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Das dreckige Geschäft mit der Reinigung

12 Min
Auf den ersten Blick ist das eine Win-Win-Win-Situation: Kund:innen, die sich ihre Wohnung günstig reinigen lassen können; Migrant:innen, die unkompliziert an Geld kommen und Unternehmen, die mit deren Vermittlung Geld verdienen
© Collage: WZ, Bildquelle: Getty Images

Über Plattformen wie haushaltshilfe24.at und betreut.at vermittelte Reinigungskräfte arbeiten in Österreich mutmaßlich oft schwarz. Die vermeintlich günstige Reinigung geht letztlich auf Kosten der Arbeiter:innen und Steuerzahler:innen, während die Plattformen Gewinne machen.


Stolz nimmt Anuya* einen Bund mit einem guten Dutzend Schlüsseln aus ihrer Tasche und legt ihn auf den Tisch. „Die Leute vertrauen mir“, sagt sie, und zählt ihre namhaftesten Kund:innen auf: Anwälte, Diplomatinnen, Universitätsprofessoren, Ärztinnen. Dass sie illegal im Land lebt und unangemeldet arbeitet, weder Bankverbindung noch Meldezettel hat, störe die wenigsten.

Anuya - ihr richtiger Name ist der Redaktion bekannt - ist Anfang 30, in Indien geboren und lebt seit rund zehn Jahren in Österreich. Mal ist sie Asylwerberin, mal wird sie ausgewiesen und kommt zurück. Seit drei Jahren lebt sie ohne Papiere in Österreich. Ihr Geld verdient sie mit Reinigungsaufträgen, die sie über die Plattform haushaltshilfe24.at vermittelt bekommt. Solange alles glatt geht, reicht das zum Überleben, sagt sie. Kann Anuya, beispielsweise krankheitsbedingt, nicht arbeiten, verdient sie nichts. „Ich achte sehr auf mich“, bekräftigt Anuya. Sie mache jeden Tag Sport und habe einen Schmerzmittel-Vorrat angelegt.

Die WZ hat mit mehreren Reinigungskräften gesprochen, die ihre Dienste auf den Plattformen haushaltshilfe24.at oder betreut.at anbieten. Ihre Erfahrungen gleichen jenen von Anuya: Meist sind es Frauen mit Migrationsgeschichte, die die Wohnungen berufstätiger junger Pärchen aus der oberen Mittel- und Oberschicht reinigen, für acht bis 20 Euro pro Stunde, bar auf die Hand. Auch Politiker:innen und Botschafter:innen gehören laut ihren Aussagen zum Kund:innenstamm. Die meisten der Reinigungskräfte haben aufgrund persönlicher Schicksalsschläge, fehlender Aufenthaltstitel oder mangelnder Sprachkenntnisse am Arbeitsmarkt kaum Alternativen.

Auf den ersten Blick ist das eine Win-Win-Win-Situation: Kund:innen, die sich ihre Wohnung günstig reinigen lassen können; Migrant:innen, die unkompliziert an Geld kommen und Unternehmen, die mit deren Vermittlung Geld verdienen. Es lohnt sich ein zweiter Blick. Recherchen der WZ und Studien legen nahe, dass es sich bei der vermittelten Reinigungstätigkeit oftmals um Schwarzarbeit handelt.

Dem Staat und den Sozialversicherungen entgeht dadurch Geld, gleichzeitig profitieren Unternehmen, die hierzulande nicht ansässig sind und aufgrund ihrer bloßen Vermittlungstätigkeit keine Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge für die Reinigungskräfte zahlen. Sie profitieren von der Vermittlung von Menschen, die aufgrund ihrer Notsituation oft auf die Reinigungsaufträge angewiesen sind. Die Plattformbetreiber sehen dies naturgemäß anders und sprechen von unkomplizierten Betreuungsangeboten und einer Zusammenarbeit „auf Augenhöhe“, von der alle Beteiligten profitieren würden.

Die Ticks der Reichen

Die Plattformen haushaltshilfe24.at und betreut.at sind übersichtlich aufgebaut. Kund:innen geben ihre Postleitzahl, die Art der gesuchten Arbeit und den gewünschten Stundenlohn ein und die Suche liefert eine üppige Auswahl an Reinigungskräften. Diese werben mit Schlagwörtern wie „flexibel“, „zuverlässig“ oder „erfahren“ um Aufträge, einige streichen ihre Kompetenzen als Mutter hervor oder geben ihren Impfstatus an. Wer beispielsweise über haushaltshilfe24.at in Wien-Hernals nach einer Reinigungskraft im Umkreis von zehn Kilometern sucht, erhält 921 Angebote für durchschnittlich 14,23 Euro Stundenlohn. Laut eigenen Angaben sind auf haushaltshilfe24.at 60.000 Haushaltshilfen registriert, wie viele Vermittlungen monatlich zustandekommen, konnten beide Betreiber auf Nachfrage nicht beantworten.

Eine Collage die sich um das Thema Reinigungskräfte und digitale Plattformen dreht.
Haushaltshilfe per Website: Die Vermittlungsplattformen sind höchst fragwürdig.
© Collage: WZ, Bildquelle: Getty Images

Anders als vergleichbare Portale verrechnen haushaltshilfe24.at und betreut.at keine Provision. Ihr Geld verdienen sie mit Premiummitgliedschaften, die den Reinigungskräften und Haushalten Vorteile bringen, beispielsweise bessere Sichtbarkeit in den Suchergebnissen beziehungsweise der Möglichkeit, Reinigungskräfte direkt anzuschreiben. Je nach Modell und Plattform kosten die Mitgliedschaften zwischen fünf und 40 Euro monatlich. Zahlen, wie viele Premium-User:innen auf ihren Seiten registriert sind, wollten beide Plattformen auf Nachfrage nicht nennen.

2020 erwirtschaftete die Care.com Europe GmbH mit Sitz in Berlin, die hinter betreut.at steht, 17,7 Millionen Euro Umsatz und knapp 2,8 Millionen Euro Gewinn. Bei der Schweizer Lemonfrog AG, die hinter haushaltshilfe24.at steht, sind öffentlich keine Wirtschaftsdaten einsehbar, auf Nachfrage wollte das Unternehmen keine Angaben zu Umsätzen und Gewinnen machen.

Anuya verlangte anfangs zehn, mittlerweile 15 Euro pro Stunde. Im Schnitt arbeite sie 20 bis 25 Wochenstunden, meistens für Stammkund:innen. „Gutes Geld“ sei das, sagt Anuya zufrieden. Der tatsächliche Stundenlohn liegt weit unter 15 Euro. Für die Fahrt zu den Wohnungen (bis zu einer Stunde), in den Leerzeiten zwischen den Aufträgen, wenn sie krank ist oder in den Urlaub geht, wird sie nicht bezahlt.

Reiche Menschen haben Ticks, die musst du bedienen.

Weitere Reinigungskräfte, mit denen die WZ gesprochen hat, beschreiben ihre Situation als ähnlich prekär. Juliana* ist voriges Jahr ihrer großen Liebe wegen nach Österreich zurückgekehrt. Die große Liebe lebt illegal im Land, „und ich brauche eine Möglichkeit, ihn durchzubringen“, sagt die 32-Jährige. Gemeinsam putzen sie Luxuswohnungen im Westen Wiens. „Reiche Menschen haben Ticks, die musst du bedienen“, beschreibt Juliana ihre Arbeit, in der sie Kleiderbügel in den Villen Hietzings nach Farben sortiert und in Döbling penibel darauf achtet, dass die Henkel der Porzellantassen stets nur in eine Richtung zeigen.

Andere katapultierte eine Krebsdiagnose, der Todesfall eines Familienmitglieds oder eine psychische Erkrankung aus der Bahn – über die plattformvermittelte Reinigungsarbeit haben sie einen Weg gefunden, ihre Wohnungen, ihre Medikamente, ihre Therapien, ihre Grundbedürfnisse zu finanzieren. Eine Ausnahme bildet Erbin Luise*. Geld habe sie genug, erzählt sie. Auf betreut.at arbeitet sie wöchentlich rund zehn Stunden, wenn sie ein paar Tausend Euro beisammenhat, spendet sie es an ein Hilfsprojekt in Afrika. Dass sie dafür keine Steuern zahlt, findet sie vertretbar.

Beschränkte Haftung

Über die Arbeitsbedingungen plattformvermittelter Reinigungsarbeit ist hierzulande wenig bekannt. Interessensvertretungen wie Gewerkschaften, Wirtschaftskammer und NGOs haben zwar alle schon mal von dem Problem gehört, genaue Einblicke in die Branche scheinen die wenigsten zu haben.

In Deutschland ist dieses Problem besser erfasst. Von den rund vier Millionen Reinigungskräften seien „die meisten informell beschäftigt“, schätzt Katarzyna Gruszka auf Basis verschiedener Studien. Gruszka war bis Jahresanfang an der Wirtschaftsuniversität Wien beschäftigt und forschte zu Reinigungsplattformen in Deutschland. Die Plattformen ziehen sich aus der Verantwortung, indem sie sich in einem weitgehend unregulierten Bereich nicht als Arbeitgeber:innen, sondern als Vermittler:innen von Aufträgen definieren, kritisiert Gruszka. Gleichzeitig profitierten sie von einer „Reservearmee an Migrant:innen“, die auf diese Jobs angewiesen sind.

Und in Österreich? Derzeit beschäftigt sich ein Team des Instituts für Höhere Studien (IHS) im Auftrag der Arbeiterkammer im Rahmen der „GigClean“-Studie mit den „Arbeitsrealitäten von plattformbasierten Reinigungskräften in privaten Haushalten“. In einer Präsentation der Zwischenergebnisse im Mai warnt Studienleiterin und Soziologin Laura Wiesböck, dass die Vermittlung von Reinigungsarbeit über Onlineplattformen „das Risiko birgt, Arbeitsbedingungen zum Nachteil von Reinigungskräften zu verändern“. Zentrale Probleme seien neben niedriger Entlohnung und fehlender sozialer Sicherheit vor allem sexuelle Belästigungen und Übergriffe, die teils online oder in den Privaträumen der Kund:innen stattfinden. Auch Personen, mit denen die WZ gesprochen hat, berichten von Belästigungen und Übergriffen. Aufgrund der „informellen Arbeitsverhältnisse und der mangelnden Unterstützung durch die Plattformen“ falle es schwer, „Misshandlungen und Ausbeutung in diesem Arbeitsmarktsegment aufzudecken und zu bekämpfen“, heißt es in der Studie.

Abwälzung von Verantwortung

Während Laura Vogel und Sabine Köszegi (beide TU Wien) in einem Beitrag zum „Tag der Plattformarbeit“ keine Zahlen zu haushaltshilfe24.at nennen, würde es sich auf der Plattform betreut.at „in den meisten Fällen“ um informelle Beschäftigung von Menschen handeln, die aus den verschiedensten Gründen keinen regulären Zugang zum österreichischen Arbeitsmarkt haben. Die Plattformbetreiber:innen würden „die Verantwortung für die soziale Absicherung bei Unfällen oder im Krankheitsfall“ an die von ihnen vermittelten Arbeiter:innen „abwälzen“, schreiben die Studienautor:innen.

Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) bei haushaltshilfe24.at erwecken einen ähnlichen Eindruck. Die Plattform ist eine Marke der Schweizer Lemonfrog AG, die laut eigenen Angaben „17 Vermittlungsplattformen in den Bereichen Haushaltshilfe, Betreuung und Dating“ betreibt. Insgesamt verzeichnet sie laut eigenen Angaben eine Million registrierte Nutzer:innen in vier Ländern. Auch die österreichischen Portale nachhilfen24.at und singlemitkind.at gehören zum Portfolio des Schweizer Unternehmens.

Der Onlineauftritt der Lemonfrog AG versprüht Start-up-Vibes: Die Website zeigt glückliche Menschen, die in die Kamera lächeln, dabei Oberflächen reinigen oder Teambesprechungen führen. Die Mitarbeiter:innen tragen wohlklingende Titel wie „Performance Marketing & Growth Manager“ oder „Customer Support Specialist“. Darunter dürfen die ausschließlich mit Vornamen angeführten Mitglieder des Lemonfrog-„Teams“ ihren Beitrag zur Gesellschaft bewerben, wie „Spaß an Abfallvermeidung und Permakultur“ oder „Naturliebhaber und Minimalist“. Ihr aller Anspruch sei es, dass „Menschen schnell, einfach und unkompliziert zueinander finden“. Haben Menschen einmal zueinander gefunden, endet der Verantwortungsbereich des Unternehmens: „Die Lemonfrog AG ist bei Zustandekommen einer Vermittlung von Servicesuchenden und Serviceanbietenden weder Partei noch Vertragspartner“, heißt es in den AGB. Außerdem habe der „Serviceanbietende selbständig allenfalls notwendige Aufenthalts- oder Arbeitsbewilligungen zu besorgen. Der Servicesuchende hat den Serviceanbietenden gesetzeskonform zu versichern bzw. diesen auf eine allfällige Notwendigkeit für eine Versicherung hinzuweisen“. Zudem, so heißt es in den Geschäftsbedingungen, „schließt (die Lemonfrog AG) jegliche Haftung aus, die sich aus einem Vertragsverhältnis zwischen Servicesuchendem und Serviceanbietendem ergibt“.

Dem Vorwurf, die Lemonfrog AG würde Profite auf Kosten der Reinigungskräfte machen und sich aus der sozialen Verantwortung ziehen, widerspricht diese auf Nachfrage vehement: „Lohnzahlung, Versicherung und Lohnersatz bei Krankheit sind Pflicht der Arbeitgeber, d. h. der Haushalte.“ Im Gegenzug könnten Reinigungskräfte auf ihrer Plattform pro Stunde mehr verdienen als bei Reinigungsagenturen. „Es entstehen somit Arbeitsverhältnisse auf Augenhöhe mit fairen Löhnen für Haushaltshilfen. Darauf sind wir sehr stolz.“

Auch die Care.com Europe GmbH sieht die Verantwortung bei den Haushalten. „Als Betreiber eines Online-Marktplatzes stehen wir in keinem Anstellungsverhältnis zu den Nutzern unserer Seite“, schreibt diese auf Nachfrage. Die Verantwortung für Lohn und soziale Absicherung liege daher nicht bei ihnen.

Was duldet der Staat?

Wer sich bei haushaltshilfe24.at ein Firmenprofil erstellen will, gibt Name und Firmenwebseite ein und klickt auf „Speichern“. Dokumente oder Nachweise für einen Gewerbeschein oder eine Selbstständigkeit werden nicht verlangt. Dass die von der WZ angemeldete und frei erfundene „Viktor O. Reinigungs GmbH“ nicht existiert, fällt nicht auf. Auch betreut.at verlangt für die Verifikation der „Viktor O. Reinigungs GmbH“ keine Nachweise. Sämtliche Personen, mit denen die WZ gesprochen hat, erklären übereinstimmend, dass sie von den Plattformbetreiber:innen nie nach Dokumenten gefragt wurden. Kund:innen würden sich in den seltensten Fällen dafür interessieren.

Den Verdacht, dass es sich bei vielen vermittelten Arbeitsverhältnissen um Schwarzarbeit handeln könnte, teilt die Lemonfrog AG nicht. Man gehe „natürlich davon aus, dass es in der österreichischen Bevölkerung ein großes Interesse an einer sauberen Anstellung gibt und man sich an die bestehenden Gesetze zur Anstellung hält“. Auf die Frage, ob das Unternehmen dies kontrolliert und beispielsweise Dokumente verlangt, ging die Lemonfrog AG nicht ein. Man gebe „Haushalten und Reinigungskräften hilfreiche Tipps, wie die Anstellung korrekt gemeldet und abgerechnet wird“. Damit leiste man „einen beträchtlichen Beitrag gegen Schwarzarbeit (und nicht umgekehrt)“.

Auch die Care.com Europe GmbH bietet ihren Mitgliedern Hilfestellungen bei steuerrechtlichen Fragen und weist diese dazu an, „sich über die gesetzlichen Bestimmungen hinsichtlich der Erbringung und Vergütung von familien- und haushaltsnahen Dienstleistungen zu informieren“. Bei Hinweisen auf ein illegales Beschäftigungsverhältnis würden Profile gesperrt. Das Unternehmen „distanziert sich ausdrücklich von Schwarzarbeit“.

Eine Collage zum Thema Reinigungskräfte und digitale Plattformen.
Eigentlich sollte der Staat ein Eigeninteresse haben, Schwarzarbeit einzuschränken, um Steuern einzunehmen.
© Collage: WZ, Bildquelle: Getty Images

Und der Staat? Eigentlich sollte dieser ein Eigeninteresse haben, Schwarzarbeit einzuschränken, um Steuern einzunehmen. Auf Nachfrage antwortet ein Sprecher, das Finanzministerium beobachte die Entwicklungen auf den Plattformen „aufmerksam“ und achte auf die „Einhaltung der relevanten steuerlichen und sozialversicherungsrechtlichen Vorschriften“. In bestimmten Branchen, etwa in der Reinigungsbranche, kämen „häufig Betrugsmuster wie beispielsweise schwarz ausbezahlte Löhne und eine nicht korrekte Anmeldung bei der Sozialversicherung“ vor, schreibt das Ministerium. „Gesetzesverstöße werden in keiner Branche geduldet, im Gegenteil wird dort, wo vermehrt Betrugsfälle auftauchen, auch vermehrt kontrolliert.“ Plattformen wie betreut.at oder haushaltshilfe24.at scheinen als Vermittler nicht im Fokus der Behörden zu stehen.

Der Staat sieht das als eine Angelegenheit von Privathaushalten an, in die er sich nicht einzumischen habe
Karin Sardadvar, Soziologin

Bereits vor zehn Jahren gab es mit WALQING (Work and Life Quality in New & Growing Jobs) ein großes EU-Forschungsprojekt zu Branchen mit problematischen Arbeitsbedingungen wie etwa die Reinigungsbranche. In der Studie heißt es, der Staat würde informelle Beschäftigung im Reinigungssektor oft „dulden“. Karin Sardadvar war an dem Projekt beteiligt, heute forscht sie als Senior-Postdoc-Wissenschaftlerin am Institut für Soziologie und Empirische Sozialforschung der Wirtschaftsuniversität Wien zu den Arbeitsbedingungen von Reinigungskräften. „Der Staat sieht das als eine Angelegenheit von Privathaushalten an, in die er sich nicht einzumischen habe“, kritisiert die Soziologin anhand der damaligen Ergebnisse zu Österreich im Gespräch mit der WZ.

Nur auf den ersten Blick günstig

Wie viel Staat und Sozialversicherungen durch die schwarz beschäftigten Reinigungskräfte entgehen, vermag niemand zu beziffern, aber am Ende zahlen wir alle dafür. Die vermittelten Reinigungskräfte sind nur auf den ersten Blick günstig. Die Lemonfrog AG betreibt mit haushaltshilfe24.at in Österreich kein Unternehmen, sondern lediglich einen Online-Auftritt. Auch betreut.at hat hierzulande keinen physischen Unternehmenssitz, sondern Care.com Europe GmbH betreibt von Berlin aus den Online-Auftritt. Sie bezahlen als Vermittler keine Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge für die Reinigungskräfte in Österreich und scheinen sich wenig darum zu kümmern, ob ihre User:innen solche abführen. Auch wenn deren Sicht auf die Dinge eine andere ist: Von den prekären Lebens- und Arbeitsbedingungen der Reinigungskräfte, deren fehlender sozialer Sicherheit, scheinen zumindest mittelbar auch die Plattformbetreiber zu profitieren, die sie vermitteln. Letztlich gehen die nicht bezahlten Lohnsteuern und Sozialversicherungsbeiträge – wie bei jeder Schwarzarbeit – auf Kosten der Steuerzahler:innen. „Ich liebe Österreich, aber ich hasse das System“, sagt Anuya. Zwei Monate will sie noch in dem Land bleiben, dessen Wohnungen sie ein Jahrzehnt lang gesäubert hat und an dessen Einwanderungsbehörden sie sich die Zähne ausgebissen hat. Dann habe sie genug Geld beisammen, um sich anderswo eine neue Existenz aufzubauen. Anuya denkt an einen Job in der Gastronomie, oder sogar in einem Büro.Von der Reinigung hat sie genug.


Infos und Quellen

Genese

Die Arbeitsbedingungen von plattformvermittelter Arbeit, beispielsweise Uber, Mjam oder Lieferando, waren in den vergangenen Jahren medial vielfach Thema – Plattformen, die Reinigungskräfte vermitteln, jedoch kaum. Das mag auch daran liegen, dass Taxi-Fahrer:innen und Fahrradbot:innen im öffentlichen Raum sehr präsent sind – Reinigungskräfte arbeiten, nahezu unsichtbar, ausschließlich in Privaträumen. Das nahm WZ-Autor Johannes Greß zum Anlass, sich diesen Bereich einmal genauer anzusehen. Dankenswerterweise nehmen sich seit einigen Jahren einige Wissenschafter:innen dem Thema plattformvermittelter Reinigungsarbeit an, was dem Autor den Einstieg ins Thema deutlich erleichterte.

Gesprächspartner:innen

Quellen