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Terror 9/11: „Die Jungen sind ängstlicher geworden“

6 Min
Zwei Passagierjets rasten in die New Yorker Twin Towers.
© Illustration: WZ, Bildquelle: Getty Images

Vor 25 Jahren veränderte ein Terrorakt gigantischen Ausmaßes mit einem Schlag alles. Wie aber hat sich das globale Trauma auf das Lebensgefühl jener Generation, die am 11. September 2001 im Kleinkindalter war, ausgewirkt?


    • Die Anschläge vom 11. September 2001 führten zu kollektiver Verunsicherung und prägten die Generation Z nachhaltig.
    • 9/11 verstärkte Vorurteile gegenüber Muslimen und führte zu einem Gefühl permanenter Überwachung und Unsicherheit.
    • Expertinnen wie Natalia Wächter und Ulrike Zartler betonen, dass die Jugend ängstlicher wurde, aber auch Resilienz entwickelte.
    • Anschläge am 11. September 2001 hatten weltweit traumatisierende Wirkung.
    • "Krieg gegen den Terror" in Afghanistan und Irak führte zu 2 Millionen Toten.
    • Anschläge in Madrid 2004 und London 2005 verursachten hunderte Tote und Verletzte.
    • Generation Z wuchs mit Angst vor Terror, Unsicherheit und Überwachung auf.
    Mehr dazu in den Infos & Quellen

Als am 11. September 2001 zwei Passagiermaschinen in die New Yorker Twin Towers krachten, das Inferno seinen Lauf nahm, die furchtbar verstörenden Szenen immer und immer wieder in Endlosschleifen im Fernsehen zu sehen waren, saßen weltweit Millionen Kleinkinder vor den TV-Geräten. Und sie verstanden nicht, was da vor sich ging.

Belastend waren für die, die damals drei, vier oder fünf Jahre alt waren und die heute als älterer Teil der „Generation Z“ bekannt sind, nicht so sehr die lichterloh brennenden Gebäude, die schließlich in sich zusammenkrachten. Am Schlimmsten war die Reaktion der unmittelbaren Umgebung: „Ich erinnere mich vor allem daran, wie meine Mutter immer panisch davon geredet hat, dass jetzt der Dritte Weltkrieg ausbricht“, erinnert sich Katharina. „Ich bin vor dem Fernseher gesessen und kann mich an das Entsetzen meiner Mutter erinnern. Ich habe damals nichts kapiert, nicht einmal, dass es real war“, sagt Mario. Und Hana erfuhr am nächsten Tag von einer Kameradin auf dem Spielplatz, dass es Atomwaffen gebe und dass man damit ganz New York, ja die gesamten USA in Schutt und Asche hätten legen können.

Das Unvorstellbare

Die Anschläge 9/11 sprengten jegliche Vorstellungen davon, was im Bereich des Möglichen ist. Es war ein kollektives Trauma. Darauf folgte ein schier endloser und letztlich sinnloser „Krieg gegen den Terror“ in Afghanistan und im Irak, der zwei Millionen Tote forderte. Es kam zu schweren Menschenrechtsverletzungen der USA an gefangenen mutmaßlichen Terroristen in Guantanamo. Und dann: weitere Anschläge, diesmal mitten in Europa, auf Züge in Madrid 2004 und 2005 in U-Bahnen und einem Bus in London. Wieder hunderte Tote und Verletzte.

Die Generation Z in Österreich, die nach 1995 Geborenen, sie sind ganz selbstverständlich aufgewachsen mit einer permanenten Angst vor muslimischen Extremisten, ja vor dem Islam schlechthin. „Die Bösewichte in den Filmen hatten jetzt auf einmal Turban und einen langen Bart”, sagt Mario. 9/11 hat dafür gesorgt, dass gängige Vorurteile gegen Muslim:innen plötzlich mit voller Wucht an die Oberfläche kamen, wie der Politologe Olivier Roy betont. Die heute 30-Jährigen sind zudem aufgewachsen mit einem Gefühl der Unsicherheit und mit permanenter Überwachung und Kontrolle, nicht nur auf den Flughäfen.

Auf der Suche nach Sicherheit

„Die Jugend ist insgesamt ängstlicher und besorgter geworden“, bestätigt Natalia Wächter, Professorin in Sozialpädagogik an der Uni Graz, und das habe einiges mit der Zäsur 9/11 zu tun. Zur Angst vor dem Terror seien dann in Folge Angst vor Verarmung, dem Klimawandel, vor Corona und die Sorge um die eigene Gesundheit sowie die der Angehörigen gekommen.

„9/11 war ganz klar ein generationenbildendes Ereignis“, meint auch die Soziologin Ulrike Zartler, Professorin an der Uni Wien. „Alle erinnern sich, wo sie damals waren, wie sie darauf reagiert haben. 9/11 hat eine neue Art der Verwundbarkeit vor Augen geführt, so etwas war davor nicht vorstellbar“, so Zartler.

Die Anschläge und die daraus folgenden von US-Präsident George W. Bush gestarteten Feldzüge im Irak und in Afghanistan hätten dazu beigetragen, die Skepsis gegenüber politischen Institutionen zu erhöhen. Gerade bei jungen Menschen sind auch zunehmend traditionelle Einstellungen zu beobachten: Sicherheit in der Familie, Heirat, Rückkehr zu herkömmlichen Geschlechterrollen.

Nicht nur Opfer widriger Umstände

9/11 sei hier nur ein Faktor von mehreren, stellt Zartler klar, und sie warnt auch davor, die Generation Z als bloßes Opfer widriger Zeitumstände zu sehen: „Krisen können immer auch die psychische Widerstandskraft, die Resilienz erhöhen“, sagt sie. Und: „Die Jungen haben Bewältigungsstrategien entwickelt – etwa indem sie gemeinsam über Erlebtes und Erlittenes reden.“


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Infos und Quellen

Gesprächspartner:innen

  • Ulrike Zartler, Soziologie-Professorin, Universität Wien
  • Natalia Wächter, Professorin in Sozialpädagogik, Universität Graz
  • Insgesamt acht verschiedene Frauen und Männer, die 9/11 als Kleinkinder miterlebt haben. Die Mehrheit kann sich an die Live-Medienberichte bis heute erinnern.

Daten und Fakten

  • Gesamtzahl aller Getöteten bei den Anschlägen 9/11: mindestens 2.995. Todesopfer am Ground Zero in New York: nach verschiedenen Angaben zwischen 2.747 und 2.823, davon 147 Passagier:innen und Besatzung der beiden Flugzeuge, die in das World Trade Center rasten. Unter den Toten waren 343 Feuerwehrleute und Rettungskräfte sowie 23 Beamte der New Yorker Polizei. Todesopfer am Pentagon nahe Washington: 184, davon 59 Passagier:innen und Besatzung des Flugzeugs, das ins US-Verteidigungsministerium raste. Todesopfer von Flug 93, der in Pennsylvania abstürzte: 45.
  • Es dauerte neun Monate, bis 1,8 Millionen Tonnen Schutt vom Ground Zero entfernt waren. Die ungefähren Kosten für die Reinigungsarbeiten betrugen 600 Millionen Dollar.
  • Die Hitze des New Yorker Infernos betrug bis zu 1.260 Grad, unterirdische Feuer brannten über 69 Tage hinweg. Die brennenden Türme waren über eine Distanz von 32 Kilometern zu sehen.
  • 39 Tage nach den Anschlägen unterzeichnete US-Präsident George W. Bush den Aviation Security Act (Luftfahrtsicherheitsgesetz), wonach seit 1. Jänner 2002 alle eingecheckten Gepäckstücke auf Bomben untersucht werden müssen. Davor wurden in den USA zehn Prozent des eingecheckten Gepäcks darauf kontrolliert.

Quellen

Das Thema in der WZ

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