Wien. Die morgige Feier zum 40. Jubiläum des Sigmund Freud Museums wird wohl ein sparsamer Anlass. Auf dem Programm steht ein Abend der offenen Tür mit Festvortrag des New Yorker Psychoanalytikers Otto Kernberg und Grußbotschaften von Seiten der Politik. Doch da das Wissenschaftsministerium sein Budget für Veranstaltungen in außeruniversitären Forschungseinrichtungen gestrichen hat, fehlt dem Museum für ein Buffet das Geld - Sponsoren müssen einspringen.
Nun könnte man sagen: Recht so. Warum soll der Steuerzahler für das leibliche Wohl eines kleinen Kreises aus der Fachwelt aufkommen? Allerdings ist das Veranstaltungsbudget nicht das einzige Problem. Dem Freud Museum fehlt nämlich auch Geld für die Forschung und für die immer dringender werdende Adaptierung der Räumlichkeiten.
Die ehemalige Ordination Sigmund Freuds wurde am 15. Juni 1971 von Bundeskanzler Bruno Kreisky als Museum zugänglich gemacht. Heute steht das Haus in der Berggasse 19 im neunten Wiener Gemeindebezirk weltweit für den Begründer der Psychoanalyse. Doch dass das über drei Stockwerke verlaufende Museum nicht behindertengerecht zu besuchen ist, sorgt in der Museumsleitung für Kopfzerbrechen. Auch die Platzfrage ist ungelöst: Derzeit besuchen 70.000 Besucher im Jahr 400 Quadratmeter an Schaufläche. "Im Sommer sind manchmal 400 Leute pro Tag da", erklärte jüngst Direktorin Inge Scholz-Strasser.
Absurderweise lägen gleichzeitig rund 1000 Quadratmeter unbespielt als Lager brach. "Wir haben kein Investitionsbudget", so Scholz-Strasser. Seitdem die Stadt 2006 der Freud-Stiftung das mit 2,2 Millionen Euro bewertete Haus überschrieb, habe sich das Ministerium finanziell "mehr und mehr zurückgezogen". Ansuchen für Umbauten würden mit Dreizeilern abgewiesen - wie kürzlich der laut dem Museum nötige Einbau eines Lifts.
Das Museum finanziert sich derzeit zu 60 Prozent über Eintrittskarten und zu zehn Prozent aus Sponsorengeldern. Der laufende Betrieb wird aus einer Basisförderung der Stadt Wien von 240.000 Euro bezahlt.
Forschung liegt brach
"Für Forschungsprojekte, Ausstattung und Investitionen haben wir in der Vergangenheit beim für Museen zuständigen Kulturministerium angesucht. Doch nun werden die Anträge nicht mehr in unserem Sinn entschieden", sagt Museumssprecher Peter Nömeier. Die letzte Forschungsausstellung mit wissenschaftlicher Publikation hätte man 2006 veranstaltet. "Derzeit machen wir nur Archiv-Präsentationen und zeigen unsere Kunstsammlung", so Nömeier.
"Unsere Zuständigkeit liegt in erster Linie bei den Bundes- und nicht den Privatmuseen", sagt Siegrid Wilhelm, Sprecherin von Kulturministerin Claudia Schmied: "Bauliche Maßnahmen fallen nicht in unseren primären Bereich." Gefördert würde vielmehr die Erhaltung kulturellen Erbes - wobei das Ministerium darunter die Restaurierung, Konservierung und Inventarisierung von Sammlungsobjekten versteht, sowie den Einsatz von neuen Medien zur zeitgemäßen Präsentation. Gebäude und deren zeitgemäße Nutzung zählen demnach offenbar nicht zur Erhaltung von kulturellem Erbe.