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Das Burgtheater – einmal ganz ohne Schauspieler:innen 

Genese 

„Das Theater – das sind doch die Schauspieler:innen. Oder nicht?“ – „Oder nicht. Denn das Gelingen einer Aufführung oder einer ganzen Produktion hängt ebenso von der Technik in all ihren Facetten und von den Handwerker:innen ab, die in einem Theaterbetrieb arbeiten.“ – „Das sollte man auch einmal schreiben“, hieß es daraufhin in der Redaktionssitzung. Eva Ludwig-Glück und Maria Födisch von der Pressestelle des Burgtheaters waren dann einigermaßen überrascht, dass WZ-Redakteur Edwin Baumgartner nicht mit Regisseur:innen oder Schauspieler:innen sprechen wollte, sondern mit jemandem aus dem technischen Betrieb, waren aber sehr hilfreich und vermittelten ein langes Gespräch samt einem Rundgang durch das ganze Haus mit dem Technik-Chef Johann Krainz. 

Gesprächspartner 

  • Johann Krainz ist der technische Leiter des Burgtheaters. Krainz hat seine Karriere im Burgtheater gemacht, er war unter anderem zuvor Bühneninspektor des Hauses. Seit 2022 ist Krainz Träger des Heinz-Filar-Rings, der nach dem langjährigen technischen Leiter Heinz Filar benannt ist. Filar bestimmte testamentarisch Krainz als nächsten Träger des Ringes.

Daten und Fakten 

  • Das Burgtheater in Wien ist eines der österreichischen Bundestheater (die anderen sind die Staatsoper und die Volksoper) und die größte Sprechtheaterbühne im deutschsprachigen Raum und die nach der Comédie-Française zweitälteste Europas. Die Bühnenfläche hat eine Größe von etwa 780 Quadratmetern. Der Zuschauerraum bietet 1.175 Sitzplätze. Ursprünglich stand das Burgtheater auf dem Michaelerplatz und war ein umgebautes Haus, das ursprünglich für das am Hof beliebte Ballspiel „Jeu de Paume“ (Handtellerspiel) gedacht war, einer Vorstufe des heutigen Tennis. Umgewidmet wurde es 1741 von Erzherzogin Maria Theresia. Das Theater unterstand direkt dem Regenten. Heute ist es im Besitz des österreichischen Staates und wird von der Bundestheater-Holding verwaltet. Die Direktor:innen werden von dem oder der für Kunstagenden zuständigen Minister oder Ministerin ernannt.

  • In der Herrschaftszeit von Maria Theresias Sohn und Nachfolger Kaiser Joseph II. durften im Burgtheater nur Stücke mit glücklichem Ende gezeigt werden. Tragödien wie etwa „Romeo und Julia“ von William Shakespeare wurden entsprechend umgeschrieben. Nachdem das Haus im Lauf der Zeit zu klein für die anwachsende Bevölkerung Wiens geworden war und seine Technik nicht mehr Schritt halten konnte, ließ Kaiser Franz Joseph an der neu entstehenden Ringstraße das heutige Burgtheater erbauen. Die Architekten waren Gottfried Semper für den Grundriss und Karl Freiherr von Hasenauer für die Fassade.

  • Am 12. März 1945 traf eine Bombe das Burgtheater, am 12. April 1945 brach aus unbekannter Ursache ein Brand im Haus aus. Der Zuschauerraum, Teile der Bühne und des Foyers wurden dadurch zerstört. Nach Kriegsende fand das Ensemble des Burgtheaters im Varieté Ronacher eine provisorische Spielstätte. Von 1953 bis 1955 erfolgte der Wiederaufbau des Burgtheaters: Die Neugestaltung des Zuschauerraums übernahm Michel Engelhart, die Gestaltung der Bühne erfolgte nach Plänen von Otto Niedermoser und dem technischen Direktor des Burgtheaters Sepp Nordegg. Das Haus am Ring wurde am 15. Oktober 1955 mit Franz Grillparzers „König Ottokars Glück und Ende“ wiedereröffnet. 

  • Nach der Wiedereröffnung sorgten ab den 1970er-Jahren die Direktionen des Burgtheaters wiederholt für Gesprächsstoff: Der österreichische Schauspieler Gerhard Klingenberg (1971-1976) begann, Regisseure der Avantgarde an das Haus zu verpflichten, was der deutsche Regisseur und Schauspieler Achim Benning (1976-1986) weiterführte; das trug Benning, etwa in der „Kronen Zeitung“, den Vorwurf ein, das Haus sei „linksideologisch unterwandert“. Die Direktionszeit des deutschen Regisseurs Claus Peymann (1986-1999) war am stärksten umkämpft, da Peymann Theater an sich als Stätte der Aufklärung empfand. Er brach mit den Sprechkonventionen des Hauses, indem er deutsche Schauspieler:innen wie Gert Voss und Kirsten Dene holte, und mit der Repertoiregestaltung, die nun zunehmend auf zeitgenössisches Theater setzte. So zeigte Peymann sämtliche Dramen von Thomas Bernhard, darunter auch den skandalumwitterten „Heldenplatz“. Der österreichische Opern- und Theaterintendant Klaus Bachler (1999-2009) führte das Burgtheater wieder auf weniger umkämpftes Terrain. Nach der wegen des Vorwurfs finanzieller Unregelmäßigkeiten (das Gerichtsverfahren wurde später beigelegt) vorzeitig beendeten Amtszeit des deutschen Regisseurs und Intendanten Matthias Hartmann (2009-2014), war die deutsche Theaterfachfrau Karin Bergmann (2014-2019) die vorerst einzige Frau an der Spitze des Hauses. Auf sie folgte 2019 der österreichische Regisseur und Intendant Martin Kušej, der mit Ende der laufenden Saison abtritt. Als sein Nachfolger ist Stefan Bachmann designiert.

  • Das Burgtheater veranstaltet Führungen durch einen Teil des Hauses. Im Zug dieser Führungen können Besucher:innen unter anderem die Bühne des Hauses betreten. Kartenreservierungen sind möglich.

  • „Kasimir und Karoline“ ist ein Stück des österreichischen Schriftstellers Ödön von Horváth (1901-1938). Es zeigt, wie Liebe zum Vehikel des sozialen Auf- und Abstiegs werden kann. Am Burgtheater läuft das Stück in einer Regie der slowenischen Regisseurin Mateja Koležnik in einem Bühnenbild von Raimund Orfeo Voigt.

Quellen 

Das Thema in der WZ 

Das Thema in anderen Medien