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Auch Kickl wird dem Klimaschutz nicht entkommen

3 Min
Das Logo des österreichischen Parlaments versinkt im Wasser.
Geht der Klimaschutz mit einer FPÖ in der Regierung baden?
© Illustration: WZ

Umweltschutz statt Heimatschutz: Wie grün ist die FPÖ unter einem Bundeskanzler Herbert Kickl?


Was haben Erneuerbare-Wärme-Gesetz, Klimabonusgesetz, Bundes-Energieeffizienzgesetz oder Umweltförderungsgesetz gemeinsam? Die FPÖ stimmte dagegen. Die Partei hat sich Klimaschutz nicht gerade auf ihre Fahnen geheftet.

Die Marktforschung wittert bei den Freiheitlichen die meisten Klimawandel-Leugner. Diese kommen aus der Mitte der Gesellschaft, der Mittelschicht. Es sind die im Durchschnitt Älteren, die die Haltung der Rechtspopulist:innen übernehmen. Sie trauern laut Integral-Chef Bertram Barth den guten alten Zeiten nach, in denen der Klimawandel noch kein Thema war.

Wenn die FPÖ gewinnt, ist das sicher nicht das Ende von Klimaschutzmaßnahmen.
Christoph Hofinger, Foresight

Aber auch die FPÖ wird im Fall einer Regierungsbeteiligung nach der Wahl im Herbst bestimmte Klimaschutzmaßnahmen mittragen müssen. „Wenn die FPÖ gewinnt, ist das sicher nicht das Ende von Klimaschutzmaßnahmen, aber vermutlich wird es langsamer gehen“, sagt Sozialforscher Christoph Hofinger zur WZ. Tempolimit würde es wohl keines geben, und der Freiheitsgedanke würde stärker gewichtet werden, aber „die Weichenstellungen sind bereits gefallen, die wird die FPÖ auch nicht mehr umdrehen können“.

Der „sogenannte Klimawandel“, wie FPÖ-Chef Herbert Kickl gern betonte, wurde im FPÖ-Narrativ bereits zur „Klimapolitik mit Hausverstand“. „Wichtig ist uns, gegen die überschießende Klimapolitik, die uns von Brüssel auferlegt wird, anzukämpfen und für die Souveränität Österreichs (nicht nur) in Klima- und Umweltfragen einzutreten“, heißt es seitens der FPÖ zur WZ. Doch so frei kann die blaue Partei dann auch nicht agieren. Die Forderung nach keinem Enddatum für Verbrenner wird schwierig, wenn die EU dies verlangt. Auch ein Aus der CO2-Bepreisung, der Klimaneutralität oder der Förderungen für den Ausstieg aus fossilen Heizformen wird nicht so leicht sein. Nicht, wenn man nicht Strafzahlungen und Vertragsverletzungsverfahren einkalkulieren möchte.

Denn: „Der Pfad der Co2-Neutralität wurde bereits beschritten und kann schwer rückgängig gemacht werden. Weder die EU, die Bevölkerung noch die Wirtschaft würden dies zulassen“, sagt Hofinger. „Der Wirtschaft ist es fast egal, wer regiert, sie wird hier nicht nachgeben“, ist der Sozialforscher überzeugt.

Mehr Geld für grüne Finanzierungen

Die Wirtschaft muss sich an EU-Vorschriften halten. Die EU hat mit der EU-Taxonomie eine Verordnung festgelegt, nach der gemessen werden kann, wie nachhaltig ein Unternehmen wirtschaftet. Damit sollen mehr Gelder in grüne Firmen fließen als in solche, die nicht ökologisch wirtschaften. „Aktuell sind grüne Projekte gesetzlich bei der Kreditvergabe noch nicht wirklich bessergestellt. Da Europa den Banken aber vorschreibt, eine sogenannte Green Asset Ratio zu berechnen, werden wohl grüne Finanzierungen prioritär behandelt werden“, heißt es dazu aus der Wirtschaftskammer Österreich zur WZ.

Blau-grüne Zusammenarbeit

Dass selbst die FPÖ aktiv Klimaschutzmaßnahmen setzt, sieht man, wenn man den Blick auf die Gemeinden richtet. Im FPÖ-regierten Wels beispielsweise stellte man sich auf den Klimawandel ein. Der amtierende FPÖ-Bürgermeister Andreas Rabl ließ 2023 gemeinsam mit seinem grünen Umwelt-Stadtrat Thomas Rammerstorfer eine Klimastrategie erarbeiten. Auch in Bruckneudorf-Kaisersteinbruch stellte die FPÖ im vergangenen Jahr einen Antrag zur Gründung sogenannter Erneuerbare Energie Gemeinschaften (EEG). Für Parteiobmann Mario Jaksch stelle dies eine interessante Möglichkeit dar, um die Gemeinde energiepolitisch weiterzuentwickeln.

"Wir lehnen rein politisch beziehungsweise ideologisch motivierte Klimaschutzmaßnahmen ab, da diese letztendlich nicht im Sinne der Bürger erschaffen wurden", sagt FPÖ-Abgeordneter Walter Rauch. Der Ausbau erneuerbarer Energie müsse mit Leistbarkeit und Versorgungssicherheit einhergehen. Diese Zielsetzungen würden die bisher beschlossenen Gesetze vermissen lassen.

Alles rückgängig machen geht also nicht, denn auch die FPÖ muss die Ziele der EU – und somit unsere Ziele – erreichen. Die Einstellung, dass Österreich nur ein kleiner Teil der großen Umweltsünder ist und wir deshalb nichts machen brauchen, wäre hier wohl umgekehrt zu sehen: Wir sind ein Teil davon und deshalb müssen wir. Und damit jede Partei – auch die FPÖ.