Zum Hauptinhalt springen

A day in my EU-life

4 Min
In unserem Alltag steckt mehr EU-Geld, als vielen bewusst sein dürfte.
© Illustration: WZ, Bildquelle: Getty Images

Dein Tag startet mit einer heißen Dusche, Kaffee und dann ab auf den Radweg? Dann ist er vielleicht „sponsored by EU“.


Unser Leben steckt voller EU-Förderungen. Selbst dort, wo wir es nicht vermuten würden.

8:00 Uhr : Aufstehen und unter die heiße Dusche.
Das warme Wasser dafür liefert in deinem WG-Zimmer in einem sanierten Altbau eine Wärmepumpe. Gefördert von der EU – denn die Aktion „Raus aus Öl und Gas“ wird aus Mitteln des EU-Aufbauplans „NextGenerationEU“ mitfinanziert.

8:15 Uhr: Erst einmal eine Tasse Kaffee.
Der Kaffeeautomat war vor kurzem kaputt, aber du hast ihn für 60 Euro reparieren lassen. Dank Reparaturbonus hast du nur 30 Euro bezahlt. Die Budgetmittel für diese Aktion hat die Bundesregierung von der EU bekommen. Die auch das Kleinwasserkraftwerk auf der Donauinsel gefördert hat, das deine Kaffeemaschine vielleicht mit grünem Strom versorgt. Und auch in der Milch, die du in den Kaffee rührst, steckt mehr EU drin, als du wohl vermuten würdest. Währenddessen surfst du noch schnell mit deinem Laptop im WLAN. Beides hast du der EU zu verdanken: Das Notebook hast du seinerzeit in der Schule günstig bekommen (und danach natürlich dankend behalten), weil die EU den Großteil davon finanziert hat. Und auch den Glasfaser-Ausbau für schnelleres Internet hat sie gefördert.

8:40 Uhr: Ab aufs Fahrrad und zur Uni.
Welche Route du am besten nimmst, sagt dir die GPS-basierte Navi-App am Handy – die ohne das Galileo-Satellitensystem der EU nicht so präzise funktionieren würde. In Wien hat die EU zwar keine Fördermittel in Radwege gesteckt, aber im ländlichen Raum gibt es zahlreiche EU-geförderte Radwege (zum Beispiel Triesting/Golsental, Bike-Region Mürztal oder grenzüberschreitend nach Italien) oder auch Bike-Sharing wie etwa in Salzburg.

9:00 Uhr: Wissenschaftlich durchstarten.
Viele Forschungsprojekte, an denen Studierende mitarbeiten, werden von der EU finanziert, speziell an der Universität Wien, aber auch an der Montanuni Leoben und der Uni Graz.

11:00 Uhr: Planen fürs nächste Auslandssemester.
Mit Erasmus+ übernimmt die EU einen Teil der anfallenden Studien-, Reise- und Aufenthaltskosten für Auslandsaufenthalte. Erasmus+ wird bereits für Schüler:innen angeboten und auch Lehrlinge können mit dem Programm weltweit Auslandspraktika von zehn Tagen bis zu einem Jahr absolvieren. Mit der DiscoverEU-Jugendkarte im Rahmen von Erasmus+ können 18-Jährige Europa mit der Bahn erkunden und erhalten Rabatte für Unterkunft und Verpflegung. Außerdem sorgt der Wegfall der Roaming-Gebühren für sorgenfreies Handy-Telefonieren im EU-Ausland, und du bekommst mit deiner E-Card in jedem Mitgliedstaat die gleiche Gesundheitsversorgung wie die Einheimischen.

12:00 Uhr: Zukunftspläne schmieden.
Du willst nach dem Studium oder vielleicht schon währenddessen ein Start-up gründen? Die EU fördert Unternehmertum. Im Aufbauplan sind verschiedene Maßnahmen für Start-ups verankert (inklusive Flexible Kapitalgesellschaft als neue Form für Start-ups und Gründer:innen). Wer arbeitslos ist, kann sein AMS-Geld außerdem bis zu drei Monate lang in anderen EU-Ländern weiter beziehen.

14:00 Uhr : Zurück in die Gegenwart: Einkaufen!
Heute Abend willst du dir daheim ein Bio-Schnitzel gönnen. Und ja, auch das Schweinefleisch, das du dafür kaufst, hat die EU gefördert. Überhaupt gibt es für die Vermarktung nachhaltiger und hochwertiger Lebensmittel EU-Geld.

16:00 Uhr: Jetzt noch rasch zum Arzt.
Du hast ganz vergessen, dass du noch dringend ein Rezept brauchst, aber dein Hausarzt ist gerade auf Urlaub. Zum Glück ist das Primärversorgungszentrum in Wien Margareten bis zum Abend geöffnet. Die EU hat es mitfinanziert.

Was die WZ-Redaktion bewegt – jede Woche im Newsletter.

Ein Kompass auf lila Hintergrund

WZ Weekly

Einblicke in die WZ-Redaktion. Ohne Blabla.

Jeden Dienstag

17:00 Uhr: Es regnet. Ab in die Öffis.
Deren Ausbau wird nicht nur in Wien von der EU mitbezahlt. Zum Beispiel fördert sie die E-Busse, die in der Bundeshauptstadt unterwegs sind (bald sollen weitere Linien umgestellt werden). Und auch die Verbesserung der Gleisführung für die Linien 2 und 44 im Zug der Umgestaltung des Johann-Nepomuk-Berger-Platzes im 16. Bezirk wurde von der EU unterstützt. Hast du ein Klimaticket? Dessen Umsetzung war eine Voraussetzung für die Auszahlung von EU-Mitteln aus dem Aufbauplan als Maßnahme für mehr Klimaschutz im Verkehrsbereich; somit steckt auch hier EU-Geld drin.

18:30 Uhr : Endlich Freizeit.
Mit dem Rad über die Wiener Thaliastraße geht es jetzt sicherer und grüner, die wird nämlich gerade mit EU-Geld erneuert. Oder du fährst auf die Donauinsel zum Chillen mit Freund:innen. Dort blinzelst du durch deine Sonnenbrille (deren UV-Schutz eine EU-Norm gewährleistet) in die Abendsonne und schaust den von der EU geförderten Schafen beim Grasen zu. Oder wie wär’s mit ein bisschen Kultur? Ob das Schikaneder Kino, das Kurzfilmfestival Vienna Shorts oder die Musiker:innen im Wiener Jeunesse Orchester, sie alle bekommen Geld von der EU, die auch die Sanierung der Praterateliers und des Volkskundemuseums mitfinanziert hat.


Infos und Quellen

Genese

Die EU-Wahl war für WZ-Redakteurin Anja Stegmaier und ihren Kollegen Mathias Ziegler ein Anlass, sich anzusehen, was wir eigentlich in Österreich von der EU haben. Dabei sind sie auf viele Förderungen gestoßen, die uns im Alltag begegnen, manchen aber gar nicht bewusst sein dürften.

Daten und Fakten

Reisefreiheit ohne Grenzkontrollen innerhalb des Schengen-Raums, freier Waren-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehr, Personenfreizügigkeit bei Studium, Ausbildung und Arbeit, eine gemeinsame Währung − all diese Vorteile der Europäischen Union sind wohl den meisten bekannt. Aber die EU beeinflusst unseren Alltag in noch viel mehr Bereichen:

  • Produkt- und Lebensmittelsicherheit: In der EU sind für die gesamte Nahrungsmittelkette Kontrollen und Produktkennzeichnungen und auch Qualitätsstandards vorgeschrieben (diese dürfen, wie in Österreichs oft der Fall, auch höher sein).

  • Einheitliche Normen: Außerdem unterliegen unzählige Alltagsprodukte EU-Normen: Handys, Kopfhörer, MP3-Player, Textilien, Spielzeug, Tablets, Mixer, Drucker, Toaster, Wasserkocher, Mund/Nasenbedeckungen, Silvesterraketen, Kabel, Lampen, Uhren, aber auch Aufzüge, Fenster und vieles mehr. Die von der EU genormten Produkte erkennt man am CE-Logo. Und nach jahrelangen Diskussionen schreibt die EU ab Mitte 2024 auch einheitliche Ladebuchsen (konkret: USB-C) für neue Smartphones, Tablets, Digitalkameras, Videospielkonsolen, Kopfhörer, Headsets und tragbare Lautsprecher vor. Das soll Geld sparen helfen und die Umwelt schonen. Apropos Umwelt: Auch hier greifen EU-Normen, etwa zu Gewässerreinheit, Abgaswerten (Schwefeldioxid Blei, CO2, Stickoxide) oder Recyclingquoten. Hier greift ab Juli 2024 eine weitere EU-Norm: Künftig müssen alle Plastikflaschen einen fest verbundenen Verschluss haben, damit dieser nicht verloren geht und irgendwo in der Umwelt landet.

  • Keine Roaminggebühren: Seit 2017 telefonierst und surfst du im EU-Ausland zum selben Tarif wie innerhalb Österreichs.

  • Europäische Krankenversicherungskarte: Deine E-Card gilt auch im EU-Ausland. Damit bekommst du dringende Gesundheitsversorgung zu denselben Bedingungen und Kosten wie die örtliche Bevölkerung.

  • Erasmus+: Du willst im Ausland studieren oder ein Praktikum machen? Kein Problem mit dem Projekt Erasmus+. Die EU deckt dabei sogar Reisekostenzuschüsse, Taschengeld und Verpflegung. Allein aus Österreich werden in der laufenden Programmperiode 2021 bis 2027 bis zu 240.000 Teilnehmer:innen aus den vier Sektoren Hochschule, Schulbildung, Berufsbildung und Erwachsenenbildung erwartet, das sind durchschnittlich rund 34.300 Personen pro Jahr. Österreich erhält für diesen Zeitraum aus dem Fördertopf der EU voraussichtlich 683 Millionen Euro für Erasmus+ und das Europäische Solidaritätskorps, das Freiwilligeneinsätze für junge Menschen (18 bis 30 Jahre) koordiniert.

  • EU-Millionen für die Regionen: Ob Naturschutz, Öffis, Breitbandausbau, Forschung, medizinische Versorgung oder Spielplätze: Die EU fördert tausende Projekte mit zig Milliarden Euro. Vielleicht auch direkt in deiner Nachbarschaft. Selbst die in den Höheren Schulen ausgegebenen Laptops, das Gratis-Schulobst und die Schulmilch hat die EU mitbezahlt. Im Zeitraum 2023 bis 2027 stehen Österreich allein für die LEADER-Projekte insgesamt 210 Millionen Euro zur Verfügung.

  • 3,1 Milliarden Euro trägt Österreich laut Bundesvoranschlag im Jahr 2024 zum EU-Budget bei. Umgekehrt sind allein im Rahmen des EU-Aufbauplans „NextGenerationEU“ bis 2026 insgesamt 3,96 Milliarden Euro für Projekte in Österreich reserviert. Wenn Österreich mit seinem Beitrag zum EU-Budget die Wirtschaft in anderen Ländern stärkt, profitiert davon der heimische Außenhandel massiv. Laut EU-Kommission wird jeder zweite Euro in Österreich im Export erwirtschaftet. Österreich hat seit dem EU-Beitritt im Jahr 1995 seinen Außenhandel vervierfacht.

  • 56 Prozent der Projekte, die im Rahmen des EU-Aufbauplans in Österreich gefördert werden, unterstützen Klimaziele, 36 Prozent den digitalen Wandel.

  • Das Know-how für Förderungen will die EU selbst auch stärken. Deshalb wurden eigene EU-Gemeinderät:innen etabliert, die gezielt Informationen erhalten und diese dann weitergeben. Etwa 1.600 gibt es bereits in den fast 2.100 Gemeinden in Österreich. Auch die Bundesländer haben jeweils eigene Ansprechpartner:innen, an die sich wiederum die Gemeindekontaktpersonen wenden können. Insbesondere im Rahmen der EU-geförderten ländlichen Entwicklung werden viele Projekte auf Gemeindeebene initiiert, so die EU-Kommission. Das Spektrum reicht von Kinderspielplätzen über Fahrradwege bis zu Jugendzentren.

Quellen

Das Thema in der WZ