• 24. Mai 2012

  • RSS abonnieren
  • Wiener Zeitung auf Facebook
  • Auf Twitter verfolgen

Sie sind hier:


  • Artikel vom 21.02.2012, 16:34 Uhr

Mensch

  • Artikel
  • Lesenswert (8)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Berühmtes Psychologie-Experiment des Behaviorismus steht unter dem Verdacht des akademischen Betruges

Die große Lüge über den kleinen Albert


Von VonWZ-Korrespondent Roman Goergen
  • Was John B. Watson machte, war viel eher Manipulation als Psychologie.

Toronto.

John B. Watson ist in Verruf gekommen.

John B. Watson ist in Verruf gekommen.© © Underwood & Underwood/Corbis John B. Watson ist in Verruf gekommen.© © Underwood & Underwood/Corbis

Menschliches Verhalten lässt sich naturwissenschaftlich erklären und konditionieren. Das wollte der amerikanische Psychologe John B. Watson mit dem Experiment mit dem kleinen Albert beweisen. Neue Belege zeigen: Das Experiment war getürkt. Der kleine Junge hatte einen Hirnschaden.

Werbung

Die alten, wackligen Filmaufnahmen von 1920 lassen den Gesichtsausdruck des kleinen Alberts nur erahnen. Der neun Monate alte Junge scheint zunächst guter Laune. Der Forscher John B. Watson von der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore präsentiert dem Kleinkind eine ganze Reihe von Objekten und Kleintieren. Kein Problem für Albert - selbst von einem kleinen Feuer lässt er sich nicht beeindrucken.

Doch als die weiße Ratte, die der Kleine in der ersten Versuchsreihe noch als möglichen Spielpartner ausgemacht hatte, zwei Monate später wieder erscheint, schlägt Watson hinter Albert mit einem Hammer gegen eine Metallstange. Der laute Klang erschreckt den Jungen. Bei Wiederholungen beginnt das Kind zu weinen. Schließlich kann der Forscher Albert nur mit der weißen Ratte zum Weinen bringen, der Lärm der Stange ist nicht mehr nötig. Zuletzt reagiert Albert auch mit Furcht auf Dinge, die er mit der Ratte assoziiert - andere Kleintiere, Baumwolle, weiße Bärte. Selbst ein Pelzmantel treibt Albert Tränen in die Augen.

Das sogenannte "Little Albert"-Experiment galt lange Zeit als wichtiger Meilenstein in der psychologischen Disziplin des Behaviorismus. Die von John B. Watson mitgeprägte Theorie geht davon aus, dass jegliche Verhaltensweise mit ausschließlich naturwissenschaftlichen Methoden erklärt werden kann. Einfühlung und Introspektion seien unnötig. Besonders in Nordamerika hat Behaviorismus die Verhaltensforschung jahrzehntelang dominiert. In den Experimenten der Behavioristen geht es oft um die Steuerung emotionaler und physischer Reaktionen durch Reize. Neben dem kleinen Albert ist der berühmte Pawlowsche Hund das bekannteste Beispiel. Die praktischen Erkenntnisse der Forschung finden heutzutage weitreichende Anwendung.

Doch trotz dieser Akzeptanz kommen immer stärkere Zweifel an der Legitimität der Versuchsreihe auf, die den Behaviorismus mit begründet hat. So stellen Forscher sogar die Frage, ob das Experiment mit dem kleinen Albert nichts als akademischer Betrug war. In einer Ende Januar veröffentlichten Untersuchung in der Fachzeitschrift "History of Psychology" legen die Autoren den Schluss nahe, dass der kleine Albert nicht nur einen Hirnschaden hatte, sondern dass Watson dies auch wusste.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2012-02-21 16:41:22


Beliebte Inhalte



Einen vom Bundesdenkmalamt als "sensationell" eingestuften Fund haben Archäologen unter dem Gelände der Burgruine Reichenstein in Tragwein im Bezirk Freistadt in Oberösterreich gemacht. Sie entdeckten große Teile einer alten Burg. - Foto: Archiv
  • Die Grabung ist noch gar nicht abgeschlossen, sodass weitere Entdeckungen nicht ausgeschlossen sind.
  • weiter

Jagd in Deutschland: Hohe Wildbestände und entsprechend viele geschossene Tiere. - © dpa/Philipp Schulze Nun geht auch einer der profiliertesten deutschen Forstexperten den Jägern an den Kragen. Er zielt aber nicht nur neidig auf deren Privilegien...weiter

Polleys "Flash-Matic" erinnert auf den ersten Blick eher an eine Gartenspritze als an eine Fernbedienung. Und doch war der kleine Apparat bei seinem Debüt im Jahr 1955 eine Sensation. Ab nun brauchte niemand mehr von seinem Sessel aufzustehen, wenn er das Programm umschalten wollte. Die Couch-Potato war geboren. - APAweb/AP Chicago. Ohne diesen Mann gäbe es keinen gemütlichen Fernsehabend: Der Amerikaner Eugene Polley erfand in den 1950er Jahren die erste kabellose...weiter

Ein charakteristisches Merkmal der Tiere ist nämlich ihre nach oben geöffnete Nasenöffnung. Von bekannten Arten unterscheiden sie sich vor allem durch ihr Fell. Es ist vollkommen schwarz, nur Ohrbüschel, Kinnbart und Po sind weiß abgesetzt. - Foto: Eva Hejda Göttingen. Die Genetik brachte den Beweis: Die von Forschern in Burma entdeckten stupsnäsigen Affen, die angeblich bei Regen niesen...weiter

Galaxien (hier NGC 247) scheinen vor uns und voreinander zu fliehen, und das mit einem immer höheren Tempo. Waltet hier die Dunkle Energie? - Europäische Südsternwarte, Chile (ESO)
  • Die "Dunkle Energie" ist den Wissenschaftern noch nicht sehr genau bekannt, aber sie könnte eines fernen Tages das Schicksal des Universums besiegeln.
  • weiter




Werbung



Schlagwörter



Pallas Athene, 1898
Gustav Klimt
Öl auf Leinwand

Vergessenes wurde wiederentdeckt. Im Naturhistorischen Museum freut man sich über die Belebung des Museums durch die Arbeit des Künstlers Daniel Spoerri. (Im Bild: "Austernschabracken-Pferdeskelett-Spießbock-Kümmerer" von Spoerri.) Blick auf das Werk "Sevilla-Series, No. 1, Tapir" des Künstlers Daniel Spoerri im Rahmen der Ausstellung "ein inkompetenter Dialog?" im Naturhistorischen Museum in Wien. Die Ausstellung ist vom 23. Mai bis 17. September 2012 zu sehen. (21. Mai)
Siehe auch: http://bit.ly/JrMvnU

Ein Demonstrant zeigt der berittenen Polizei das Victory Zeichen.  Hunderte Amerikaner gingen am Wochenende auf die Straße, um gegen den NATO-Gipfel in Chicago zu protestieren. Das amerikanische Model Lydia Hearst posiert für die Kamera.

Werbung