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Antisemitismus: Nie wieder ist jetzt

Genese

Im Rahmen der Recherchen zum Interview mit Andrea Frahm, Leiterin der Helmholtz Gemeinschaft in Tel Aviv, das unter dem Titel ,,Wie der Krieg Innovationen in Israel ausbremst” in der WZ erschienen ist, nahm die Autorin an einem Hintergrundgespräch der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) der Reihe Science Update zum Thema neuer Antisemitismus in Österreich teil. Die Präsentation des Forschungsschwerpunkts eröffnete neue Aspekte und damit eine neue Geschichte.

Gesprächspartner:innen

  • Ariane Sadjed ist Kulturwissenschaftlerin den ÖAW-Instituten für Iranistik und für Kulturwissenschaften der. Am Institut für Iranistik arbeitet sie zur Geschichte der Juden in Iran, Zentralasien und Afghanistan, wofür ihr eine hochdotierte Förderung des Europäischen Forschungsrats (ERC-Grant) zuerkannt wurde. Am Institut für Kulturwissenschaften erforscht sie neue Formen von Antisemitismus, auch im Internet. Ariane Sadjed hat Psychologie und Kulturwissenschaften in Wien, Berlin und Seattle studiert.

  • Gerald Lamprecht ist Historiker, Leiter des Centrums für Jüdische Studien an der Universität Graz und Leiter des Forschungsschwerpunktes Antisemitismusforschung an der ÖAW. Seine Spezialgebiete sind jüdische Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, das NS-Herrschaftssystem und die Verfolgungsgeschichte der Jüdinnen und Juden, die Geschichte des Antisemitismus und Gedächtnisgeschichte.

Daten und Fakten

Pauschale Judenfeindschaft hat eine rund 2500 Jahre lange Geschichte, in der Bilder, Gerüchte, Klischees, Vorurteile und Ressentiments Stereotypen von „dem“ oder „den“ Juden bilden. Anders als bei Fremdenfeindlichkeit wird Antisemitismus mit angeblich unveränderlichen Eigenschaften jüdischer Menschen begründet.

Die Antisemitismusforschung in Österreich hatte lange einen historischen Zuschnitt, der von den Anfängen über politischen Antisemitismus im 19. Jahrhundert bis zu Antisemitismus in der Zwischenkriegszeit reichte. „Der Nachkriegsantisemitismus war bisher in der Wissenschaft etwas unterbelichtet und daher setzen wir hier den Schwerpunkt“, erklärt der Historiker Gerald Lamprecht den Ansatz, der mit der in diesem Artikel beschriebenen Pilotstudie zum Thema Anfang des Jahres die Arbeit aufgenommen hat.

Der Begriff Antisemitismus entstand 1879 als Eigenbezeichnung deutscher Judenfeinde um den Journalisten Wilhelm Marr und bezeichnete eine rassistisch (statt religiös) begründete Judenfeindschaft. 1879 gründete er die erste antisemitische politische Vereinigung des deutschen Kaiserreichs, die Antisemitenliga.

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs am 8. Mai 1945 darf kein Verein und niemand dieses Wort mehr im Namen führen. (Niemand darf etwa von sich etwa sagen „wir sind die antisemitische Gewerbepartei“, oder ähnliches.)

In der Antisemitismus-Meldestelle der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG) eine Sonderauswertung für den Zeitraum zwischen 7. und 19. Oktober 2023 durchgeführt. Gezählt wurden ausschließlich Vorfälle, die in dieser kurzen Zeit verifiziert werden konnten. Das Ergebnis: In den ersten 13 Tagen seit Beginn des Kriegs wurden insgesamt 76 antisemitische Vorfälle gemeldet – laut IKG eine „Steigerung um 300 % im Vergleich zum Durchschnitt der Meldevorfälle im Jahr 2022“.

Quellen

Das Thema in der WZ

Das Thema in anderen Medien

  • Der Standard: Der kritische Beobachter Karl Markus Gauß über Antisemitismus heute

  • Der Standard: Warum jüdische Studierende nicht nur in Wien Antisemitismus beklagen

  • Tagesspiegel: Jüdische Studierende klagen an

  • Kurier: Kontroverse Harvard-Präsidentin tritt zurück