Wien. "Ich habe noch nie einen Wallace gelesen. Ich habe sie alle gesehen", verkündete Peter Rapp bei der diesjährigen Kriminacht in Wien. Zahlreiche Besucher hatten sich im Café Hummel versammelt, um am Edgar Wallace Special teilzuhaben. Neben Speis und Trank lauschten sie den Vorlesern Peter Rapp und Dieter Chmelar. Der vorgetragene Text: Auszüge aus "Der Hexer", Wallace bekanntestem Roman.
Zum siebenten Mal fand die Wiener Kriminacht statt – und der Erfolg hält an. Jahr für Jahr gibt es mehr Lesungen, mehr teilnehmende Locations und mehr Besucher. Die Wiener Kriminacht wurde bereits über die Grenzen Österreichs hinaus getragen: Erstmals hatte Anfang September eine Veranstaltung auch in Berlin stattgefunden.

Im Café Hummel feierten die Gäste 100 Jahre Edgar Wallace. 100 Jahre wegen seines ersten Afrikaromans "Sanders vom Strom", durch den Wallace bekannt wurde. Aber der Weg dorthin begann früher: 1875 als Richard Freeman in London geboren, war er der uneheliche Sohn eines Schauspielpaares. Unmittelbar nach der Geburt wurde er adoptiert und wuchs fortan in ärmlichen Verhältnissen auf. Keine Schulbildung, keine Festanstellung – Wallace lebte von verschiedenen Hilfsarbeiten. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem er sich im Burenkrieg in Südafrika als Journalist einen Namen machte.
Neben seiner Tätigkeit als Reporter widmete sich Wallace vermehrt dem Schreiben von Krimis. 1905 erschien sein erster Roman "Die vier Gerechten". Einer größeren Öffentlichkeit bekannt wurde er eben mit "Sanders vom Strom" 1911. Und vor 85 Jahren, im Jahr 1926, fand die Uraufführung seines berühmtesten Krimis "Der Hexer" als Theaterstück in London statt.
Krimis, Essays und Theaterstücke
175 Romane schrieb Wallace Zeit seines Lebens. Daneben existieren noch Essays, Erzählungen oder Theaterstücke. Ein Grund für seine Produktivität: chronischer Geldmangel. So soll der Autor bis zu einen Roman pro Tag diktiert haben. Im Alter von 57 Jahren starb er an den Folgen einer Lungenentzündung. Da er auch als Drehbuchautor tätig war, konnte er seinen vielleicht größten Erfolg nicht mehr sehen: "King Kong" wurde zum Klassiker. Jedoch ist der tatsächliche Anteil von Wallace am Film bis heute umstritten.
Edgar Wallace gilt als der am meisten verfilmte Autor des 20. Jahrhunderts. Insgesamt existieren 38 Filme der sogenannten Wallace-Serie, die zwischen 1959 und 1972 entstanden ist. Namhafte deutsche Schauspieler wie Joachim Fuchsberger, Heinz Drache oder Klaus Kinski besetzten Rollen. "Kinski war immer der Bösewicht, aber nie der Täter", machte Chmelar klar.
Noch heute beschäftigt Edgar Wallace die Menschen. Denn wie lautet der bekannte Werbespruch? - "Es ist unmöglich von Edgar Wallace nicht gefesselt zu werden."