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Back to School – jetzt schon?

4 Min
Georg Renner schreibt jede Woche einen sachpolitischen Newsletter. Am Samstag könnt ihr den Beitrag online nachlesen.
© Illustration: WZ, Bildquellen: Georg Renner, Adobe Stock

Schon bevor die Ferien enden beginnt für Zehntausende Schüler:innen in Österreich wieder die Schule, denn die Sommerschule geht in die fünfte Runde.


Back to school oder so ähnlich heißt es für mehrere zehntausend Schüler:innen in Österreich schon kommenden Montag – obwohl die Ferien ja mindestens noch zwei Wochen dauern. Am Montag geht nämlich ein kleines, aber ziemlich erfolgreiches politisches Projekt aus der vergangenen Legislaturperiode in seine mittlerweile fünfte Runde. Es verdient durchaus etwas mehr Aufmerksamkeit: Die Sommerschule.

Begonnen hat das Ganze 2020 unter dem damaligen Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) als Reaktion auf die Corona-Lockdowns: Um die im Frühjahr verlorene Unterrichtszeit wiedergutzumachen, hat die Republik in allen Bundesländern zwei Wochen zusätzlichen Förderunterricht während der Sommerferien organisiert – für die Eltern kostenlos. Und weil sich das durchaus bewährt hat, wurde das Modell seither Jahr für Jahr verlängert und ausgebaut.

Wenig Zeit, viele Erwartungen

Die Idee ist denkbar simpel: Lehrer:innen – vor allem jüngere - bzw. fortgeschrittene Lehramtsstudent:innen können sich durch ein paar Tage Unterricht am Ende der Ferien ein bisschen etwas dazuverdienen (oder im Gegenzug ihre Lehrverpflichtung während des Schuljahrs ein bisschen reduzieren) und Erfahrung sammeln. Eltern, die mit der neun Wochen langen Sommerlücke hadern, werden zumindest ein paar Stunden am Vormittag in den letzten beiden Ferienwochen abgenommen. Und Schüler:innen bekommen in diesen zwei Wochen individuellen Förderunterricht in besonders kleinen Klassen: Im Schnitt unterrichtet ein:e Lehrer:in in der Sommerschule weniger als zwölf Kinder, ein weit besserer Schnitt als die Klassen während des Jahres.

Das klingt alles recht gut, aber natürlich gibt es auch Kritik. Allen voran, dass die Sommerschule eine recht eingeschränkte Angelegenheit ist: Gerade einmal vier Schulstunden pro Tag läuft das Programm, macht über zwei Wochen insgesamt 40 Stunden. Pädagog:innen kritisieren seit Beginn der Sommerschule, dass das viel zu wenig Zeit ist, um echte Lerndefizite auszugleichen. Nicht zuletzt auch Sprachdefizite – auch, wenn die Sommerschule für alle Kinder offen steht.

Trotzdem ist die Sommerschule ein beliebtes Angebot – nicht in der Masse und nicht mehr auf dem Post-Corona-Niveau, aber doch mit beträchtlichem Zulauf:


Auch heuer sind wieder knapp unter 40.000 Schüler:innen für die Sommerschule angemeldet, heißt es aus dem Bildungsministerium. Das ist ein bemerkenswert stabiler Wert, für ein kostenloses Angebot (der Bund trägt die Kosten von rund elf Millionen Euro aus dem Budget) andererseits aber auch nicht besonders viel, wenn man die Gesamtzahl von 1,2 Millionen Schüler:innen in Österreich berücksichtigt.

Wer profitiert und wer nicht

Wer sind die Teilnehmer:innen der Sommerschulen? Weil das Programm von Anfang an wissenschaftlich begleitet worden ist, lassen die veröffentlichten Evaluierungen des Bildungsministeriums sowie parlamentarische Anfragebeantwortungen einige Rückschlüsse zu.


Wir sehen zum Beispiel, dass Wien und Niederösterreich wenig überraschend die meisten Anmeldungen zur Sommerschule verzeichnen. Dass zum Beispiel Oberösterreich, das unterm Schuljahr ein Drittel mehr Schüler:innen hat als die Steiermark, deutlich weniger Anmeldungen zur Sommerschule hat als letztere, dürfte dann doch mit der Umsetzung und Bewerbung des Programms zu tun haben.

Interessant finde ich auch die Aufgliederung nach der Muttersprache: 37 Prozent der an der Evaluierung teilnehmenden Schüler:innen haben 2024 angegeben, eine andere Erstsprache als Deutsch zu haben. Ein Indiz dafür, dass die Sommerschule tendenziell nicht dazu genutzt werden dürfte, um Deutschdefizite auszugleichen – und je nach Schultyp stehen zwei Drittel bis 90 Prozent der Teilnehmer:innen auch nicht vor einer Klassenwiederholung, heißt es in der Evaluierung.

Das deutet für mich darauf hin, dass die Sommerschule nicht primär dazu verwendet wird, die Defizite von Schüler:innen auszugleichen – zum Beispiel beim Spracherwerb -, sondern zur Förderung und Betreuung von solchen Schüler:innen, die ohnehin gute Leistungen bringen.

Vor diesem Hintergrund sollte man auch die Pläne der schwarz-rot-pinken Koalition lesen, die sich zweierlei vorgenommen hat:

Für außerordentliche Schülerinnen und Schüler mit entsprechendem Förderbedarf in der Unterrichtssprache Deutsch soll der verpflichtende Besuch einer um Sprachfördermaßnahmen erweiterten Sommerschule vorgesehen werden.

Reform und Weiterentwicklung der Sommerschule mit dem Ziel, die Anzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu erhöhen und durch eine verbindliche Anmeldung die „No-Shows“ zu reduzieren; darüber hinaus sollen ganztägige Angebote forciert werden.

Das betrifft natürlich nicht mehr dieses Jahr – aber es bleibt spannend, wie sich die Sommerschule in den kommenden Jahren weiter entwickeln wird.


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Infos und Quellen

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