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2026 geht’s wieder bergauf, nur merkst du es nicht

3 Min
In "Ökonowie" schreibt Elisabeth Oberndorfer wöchentlich, was im Wirtschaftsstandort Österreich so vor sich geht.
© Illustration: WZ / Katharina Wieser, Assets: Adobe Stock;

Die gute Nachricht: Die Wirtschaft entwickelt sich positiv. Die schlechte Nachricht: Davon werden wir in der Geldbörse noch länger nichts merken.


Seit es diese Kolumne gibt, befinden wir uns in einer Wirtschaftskrise. Und jedes Neujahr versuche ich die Frage zu beantworten: Wird es jetzt wieder besser, oder zumindest weniger schlimm? Die Ökonom:innen sind zumindest optimistisch, dass es jetzt wirklich wieder bergauf geht.

Langfristige Rezession abgewendet

Die Wirtschaftsleistung Österreichs ist 2025 voraussichtlich um 0,5 Prozent gewachsen. Das geht aus den Prognosen des Instituts für Höhere Studien (IHS) und des Österreichischen Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO) hervor. Das deckt sich mit den Prognosen, die die Institute vor einem Jahr trafen. Die Worst-Case-Szenarien, denen zufolge die Wirtschaft sogar um bis zu 0,9 Prozent schrumpfen könnte, wenn die neue Regierung dämpfende Sparmaßnahmen trifft, sind damit nicht eingetreten. Dafür ist auch das Schuldenproblem des Staates nicht gelöst, sondern nur noch größer geworden.

Das Bruttoinlandsprodukt soll 2026 um 1,0 bis 1,2 Prozent wachsen, im Jahr darauf um 1,1 (IHS) beziehungsweise 1,4 Prozent (WIFO). Ein großer Wirtschaftsaufschwung lässt zwar auf sich warten, eine langfristige Rezession ist damit jedoch abgewendet. Die Ökonom:innen bezeichnen die aktuelle Erholung als „vulnerabel“, da die globale Handelspolitik der österreichischen Industrie weiterhin zu schaffen macht.

In welchen Sektoren es nach oben geht

Und so ist dieser wirtschaftliche Aufschwung nicht in allen Sektoren zu spüren. Die Bauwirtschaft hat laut WIFO-Berechnung 0,8 Prozent verloren, der Tourismussektor laut IHS sogar 1,0 Prozent. Der Handel legte voraussichtlich um 1,3 Prozent zu, während es in der Sachgütererzeugung mit 0,5 Prozent leicht bergauf geht.

Von Entspannung war im vergangenen Jahr bei den persönlichen Finanzen aber auch wenig zu spüren: Die Inflationsrate stieg von 2,9 Prozent im Jahr 2024 auf voraussichtlich 3,5 bis 3,6 Prozent an. 2026 soll sie wieder auf bis zu 2,5 Prozent zurückgehen. Damit bleibt die Teuerung zwar hoch, dürfte sich in den nächsten Jahren laut den Prognosen aber dem 2-Prozent-Ziel der EU annähern. Da die Lohnerhöhungen die hohe Inflation nicht ausgleichen, bekommen wir weniger für unser Geld: Während das real verfügbare Nettoeinkommen im Jahr 2024 noch um mehr als 4 Prozent stieg, war es 2025 den Schätzungen zufolge rückläufig und wird 2026 stagnieren. Die Kaufkraft ging deshalb im vergangenen Jahr um 0,7 Prozent zurück und soll erst 2027 wieder leicht steigen.

Weniger Sparen, stagnierender Konsum

Und so sparen die Österreicher:innen immer weniger, die Sparquote lag 2024 noch bei 11,7 Prozent, dieses Jahr werden voraussichtlich weniger als 10 Prozent des Einkommens zur Seite gelegt. Der private Konsum, der einen wesentlichen Beitrag zur Konjunktur leistet, wird in den nächsten Jahren stagnieren. Dafür entwickeln sich die Arbeitslosenquote und die Beschäftigtenzahlen leicht positiv.

Es gibt also positive Signale für die Wirtschaft, für die privaten Haushalte könnte es sich aber weiterhin wie eine Wirtschaftskrise anfühlen. Und die Ökonom:innen betonen in ihren Berichten, dass es nach wie vor Herausforderungen gibt. So sei die internationale Wettbewerbsfähigkeit weiterhin in Gefahr, nicht zuletzt wegen der US-Zollpolitik und der steigenden Konkurrenz aus China, etwa im Automobilbereich.

Elisabeth Oberndorfer schreibt jede Woche eine Kolumne zum Thema Ökonomie. Alle Texte findet ihr auch in ihrem Autor:innenprofil.


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Infos und Quellen

Daten und Fakten

  • Die Wirtschaftsleistung in Österreich ist 2025 laut Schätzungen des WIFO und IHS um 0,5 Prozent gewachsen.
  • 2026 liegt das prognostizierte Wachstum bei 1,0 bis 1,2 Prozent.
  • Das real verfügbare Nettoeinkommen und die Kaufkraft werden in den nächsten Jahren stagnieren, die Sparquote wird 2026 bei 9,6 bis 9,7 Prozent liegen.

Quellen

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