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  • Artikel vom 05.02.2012, 10:41 Uhr

Natur

Update: 05.02.2012, 10:44 Uhr
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Warnung vor Schneebrettern

Physik der Lawine erforscht


  • In Sekundenbruchteilen im Tal.
  • Schichtung der Schneedecke Hauptfaktor

Karlsruhe/München. Lawinen sind der Alptraum der Wintersportler. Sie gelten als unberechenbar und enden oft tödlich. Deshalb versuchen Forscher zu ergründen, wie die Schneemassen ins Rutschen geraten. "Ungefähr 90 Prozent der Lawinen, die Menschen unter sich begraben, sind Schneebretter", erläutert Materialforscher Joachim Heierli vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT). "Sie sind besonders gefährlich, weil sie so plötzlich losgehen."

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  Einmal ausgelöst, dauere es oft nur Sekundenbruchteile, bis die Lawine talwärts donnere. "Für alle, die im Weg stehen, ist es dann oft schon zu spät." Zusammen mit seinen Kollegen untersucht Heierli die Physik der Lawinenauslösung - in den Bergen, mit Computeranalysen und Laborversuchen. "Wir nehmen Schneeproben und machen Bruchversuche, indem wir den Schnee unterschiedlich belasten. Natürlich gehen wir nicht an die ganz gefährlichen Stellen, sondern eher auf kleine, begrenzte Hänge", erzählt der Lawinenforscher.

 
Neue Forschungsergebnisse
Bei seinen Untersuchungen ist Heierli auf Interessantes gestoßen: "Bisher ging man davon aus, dass Schneebretter ausgelöst werden, wenn die obere Schneeschicht lokal ins Rutschen kommt." Die Forschung ergab jetzt, dass eine Zwischenschicht dafür verantwortlich ist. Sie verbindet zwei Schneelagen miteinander. Bei Belastung, etwa durch Skifahrer, kann sie zusammenbrechen und stark verdichten. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Verdichtung den Bruch stärker antreibt als das Rutschen", erklärte Heierli. "Wenn sich der Bruch dann ausbreitet, lösen sich die Schichten voneinander ab und die obere gerät ins Rutschen. Da ist die Natur ein schlechter Architekt."

 
Verantwortungsbewusstsein im Schnee
Bernhard Zenke vom Lawinenwarndienst Bayern wirbt für Verantwortungsbewusstsein im Schnee, denn oft lösen Wintersportler die Schneebretter selbst aus: "Grundsätzlich sollte sich jeder, der ins Gebirge geht, vorher informieren. Der Lawinenlagebericht gehört standardmäßig zu jeder Unternehmung dazu." Wenn man ins Gelände gehe, sei defensives Verhalten geboten. "Das kann auch mal bedeuten, dass man eine Tour abbricht", sagt der Experte. Zudem mahnt er eine gute Ausrüstung an. "Man sollte immer für den Notfall gerüstet sein mit Suchgerät für Verschüttete, mit Lawinenschaufel und Lawinensonde."

  Bedeutet viel Schnee immer hohe Lawinengefahr? "Nein", sagt Experte Zenke. "Die Lawinengefahr ergibt sich maßgeblich aus der Schichtung der Schneedecke." Normale Skifahrer müssten sich deshalb keine Sorgen machen. "Die Gefährdung auf planierten Pisten ist minimal. Es gibt örtliche Lawinenkommissionen, die Verkehrswege und Skipisten überwachen. Und die Pisten werden wirklich nur geöffnet, wenn sie als lawinensicher eingestuft werden."




Schlagwörter

Physik, Lawinen, Schneebrett

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2012-02-05 10:43:07
Letzte Änderung am 2012-02-05 10:44:43


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