• 24. Mai 2012

  • RSS abonnieren
  • Wiener Zeitung auf Facebook
  • Auf Twitter verfolgen

Sie sind hier:


  • Artikel vom 21.03.2011, 16:48 Uhr

Forschung

  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Sommerakademie zur wissenschaftlichen Leistungsfähigkeit der Künste

Die Casting-Show der Kulturwissenschaften


Von Maike Seidenberger
  • Künstlerische Forschung als Teil der Wissenschaften.
  • Zugängliche Beiträge, keine Prüfungssituation.
  • Wien. Leonardo da Vinci war beides, Arnold Schönberg ebenso: Künstler und Forscher in Personalunion. Dass Ästhetik und Analytik keine unversöhnlichen Gegensätze sind, gerät in dem von naturwissenschaftlich geprägter Methodik bestimmten Wissenschaftsbetrieb aber gerne in Vergessenheit.

Künstler und Forscher: Arnold Schönberg, Erfinder der Zwölfton-Musik. Foto: apa

Künstler und Forscher: Arnold Schönberg, Erfinder der Zwölfton-Musik. Foto: apa Künstler und Forscher: Arnold Schönberg, Erfinder der Zwölfton-Musik. Foto: apa

Das Wiener Internationale Forschungszentrum Kulturwissenschaften (IFK) widmet seine neunte Sommerakademie dem brisanten Thema der künstlerischen Forschung: "Artistic Research? Die Zirkulation von Erfahrung, Wissen und Erkenntnis in der Kultur".

Werbung

Von 21.bis 27. August werden in Maria Taferl fünf Kunst- und Wissenschaftsforscher mit 20 Nachwuchswissenschaftern und kulturwissenschaftlich versierten Künstlern die Demarkationslinie zwischen Kunst und Wissenschaft verhandeln. "Es geht darum, die kognitive Leistungsfähigkeit der Künste als ebenbürtig anzuerkennen", erläutert IFK-Direktor Helmut Lethen einen Kernbereich des Generalthemas der künstlerischen Forschung.

Die Debatte um die Wertigkeit des künstlerischen Forschens ist mehr als ein reines Nachziehen der Künste auf das Wertschätzungsniveau der etablierten Wissenschaft. In Frage gestellt wird der Hegemonieanspruch der Forscher - bilden doch kreative Elemente, wie Aufmerksamkeit für Anomalien oder das Gesetz des Zufalls, eine Säule ihrer Forschungsleistung.

Doch das neue Forschungsfeld bietet auch Stoff für Status-Kontroversen. Scheinbar banale Praktiken des Wissenschaftsbetriebs werden hinterfragt: "Können auf Kunstakademien Dissertationen geschrieben werden?", so Lehten. Antragsformulare für EU-Projekte seien für natur-, sozial- und geisteswissenschaftliche Forschung konzipiert: "Man müsste neue Formate erfinden, in denen die Forschungsleistung der Künste präsentiert werden kann - eine wissenschaftliche Arbeit könnte ja auch darin bestehen, ein Musikstück anzuhören."

30.000 Euro Budget

Finanziert werden die 30.000 Euro Budget der IFK-Sommerakademie aus dem Sonderprogramm "Exzellenzinitiative Kulturwissenschaften" des Wissenschaftsministeriums. Nachwuchs-Teilnehmer erhalten Stipendien. Lehten rechnet mit bis zu 150 Bewerbungen. Er will die IFK-Sommerakademie außerhalb des etablierten Konferenz- und Wissenschaftsbetriebs positioniert wissen: "Es geht nicht um Karriereplanung oder das Präsentieren auf einem Marktplatz." Zudem müssten die vorgestellten Beiträge zugänglich sein: "Die Hermetik wissenschaftlicher Kunstsprachen wird nicht akzeptiert."

Dementsprechend sei die Publikation eines dort präsentierten Projekts ein Glücksfall. "Jedes Element einer Prüfungssituation ist ausgeschaltet." So ganz aber doch nicht: Schließlich ist die Akademie für den IFK-Chef auch "eine Art Casting-Show" - etliche Teilnehmer vergangener Jahre wurden vom IFK als Junior Fellows rekrutiert.



Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2011-03-21 16:48:01
Letzte Änderung am 2011-03-21 16:48:00


Beliebte Inhalte



Einen vom Bundesdenkmalamt als "sensationell" eingestuften Fund haben Archäologen unter dem Gelände der Burgruine Reichenstein in Tragwein im Bezirk Freistadt in Oberösterreich gemacht. Sie entdeckten große Teile einer alten Burg. - Foto: Archiv
  • Die Grabung ist noch gar nicht abgeschlossen, sodass weitere Entdeckungen nicht ausgeschlossen sind.
  • weiter

Jagd in Deutschland: Hohe Wildbestände und entsprechend viele geschossene Tiere. - © dpa/Philipp Schulze Nun geht auch einer der profiliertesten deutschen Forstexperten den Jägern an den Kragen. Er zielt aber nicht nur neidig auf deren Privilegien...weiter

Polleys "Flash-Matic" erinnert auf den ersten Blick eher an eine Gartenspritze als an eine Fernbedienung. Und doch war der kleine Apparat bei seinem Debüt im Jahr 1955 eine Sensation. Ab nun brauchte niemand mehr von seinem Sessel aufzustehen, wenn er das Programm umschalten wollte. Die Couch-Potato war geboren. - APAweb/AP Chicago. Ohne diesen Mann gäbe es keinen gemütlichen Fernsehabend: Der Amerikaner Eugene Polley erfand in den 1950er Jahren die erste kabellose...weiter

Galaxien (hier NGC 247) scheinen vor uns und voreinander zu fliehen, und das mit einem immer höheren Tempo. Waltet hier die Dunkle Energie? - Europäische Südsternwarte, Chile (ESO)
  • Die "Dunkle Energie" ist den Wissenschaftern noch nicht sehr genau bekannt, aber sie könnte eines fernen Tages das Schicksal des Universums besiegeln.
  • weiter

Die Menschenrechtsaktivistin und Trägerin des Alternativen Nobelpreises 2004 ist neben dem österreichisch-brasilianischen Bischof Erwin Kräutler eine von zahlreichen Kritikern, die vor den Auswirkungen des Projekts auf den Amazonas-Regenwald und die autochthone Bevölkerung warnen. - APAweb/EPA
  • Menschenrechtsaktivistin und Trägerin des Alternativen Nobelpreises 2004 in Österreich.
  • Österreicher sowohl auf Seite der Kritiker als auch der Errichter.
  • weiter




Werbung



Schlagwörter



Pallas Athene, 1898
Gustav Klimt
Öl auf Leinwand

Vergessenes wurde wiederentdeckt. Im Naturhistorischen Museum freut man sich über die Belebung des Museums durch die Arbeit des Künstlers Daniel Spoerri. (Im Bild: "Austernschabracken-Pferdeskelett-Spießbock-Kümmerer" von Spoerri.) Blick auf das Werk "Sevilla-Series, No. 1, Tapir" des Künstlers Daniel Spoerri im Rahmen der Ausstellung "ein inkompetenter Dialog?" im Naturhistorischen Museum in Wien. Die Ausstellung ist vom 23. Mai bis 17. September 2012 zu sehen. (21. Mai)
Siehe auch: http://bit.ly/JrMvnU

Ein Demonstrant zeigt der berittenen Polizei das Victory Zeichen.  Hunderte Amerikaner gingen am Wochenende auf die Straße, um gegen den NATO-Gipfel in Chicago zu protestieren. Das amerikanische Model Lydia Hearst posiert für die Kamera.

Werbung