
Auch wenn das Vampir-Genre derzeit überstrapaziert scheint, ein paar Leckerbissen gibt es dennoch. Unter anderem die Geschichten der telepathisch begabten Südstaaten-Kellnerin Sookie Stackhouse. Auf ihre naiv-pragmatische Art und Weise geht sie gelassen mit all den zwielichtigen Gestalten von Vampiren über Gestaltwandler bis zu Hexen und Elfen um. Und wenn die Zeit zwischen den seit etwa zehn Jahren regelmäßig erscheinenden Romanen zu lang wird, gibt es jetzt auch Sookie in Kurzgeschichten-Form. Dabei zeigt sich: Wer schreiben kann, kann auch in Zeiten wie diesen noch unterhaltsame Vampir-affine Storys produzieren. Ein Schuss Grusel, viel Fantasie und bodenständiger Humor, verfeinert mit ein wenig, wirklich leicht verdaulicher, Erotik. Schon ist man im Sookieversum, einer Welt, in der man sich gut zurechtfindet und die man so schnell nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Zwischen den Büchern angesiedelt, füllen die Kurzgeschichten Lücken im Leben der Heldin auf, passen sich perfekt ein, setzten kaum Vorwissen voraus und sind gerade deswegen gut lesbar. Und wieder zeigt sich: Nicht alles, was in Buchform gut kommt, muss auch im TV gut sein. Von der Konsumation der Serie zu den Büchern, "True Blood" sei an dieser Stelle abgeraten, besteht doch die Gefahr, die Bilder im Kopf aufgrund derer im Fernseher zu verlieren. Und das wäre wirklich schade...
Charlaine Harris: Vampire und andere Kleinigkeiten. dtv; 8,20 Euro
Artikel erschienen am 17. Februar 2012 in: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 46