Stundenlang bei einer Tasse Kaffee sitzen, eine Zeitung oder ein Buch dabei lesen oder gemütlich mit Freunden plaudern, wo könnte man das besser als in einem Wiener Kaffeehaus? Und wenn es dann vielleicht noch das altehrwürdige Café Central im Palais Ferstel in der Herrengasse ist, dann ist das schon etwas Besonderes. Immerhin 135 Jahre hat dieses "Institut für Genuss und Müßiggang" schon auf dem Buckel, aber nichts von seiner Grandezza, seiner Geschäftigkeit und seinem Glanz verloren. Obwohl, es sah nicht immer so gut aus für dieses Kaffeehaus, dessen Räumlichkeiten anfangs von der Börse genutzt wurden. Um die Jahrhundertwende war es nicht nur ein beliebter Treffpunkt der Reichen und Schönen (aber auch nicht so Schönen), sondern vor allem der Künstler und Gelehrten. Für die Schriftsteller Franz Kafka, Alfred Polgar, Robert Musil, Hugo von Hofmannsthal oder Arthur Schnitzler war das Café Central ihre Kreativwerkstatt, der Vater der Psychoanalyse, Siegmund Freud, führte angeregte Diskussionen und der Literat Peter Altenberg gab das Café Central sogar als seine Wohnadresse an. Eine lebensgroße Figur dieses fein- und scharfsinnigen Beobachters menschlicher Schwächen begrüßt übrigens heute jeden Gast, der das Café betritt . . .
Als 1918 die Donaumonarchie zerbrach, wurde es stiller um den ehemaligen Treffpunkt der geistig-künstlerischen Elite. 1925 schloss das Café Central für ein Jahr seine Pforten, um nach umfangreichen Verschönerungs- und Verbesserungsarbeiten 1926 als Café-Restaurant wieder zu öffnen. Doch 1943 schien endgültig Schluss mit der Herrlichkeit, das Café Central wurde dem Verfall und dem Vergessen preisgegeben. Aber Wien ist anders und da weder das Palais noch die ehemals rauchgeschwängerten Räumlichkeiten des Cafés zu einer Bank- oder Supermarktfiliale umfunktioniert worden waren, stand 1982 nach hohen Investitionen in die Renovierung einer Wiedereröffnung des Café Central nichts mehr im Wege. Im Arkadenhof veranstaltete der ORF seine berühmten "Café Central"-Diskussionsrunden, später wurde das Ambiente im Studio nachgebaut. Heute bietet das Café Central in der angestammten Säulenhalle süße und pikante Wiener Gastlichkeit, veredelt mit etlichen Kaffeespezialitäten aus der langen Tradition der Wiener Kaffeezubereitung: Pierre Reboul sorgt für die Köstlichkeiten aus der Patisserie, Bernhard Laimer schwingt Kochlöffel und Co.