• vom 21.07.2010, 17:40 Uhr

Weltpolitik

Update: 21.07.2010, 17:41 Uhr

Das Reiterstandbild von König Svätopluk in der Burg von Bratislava entzweit die Slowakei

Viel Lärm um den Urslowaken




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Von WZ-Korrespondentin Karin Bachmann

  • Das neue Denkmal des Staatsgründers Svätopluk besitzt faschistische Symbole.
  • Experten zweifeln historische Bedeutung des Königs an.
  • Bratislava. Svätopluk würde sich sicher im Grabe umdrehen. Am 6. Juni wurde vor der Burg in Bratislava ein mehrere Meter hohes Reiterstandbild enthüllt, das den Mann zeigt, der zwischen 871 und 894 über das Großmährische Reich herrschte. Seit Wochen vergeht kein Tag, an dem die Statue nicht in den Schlagzeilen auftaucht.

Im Juni wurde das Denkmal feierlich enthüllt, derzeit bereitet es wenig Freude. Foto: tsar

Im Juni wurde das Denkmal feierlich enthüllt, derzeit bereitet es wenig Freude. Foto: tsar

Im Juni wurde das Denkmal feierlich enthüllt, derzeit bereitet es wenig Freude. Foto: tsar

Im Juni wurde das Denkmal feierlich enthüllt, derzeit bereitet es wenig Freude. Foto: tsar Im Juni wurde das Denkmal feierlich enthüllt, derzeit bereitet es wenig Freude. Foto: tsar

Der jüngste Coup wurde am Montag durch das Internetportal "aktualne.sk" entfacht. Das Medium berichtete, dass das auf dem Schild von Svätopluk angebrachte Doppelkreuz dem Abzeichen entspricht, das die faschistische Hlinka-Garde ab 1938 verwendete. Laut Ladislav Vrtel, dem Vorsitzenden der heraldischen Kommission des Innenministeriums, war das Hlinka-Doppelkreuz bewusst dem Hakenkreuz im Kreis nachempfunden, das die NSDAP als Parteiabzeichen verwendet hat. Auf diese Zusammenhänge habe er schon zwei Tage nach der Enthüllung der Statue hingewiesen, sagt Vrtel. Matus Kucera, der die Statue entworfen hat, hat das Doppelkreuz in einem Brief an Staatspräsident Ivan Gasparovic hingegen für einwandfrei und unbedenklich erklärt.

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Am Dienstagmorgen war dann ein Teil der Statue verhüllt und mit Transparenten versehen, auf denen "Schreibt die Geschichte nicht um!" oder ein ironisch gemeintes "Svätopluk, Kaiser der Urslowaken" zu lesen stand. Zu der Aktion bekannte sich die Organisation UM!, ein Zusammenschluss von Studenten, Journalisten, Künstlern und Bürgern.

Parlamentspräsident Richard Sulik reagierte prompt. Eine Historikerkommission soll nun die Frage beantworten, ob das Doppelkreuz auf dem Svätopluk-Schild tatsächlich dem Hlinka-Doppelkreuz entspricht. Außerdem sollen die Geschichtsforscher klären, ob eine Statue von Svätopluk überhaupt vor die Burg gehört. Ein Gutachten soll schon in einigen Wochen vorliegen.

Svätopluk war der dritte und zugleich bedeutendste Herrscher des Großmährischen Reiches, das von 833 bis ungefähr 907 existierte. Es war der erste größere slawische Staat überhaupt, Tschechen wie Slowaken betrachten es als historischen Ursprung ihrer heutigen Staaten. Auf der Tafel zu Füßen der Statue wird Svätopluk als König der alten Slowaken bezeichnet. Das entspricht zumindest dem Geschichtsbild, das der bei den Parlamentswahlen am 12. Juni abgewählte Premier Robert Fico in den vergangenen vier Jahren zu verbreiten suchte. Historiker bezweifeln jedoch, ob Svätopluk jemals auch nur einen Fuß auf das Gebiet der heutigen Slowakei gesetzt hat.

Wohl selten haben sich in der Slowakei die Geister so geschieden wie an der Svätopluk-Statue. Im Zusammenhang mit der Modernisierung des gesamten Burgareals erklärten Fico, Suliks Amtsvorgänger Pavol Paska und Staatsoberhaupt Gasparovic die Aufstellung des Reiterstandbilds zur Chefsache. Sie gründeten sogar einen Bürgerverein Svätopluk. Über eine öffentliche Sammlung sollten die 270.000 Euro beschafft werden, die für die Errichtung der Statue notwendig waren. Tatsächlich kam aber nur die Hälfte des Geldes zusammen. Wer letztlich für das Reiterstandbild aufkam, ist immer noch nicht bekannt.

Künstlerisch umgesetzt wurde das Reiterstandbild von Ján Kulich. Auch dagegen hatten sich Experten lange gewehrt. Schließlich war Kulich ein realsozialistischer Vorzeigekünstler, der seine größten Erfolge noch in den Zeiten des Kommunismus feierte.



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2010-07-21 17:40:46
Letzte Änderung am 2010-07-21 17:41:00



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