten Buch über die tragischen Ereignisse des Kampfes von NS-Deutschland bis zum Zusammenbruch vorlegt, gehört sicher zu den Standardwerken für die Wissenschaft. Der Autor beleuchtet das Ende der nationalsozialistischen Diktatur - vom Massensterben an den sich auflösenden Fronten bis zu den Todesmärschen der Juden, von den Luftangriffen auf deutsche Städte bis zu den Schnellurteilen "fliegender Standgerichte". Es ist keine leicht zu verdauende Lektüre, wenn man sich in die von Tod und Terror durchtränkte Endzeit hineinzuversetzen versucht.

Spätestens mit der letztlich gescheiterten Ardennenoffensive gegen die Westmächte im Dezember 1944 schienen in Wahrheit auch für Hitler der Krieg und damit das deutsche Volk verloren. Die Deutschen sah er nun als nicht mehr "stark und opferbereit genug" an, deshalb sollten auch sie untergehen. Trotz zittriger Hand und schwankenden Gefühlsausbrüchen war sein Vernichtungswille ungebrochen, in denen Hitler schließlich anordnete, "alle Sachwerte innerhalb des Reichsgebietes" zu zerstören.

Kershaws Fazit: Die gesellschaftlich verinnerlichte totalitäre Machtatmosphäre der NS-Herrschaft war der Motor, bis zum absoluten Zusammenbruch zu kämpfen. Erst mit Hitlers Selbstmord am 30. April 1945 gab auch dieser seinen Geist auf.




Schlagwörter

Sachbuch, Rezension

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2012-02-06 15:26:04
Letzte Änderung am 2012-02-06 15:37:55


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