• 27. Mai 2012

  • RSS abonnieren
  • Wiener Zeitung auf Facebook
  • Auf Twitter verfolgen

Sie sind hier:


  • Artikel vom 16.06.2011, 00:00 Uhr

Service

Update: 14.07.2011, 16:53 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Zum 40. Jubiläum fehlt dem Sigmund Freud Museum Geld für Modernisierung

Kulturerbe ohne Lift


Von Eva Stanzl
  • Kein Budget für Adaptierung und Ausbau des Hauses.
  • Ministerien wollen für privates Museum nicht zuständig sein.

Wien. Die morgige Feier zum 40. Jubiläum des Sigmund Freud Museums wird wohl ein sparsamer Anlass. Auf dem Programm steht ein Abend der offenen Tür mit Festvortrag des New Yorker Psychoanalytikers Otto Kernberg und Grußbotschaften von Seiten der Politik. Doch da das Wissenschaftsministerium sein Budget für Veranstaltungen in außeruniversitären Forschungseinrichtungen gestrichen hat, fehlt dem Museum für ein Buffet das Geld - Sponsoren müssen einspringen.


Nun könnte man sagen: Recht so. Warum soll der Steuerzahler für das leibliche Wohl eines kleinen Kreises aus der Fachwelt aufkommen? Allerdings ist das Veranstaltungsbudget nicht das einzige Problem. Dem Freud Museum fehlt nämlich auch Geld für die Forschung und für die immer dringender werdende Adaptierung der Räumlichkeiten.

Werbung

Die ehemalige Ordination Sigmund Freuds wurde am 15. Juni 1971 von Bundeskanzler Bruno Kreisky als Museum zugänglich gemacht. Heute steht das Haus in der Berggasse 19 im neunten Wiener Gemeindebezirk weltweit für den Begründer der Psychoanalyse. Doch dass das über drei Stockwerke verlaufende Museum nicht behindertengerecht zu besuchen ist, sorgt in der Museumsleitung für Kopfzerbrechen. Auch die Platzfrage ist ungelöst: Derzeit besuchen 70.000 Besucher im Jahr 400 Quadratmeter an Schaufläche. "Im Sommer sind manchmal 400 Leute pro Tag da", erklärte jüngst Direktorin Inge Scholz-Strasser.

Absurderweise lägen gleichzeitig rund 1000 Quadratmeter unbespielt als Lager brach. "Wir haben kein Investitionsbudget", so Scholz-Strasser. Seitdem die Stadt 2006 der Freud-Stiftung das mit 2,2 Millionen Euro bewertete Haus überschrieb, habe sich das Ministerium finanziell "mehr und mehr zurückgezogen". Ansuchen für Umbauten würden mit Dreizeilern abgewiesen - wie kürzlich der laut dem Museum nötige Einbau eines Lifts.

Das Museum finanziert sich derzeit zu 60 Prozent über Eintrittskarten und zu zehn Prozent aus Sponsorengeldern. Der laufende Betrieb wird aus einer Basisförderung der Stadt Wien von 240.000 Euro bezahlt.

Forschung liegt brach

"Für Forschungsprojekte, Ausstattung und Investitionen haben wir in der Vergangenheit beim für Museen zuständigen Kulturministerium angesucht. Doch nun werden die Anträge nicht mehr in unserem Sinn entschieden", sagt Museumssprecher Peter Nömeier. Die letzte Forschungsausstellung mit wissenschaftlicher Publikation hätte man 2006 veranstaltet. "Derzeit machen wir nur Archiv-Präsentationen und zeigen unsere Kunstsammlung", so Nömeier.

"Unsere Zuständigkeit liegt in erster Linie bei den Bundes- und nicht den Privatmuseen", sagt Siegrid Wilhelm, Sprecherin von Kulturministerin Claudia Schmied: "Bauliche Maßnahmen fallen nicht in unseren primären Bereich." Gefördert würde vielmehr die Erhaltung kulturellen Erbes - wobei das Ministerium darunter die Restaurierung, Konservierung und Inventarisierung von Sammlungsobjekten versteht, sowie den Einsatz von neuen Medien zur zeitgemäßen Präsentation. Gebäude und deren zeitgemäße Nutzung zählen demnach offenbar nicht zur Erhaltung von kulturellem Erbe.




Schlagwörter

Museum

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2011-06-13 17:37:34
Letzte Änderung am 2011-07-14 16:53:19

Beliebte Inhalte



Das Museum für 'Verhütung und Schwangerschaftsabbruch' feiert 2012sein fünfjähriges Bestehen. - APAweb / Helmut Fohringer
  • Fast 20.000 Besucher seit 2007.
  • Geschichte der Verhütung und des Schwangerschaftsabbruchs werden dokumentiert.
  • weiter

Federico García Lorca und Leonard Cohen: Zwei Dichter schaffen ein Lied über Wien... - Public Domain / Rama - Creative Commons Vor 100 Jahren entwickelte sich die österreichische Literatur im Fünfeck Wien-Prag-Budapest-Lemberg-Berlin. Heute gehören ebenso selbstverständlich...weiter

Das Cafe Drechsler bleibt über die Sommermonate geschlossen. - Cafe Drechsler
  • Bezirksvorsteherin: "Vorgehensweise nicht nachvollziehbar".
  • weiter

Jugendliche im Jugendzentrum Alt Erlaa beschäftigen sich mit den Thema Zusammenleben. - Ismail Gökmen / PID
  • Rund 60 Diskussionen seit Start der Charta-Gespräche
  • weiter

 - © Johann Werfring
  • Der hier abgebildete Turm erstrahlt seit kurzem wieder in neuem Glanz.
  • weiter




Werbung




Noch wird gebaut, ab 2013 sollen 25.000 Studierende am WU-Campus Vorlesungen besuchen und sich austauschen.

26.05.2012 - Die Bildkombo zeigt Besucher des 21. Wave-Gotik Festivals in Leipzig. Für die Gothics gibt es bis Pfingstmontag (28.05.2012) ein Programm mit mehr als 200 Künstlern an den verschiedensten Veranstaltungsorten quer durch die Stadt. Der Veranstalter rechnet mit rund 20.000 Besuchern, darunter auch Gästen aus Japan, Australien und Argentinien. Pallas Athene, 1898
Gustav Klimt
Öl auf Leinwand

Vergessenes wurde wiederentdeckt. Im Naturhistorischen Museum freut man sich über die Belebung des Museums durch die Arbeit des Künstlers Daniel Spoerri. (Im Bild: "Austernschabracken-Pferdeskelett-Spießbock-Kümmerer" von Spoerri.) Blick auf das Werk "Sevilla-Series, No. 1, Tapir" des Künstlers Daniel Spoerri im Rahmen der Ausstellung "ein inkompetenter Dialog?" im Naturhistorischen Museum in Wien. Die Ausstellung ist vom 23. Mai bis 17. September 2012 zu sehen. (21. Mai)
Siehe auch: http://bit.ly/JrMvnU

Werbung