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Das Grauen an der Grenze

Genese

Nur wenige Medien berichteten detailliert, was Mitte 2022 an der polnisch-belarussischen Grenze vor sich ging. Auch deshalb, weil selbst Journalist:innen und Helfer:innen in der Hochphase der Krise der Zugang verboten war. Oft ging es in den Berichten darum, dass der belarussische Diktator Lukaschenko die Geflüchteten als Druckmittel gegen Polen und die EU benutzt – was auch stimmte. Dass aber die rechtsnationale Regierung der PiS dieses grausame Spiel mitspielte, hat sie sich selbst zuzuschreiben. Anstatt ordentliche Asylverfahren durchzuführen, wurden Geflüchtete systematisch zurückgewiesen. Bei der Verteidigung dieses Vorgehens verwies Polen auf die europäischen Interessen. Dass mehr als 50 Menschen in den sumpfigen Wäldern erfroren, ertranken oder anderweitig ums Leben kamen, wurde nicht dazugesagt.

Auch im Wahlkampf zur polnischen Parlamentswahl Mitte Oktober spielten Migration und die Grenze, die die PiS mit tausenden Soldaten und einem 5,5 Meter hohen Zaun zur Festung umbaute, eine gewichtige Rolle. Einige Wochen vor der Wahl fuhr Florian Bayer zur Grenze Polen/Belarus, um sich selbst ein Bild zu machen.

Gesprächspartner:innen

  • Agnieszka Holland, Regisseurin des Films

  • Helfer:innen der NGO Grupa Granica (sie wollen anonym bleiben)

  • Helfer:innen der NGO Ocalenie (ebenso anonym)

  • Anwohner:innen in Białowieża und Umgebung

  • Andrzej Szabaciuk, Politikwissenschaftler, Katholische Universität Lublin

  • Wojciech Przybylski, Chefredakteur Magazin Visegrad Insight, Warschau

  • Gespräche mit Lokalpolitiker:innen und Grenzschützer:innen wurden angefragt, kamen leider nicht zustande

Daten und Fakten

  • Derzeit versuchen deutlich weniger Menschen als noch im Herbst, die Grenze zu überqueren, berichtet Grupa Granica. Das liege aber an der Winterkälte. Dieselbe Tendenz habe es auch in den letzten Wintern gegeben. Manche der Migrant:innen können offenbar in grenznahen Städten unter Überwachung überwintern. Der Rückgang der Zahlen bedeute jedoch nicht, dass es strukturell besser werden würde. „Im Gegenteil: Die neue Regierung will die Politik ihrer politischen Gegner – der rechten PiS – fortsetzen“, fürchtet Grupa Granica.

  • Die Helfer von Grupa Granica und anderen Organisationen können per GPS-Pin am Handy 24 Stunden am Tag informiert werden. Dann rücken sie aus, versorgen die Geflüchteten im Wald mit Essen, warmer Kleidung und Powerbanks. Auch medizinisch und rechtlich helfen sie, nur nicht bei der Flucht. Das wäre strafbar.

  • Bisher dokumentierten Helfer:innen mehr als 50 Tote und mehr als 300 Vermisste in den sumpfigen Wäldern an der Grenze. Einige der Toten sind in den polnischen Dorffriedhöfen nahe der Grenze begraben. Bei den Gesprächen vor Ort stellte sich heraus, dass – anders als von der früheren Regierung behauptet – die meisten Anwohner:innen keine Angst vor Geflüchteten haben und die Panikmache nicht verstehen können. Viele fürchten vielmehr eine mögliche militärische Bedrohung durch Russland und Belarus – tatsächlich schlugen ja schon mindestens zwei fehlgeleitete russische Raketen auf polnischem Territorium ab.

Quellen

Das Thema in anderen Medien