Wien. (may) Lange hat sich der Winter im Osten Österreichs bitten lassen - nun kommt er dafür in geballter Form. Zumindest, was die Temperaturen betrifft: Mit minus 18,3 Grad war in der Nacht auf Freitag Wien die mit Abstand kälteste Landeshauptstadt; womit es nur 3,7 Grad "wärmer" war als am 2864 Meter hoch gelegenen Pitztaler Gletscher.
Für hartgesottene Wintersport-Freunde bedeuten die eisigen Temperaturen rechtzeitig zu den am Freitag gestarteten Semesterferien in Wien und Niederösterreich auch ein großes Spektrum an eisigen Vergnügen - wenngleich der Schnee künstlich erzeugt werden muss.
Natureislaufplätze gibt es Wien jede Menge, und viele davon sind dank dicker Eisdecken auch schon stark frequentiert. Dennoch kommt von der Wiener Gewässerverwaltung MA45 keine offizielle Freigabe, sondern vielmehr eine Warnung: "Wir sehen es als zu gefährlich an, weil Grundwasserströme immer wieder für dünnes Eis sorgen", erklärt MA45-Chef Gerald Loew im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Daher sei Eislaufen auf der Alten Donau zwar nicht verboten, erfolge aber stets auf eigene Gefahr. Selbst wenn die Kältewelle noch Wochen anhielte, würde die MA45 das Betreten der Eisfläche nicht freigeben. Denn dafür müsste es regelmäßige Bohrungen zur Messung der Eisdicke geben - und zwar in so hoher Zahl, dass "das Eis durchlöchert wäre", so Loew.
Noch gefährlicher als die Alte Donau sei die Neue Donau: Da dort im Februar der Wasserpegel sinke, würden gefährliche Hohlräume unter der Eisdecke entstehen und diese instabil machen. Die MA45 rät daher, die Eislaufplätze aus Kunsteis zu nutzen.
Einen Mittelweg geht der Wintertourismus am Neusiedler See: Seit einigen Tagen ist etwa in Rust die Eisfläche offiziell freigegeben - gleichzeitig erfolgt das Betreten auf eigene Gefahr. Zudem wird darauf hingewiesen, die Bereiche um das Schilf sowie dunkle oder offene Stellen zu meiden. Tausende Personen waren in den vergangenen Tagen schon auf dem "Meer der Wiener" auf Kufen, Schlitten oder Eisseglern unterwegs (Infos am Eistelefon Rust: 02685-50215). Wer beim Natureislaufen ganz sicher gehen will, sollte den Kärntner Weissensee aufsuchen: Das auf 930 Meter Seehöhe gelegene Gewässer ist seit Wochen zugefroren und bietet mit 6,5 km² die größte beständig zufrierende und auch präparierte Natureisfläche Europas.
Rodeln auf Kunstschnee
Mit gehöriger Verspätung startet diesen Samstag auch die Hohe-Wand-Wiese in Penzing den Skibetrieb: Der Schlepplift ist während der Semesterferien täglich von 9 bis 21 Uhr geöffnet - es wartet eine 400 Meter lange Kunstschneeauflage (Infos unter www.highhills.at).
Eine Schneekanone wurde auch am städtischen Rodelhügel im Prater angeworfen, der dank Flutlicht täglich bis 21 Uhr benutzt werden kann - und zwar gratis. Der Hügel auf der Jesuitenwiese ermöglicht immerhin bis zu 60 Meter lange Abfahrten (Service-Hotline: 4000-97200).
Es wird noch kälter
Ein Ende der sibirischen Kälte ist in den nächsten Tagen nicht in Sicht - im Gegenteil. Am Wochenende wird der Höhepunkt der Kältewelle erwartet, die sich vor allem im Osten dank lebhaftem Wind noch wesentlich stärker bemerkbar macht. Laut den Meteorologen der Wiener Hohen Warte könnte das Thermometer in höher gelegenen Alpentälern im Westen sogar unter minus 25 Grad fallen. Am Sonntag werden in Wien aber schon wieder "angenehme" minus 7Grad erwartet.