
Schnee in der Stadt. Jedes Jahr aufs Neue eine Hass-Liebe. Weiße Weihnachten wünschen sich wohl fast Alle, doch nur selten wird dieser Wunsch auch wahr. Und während es dann im Lauf des Dezembers im Westen immer weißer und weißer wird, warten die Wienerinnen und Wiener weiterhin auf Schnee. Und dann ist er da. Irgendwie jedes Jahr aufs Neue überraschend – zumindest wenn man die Verspätungen der öffentlichen Verkehrsmittel und den morgendlichen Stau im Frühverkehr betrachtet. Und kaum ist die Stadt weiß, wird der Schnee schon wieder weg gewünscht. Doch in diesem Blog soll es nicht um die Ambivalenz der Wiener zum Schnee gehen. Nein. Es geht um den ruhigsten Tag des Jahres in der Stadt.
Mögliche Kandidaten, die aus meiner Sicht gleich aus der Liste fallen: der 24. Dezember – hektisch und im letzten Einkaufsstress mit lauter einkaufswütigen Menschen, die meist nicht sehr freundlich aufgelegt sind. Generell fallen alle Daten bis zum 6. Jänner weg, da die Silvesterknaller gleich nach Weihnachten und durchgehend bis zu den Heiligen drei Königen für ein "stimmungsvolles Hintergrundrauschen" in der Stadt sorgen. Im Sommer ist an einen wirklich ruhigen Tag in der Stadt ohnehin selten zu denken – meist zum Glück.
Und damit schließt sich nun der gedankliche Kreis. Aus meiner Sicht ist der ruhigste Tag des Jahres ist jener, an dem die Stadt zum erste Mal im Schnee "versinkt". Wenn es am Vorabend bereits leicht zu schneien beginnt und Mutter Natur sich in wenigen Stunden von ihrer besten winterlichen Seite zeigt, dann ist der Morgen des neuen Tages einfach nur ruhig.
Die Autos bleiben unter einer Schneedecke eingepackt. Wer nicht muss, schaufelt sie auch nicht frei. Die Schneeräumer sind noch auf den Hauptverkehrsadern beschäftigt und so bleibt meine kleine Einbahngasse still und unbeachtet von der Außenwelt in einem kleinen Winterschlaf versunken. Keine startenden Motoren, keine lauten Schritte. Alle Geräusche werden von der weißen Decke geschluckt.
An diesem ersten richtigen Wintertag ist selbst der Weg zur Arbeit entspannter. In diesen wenigen Stunden scheint die Freude über ein weißes Wien denn morgendlichen Grant zu überlagern. Zudem ist auch die Hektik am Arbeitsweg nicht zu spüren. Der erste Schnee in der Stadt also kann man auch verspätet ins Büro kommen. Alles in Allem könnte es nicht nur der ruhigste, sondern auch der entspannteste Tag in der Stadt sein. Ist aber nicht so. Denn am Abend siegt der Grant. Die Menschen wollen schnell nachhause, der Schnee ist schon einem grauen Gatsch gewichen, sofern nicht schon geschmolzen oder wie in diesem Jahr im Regen verflossen.
Doch egal. Wenn die Morgensonne die eingeschneiten Autos erstrahlen lässt und die Stille die Hektik besiegt, dann weiß ich, dass ist der Tag auf den ich das ganze Jahr warte. Und heuer, ja heuer, hoffe ich sogar, dass in den nächsten Wochen noch einmal ein Wintereinbruch kommt. 364 Tage wäre es dann in diesem Jahr eh noch hektisch und laut, da kann es zwei ruhige Tage im Jahr auch geben – ein Schaltjahr hat auch seine Vorteile zu haben, finde ich.
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