
Außer der vielfach kritisierten mangelhaften U-Bahn-Anbindung gibt es nun aber eine neue Diskussion über fehlende Verbindungen zum Flughafen-Wien mittels attraktiver S-Bahn.
Eine direkte S-Bahn vom Hauptbahnhof zum Flughafen, die etwa 20 Minuten benötigen würde, scheint derzeit bestenfalls in Geheimplänen auf - Offizielles gibt es nicht dazu. Obwohl es in der Vergangenheit immer wieder Beteuerungen seitens der ÖBB gegeben hat, die meist jedoch auf nationale Verbindungen abzielten. Ex-ÖBB-Boss Martin Huber sprach etwa einmal von einer Direktverbindung Linz-Flughafen Schwechat.
Wien will 15-Minuten-Takt
Wenn der Westbahnhof im Dezember 2014 seine Bedeutung einbüßt und der Hauptbahnhof in Vollbetrieb geht (Teileröffnung ist Ende 2012), droht damit Flugreisenden ein zeitraubender Umsteigemarathon. Statt bequem den Bahnsteig zu wechseln, müssten sie samt Gepäck zur S-Bahn-Stammstrecke Richtung Norden pilgern, um entweder mit der S7 ab Rennweg oder dem CAT ("City Airport Train") ab Wien-Mitte nach Schwechat zu gelangen. Inklusive Umsteige- und Wartezeiten beträgt der Zeitverlust im Extremfall eine Dreiviertelstunde.
Einzige Alternative wäre wie bisher vom Südbahnhof ein Bustransfer, der freilich weder so bequem noch so schnell wäre. Zudem ist der Flughafen schon jetzt direkt auf den Gleisen der Ostbahn zu erreichen.
Auch im Rathaus schrillen in der Causa mittlerweile die Alarmglocken. Sogar in den rot-grünen Regierungsverhandlungen war die Forderung einer neuen S70 auf eben dieser Strecke ein Thema. "Im neuen Verkehrsdienstevertrag mit den ÖBB muss diese Schnellbahn ein wichtiger Bestandteil sein", fordert der grüne Verkehrssprecher Rüdiger Maresch, der SPÖ und Grüne in dieser Frage "auf einer Linie" sieht. "Da muss es klarerweise eine Direktverbindung geben, am besten im 15-Minuten-Takt." Zugleich dürfe am Intervall der jetzigen Flughafen-S-Bahn nicht gerüttelt werden.
Ähnlich argumentiert der unabhängige Verkehrsexperte Michael Palfinger: "Diese Schnellbahn wäre dringend notwendig. Am besten wäre es, wenn sie nicht nur vom Hauptbahnhof zum Flughafen führt, sondern bereits vom Westbahnhof. Denn dort sind ja die meisten Pendler."
ÖBB: Nichts ist fix
Zurückhaltend äußern sich allerdings die ÖBB: "In nächster Zeit werden wir mit der Stadt Wien in Verhandlung treten, um über zusätzliche Leistungen zu verhandeln", sagt ÖBB-Sprecher Johannes Gfrerer. Sprich: Will Wien mehr Angebot, muss es das auch bezahlen. Dass der Bedarf gegeben wäre, stellen die ÖBB jedoch nicht in Abrede: An Werktagen würden rund 2000 Reisende das Angebot Richtung Flughafen nützen. Zum Vergleich: Früher nahmen 160 Passagiere pro Tag den Bus ab Südbahnhof; via CAT gelangen derzeit rund 3000 Passagiere pro Tag nach Wien-Schwechat.
Zumindest infrastrukturell wollen die ÖBB die Voraussetzungen schaffen, indem bis 2014 um 68,3 Millionen Euro eine leistungsfähigere Strecke zum Flughafen mittels Brücke über den Bahnhof Kledering gebaut werden soll.
Auch noch völlig offen sei, so Gfrerer, wie viele Fernverkehrszüge künftig Schwechat ansteuern. Prinzipiell verfolge man das Ziel, dem Flugzeug durch solche Direktverbindungen Kunden abzujagen. "Damit dann niemand mehr für Anschlussflüge von Linz nach Wien das Flugzeug nehmen muss." Durch den Bau der Götzendorfer Schleife bis 2015 soll dann auch eine Weiterfahrt nach Budapest ermöglicht werden.
Da diese Schienenausbau-Projekte mit rund 130 Millionen Euro maßgeblich von der EU bezahlt werden, ist diese übrigens schon hellhörig geworden. Der deutsche EU-Parlamentarier Michael Cramer (Grüne) hat zuletzt sogar von einem "Treppenwitz der Geschichte" gesprochen, sollte es diese optimale Verbindung zum Flughafen nicht geben; eine klare Zusage sei die ÖBB bis dato aber noch schuldig geblieben, kritisierte Cramer.