Wien. Flatscreens vor historischen Gewölben. Animationsfilme neben Jahrhunderte alten Präparaten. Christian Köberl, seit 2010 Direktor des Naturhistorischen Museums Wien (NHM), hat viele seiner Pläne umgesetzt. Dieses Jahr muss er allerdings einen Gang zurückschalten, wie er am Dienstag vor Journalisten erklärte. Die seit 2009 stagnierende Basisabgeltung des Bundes von 13,7 Millionen Euro zwinge ihn dazu, die Rücklagen seien fast aufgebraucht. 97,5 Prozent des Budgets fließen laut Köberl in Fixkosten - der Rest in Ankäufe, Werbung und Sonderausstellungen.
An die Zahl von elf Ausstellungen wie im Vorjahr, die parallel zum Sauriersaal eröffneten, werde man heuer daher nicht herankommen. 2011 investierte das NHM vier Millionen Euro. "Ein so vielfältiges Programm schaffen wir heuer nicht", sagte Köberl. Und das, obwohl im Vorjahr die Besucherzahlen von 520.000 auf 550.000 angestiegen sind.
Vielmehr würde dieses Jahr das Budget für das nächste Großprojekt - die Neugestaltung des Meteoritensaals - und die Renovierung weiterer Schausäle aufgebraucht. Die Meteoriten-Schausammlung ist die größte und älteste der Welt - und das Prestigeprojekt Köberls, der selbst Meteoritenforscherist. So mancher Meteorit habe einen Grammpreis von 1000 Euro, sagt er. Im neuen Saal sollen die wertvollen Objekte mithilfe moderner Medien wie interaktiver Stationen in Szene gesetzt werden - Eröffnung soll im Herbst sein. Die Neueinrichtung der Anthropologie-Säle soll 2013 folgen.
Im Dialog mit der Kunst
Trotz aller Sparmaßnahmen soll der Dialog zwischen Naturwissenschaften und Kunst fortgesetzt werden. Die "nicht rosige Finanzlage" der Bundesmuseen, so Köberl, rückt allerdings das geplante Gemeinschaftsprojekt zwischen NHM und Kunsthistorischem Museum in weite Ferne: die Unterkellerung des Maria-Theresien-Platzes, die Raum für Depots schaffen soll. Voraussichtliche Kosten: 70 Millionen Euro. Zwar laufe bereits eine Machbarkeitsstudie - an die Durchführung sei vor 2016 aber nicht zu denken.