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Daten zeigen: Immer mehr Autos in Wien

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In seiner Kolumne "Data to Go" erzählt Maximilian Hatzl kurze Geschichten anhand von Daten.
© Illustration: WZ / Katharina Wieser

Paris schafft autofreie Straßen, in Helsinki gab es seit einem Jahr keinen Verkehrstoten mehr. In Europas Hauptstädten fahren immer weniger Autos. Doch anders ist das in Wien – hier steigt die Anzahl an Autos weiterhin. Besonders beliebt: SUVs.


Vor wenigen Tagen meldete die finnische Hauptstadt Helsinki, dass seit einem Jahr kein einziger Mensch mehr bei einem Verkehrsunfall gestorben ist. Laut eigenen Angaben ermöglichten das strenge Tempolimit, verkehrsberuhigende Maßnahmen sowie ein gut ausgebautes öffentliches Verkehrsnetz.

Das verdankt Helsinki auch einem aktuellen europäischen Trend: Immer mehr Metropolen wollen ihre Innenstädte autofrei machen. Die Idee dahinter ist, den öffentlichen Raum zurück an die Bewohner:innen zu geben und die Verkehrssicherheit zu steigern. Die belgische Stadt Gent machte dies bereits 2017 vor, Paris schafft heuer noch 500 weitere autofreie Straßen.

Verkehrsanstieg am Gürtel

Auch in Wien soll die Innere Stadt verkehrsberuhigt werden. Die Smart Klima City Strategie sieht vor, dass in den nächsten 5 Jahren 85 Prozent aller Wege per Rad, Öffis oder zu Fuß zurückgelegt werden.

Autos sollen also weniger werden. Ein realistisches Ziel? Die Zahl der Neuzulassungen steigt österreichweit jährlich. In Wien messen die Verkehrszählstellen seit dem Einbruch im Corona-Jahr 2020 einen jährlichen Anstieg an den täglich vorbeifahrenden Automassen, der aktuell wieder leicht zurückgeht - wenn auch nicht überall.

Die vielen Autos wirken sich auf die Umwelt aus. Etwa die Hälfte der CO2-Emissionen sowie der Großteil des besonders schädlichen Reizgases Stickstoffdioxid stammen in Wien aus dem Verkehr.

Österreich bleibt Autoland

Um den Verkehr zu reduzieren, muss auch die Anzahl an Autos sinken. Doch Autos bleiben in Österreich beliebt. Wie die Statistik Austria am Montag, dem 11. August, meldete, nahm die Anzahl an Neuzulassungen bis Juli 2025 im Vergleich zum Vorjahr erneut um neun Prozent zu. Mit knapp 7,5 Millionen zugelassenen Kraftfahrzeugen gibt es derzeit so viele Autos wie noch nie.

Die meisten Autos finden sich, wenig überraschend, in Wien – rund 72.000 Neuzulassungen meldete die Bundeshauptstadt im vergangenen Jahr. Darauf folgen Nieder- und Oberösterreich mit jeweils 65.500 Neuzulassungen im Jahr 2024.

Wien: Doppelt so viel SUVs wie vor 10 Jahren

Besonders spannend sind dabei die Vorlieben der Stadtbewohner:innen. Geländewagen und SUVs (Sports Utility Vehicles) machen mehr als ein Drittel der Neuzulassungen aus – ein Wert, der sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt hat. Das zeigen Daten, die der WZ von der Statistik Austria exklusiv zur Verfügung gestellt wurde.

Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) kritisiert diesen Anstieg häufig. SUVs sind deutlich größer und schwerer als der durchschnittliche Pkw, was sich auf den Treibstoffverbrauch und die Sicherheit für andere Verkehrsteilnehmer:innen auswirkt.

Auch der zusätzlich eingenommene Platz im öffentlichen Raum ist oft Thema von Debatten – die Wiener Parkgebühren sind laut VCÖ zu billig. Denn wenn die Autos größer werden, verteilt sich der verfügbare Raum ungleicher auf die Bewohner:innen der Stadt.

In Wien ist die Fläche alle Parkplätze so Groß wie die Bezirke Neubau, Josefstadt und Innere Stadt zusammen. Die Folgen sind weniger Platz für Wohnraum, Grünflächen, Geh- und Radwege. In Paris wurden die Parkgebühr deshalb an die Größe des Autos angepasst – SUVs zahlen das dreifache.

Ab 2026: Verkehrsberuhigte Innenstadt

Eine weitere Maßnahme, um den Verkehr zu reduzieren, sind österreichweite, verkehrsberuhigte Innenstädte. Laut Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ) soll die dazugehörige Verkehrsnovelle ab 1. Jänner 2026 wirken. Ausnahmen sind jedoch für Anrainerinnen, Einsatzfahrzeuge, Lieferanten oder Taxis vorgesehen.

Die Frage bleibt, ob es in fünf Monaten deshalb tatsächlich weniger Autos im 1. Wiener Bezirk geben wird. Denn in der Inneren Stadt ist die Anzahl an Pkws in Wien am höchsten – auf knapp jede:n Bewohner:in kommt hier ein Auto.

Ob der Verkehr ab 2026 also zurückgeht? Auf eine Anfrage im Büro von Peter Hanke heißt es gegenüber der WZ, dass die Umsetzung nun bei der Stadt Wien liege. Für den ersten Bezirk errechnete diese eine Verringerung der Einfahrten von rund einem Drittel. Daraus ergibt sich auch eine Verringerung der Stellplatzauslastung um knapp ein Viertel.

Maximilian Hatzl ist seit 2025 Datenjournalist bei der WZ. In “Data to Go” bringt er einen Einblick in seine Arbeit, und erzählt mit Daten Geschichten. Alle Kolumnen von Max findest du hier.


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Infos und Quellen

Genese

Ein Bluesky-Post der Wiener Bürger:innen-Initiative „Gürtelliebe“ hat Redakteur Max Hatzl auf die Datenanalyse von Dieter Komendra aufmerksam gemacht, Stadtrat der Grünen Neubau. Die Datenanalyse beruhte auf dem öffentlichen Datensatz der Verkehrszählstellen Wien. Da es in der letzten Kolumne des Autors um E-Ladestationen ging, waren jetzt die Pkws an der Reihe.

Gesprächspartner:innen

  • Julian Möhwald, Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur
  • Gaby Berauschek, Stadtentwicklung und Stadtplanung
  • Christoph Hartl, Statistik Austria
  • Thomas Taus, Stadt Wien, Rechtliche Verkehrsangelegenheiten

Daten und Fakten

  • Die Verkehrsdaten entstammen dem Open Data Katalog Verkehrszählstellen Zählwerte Wien.
  • Die Messdaten gehen je nach Station bis 2016 zurück, wobei nicht immer alle Monate gemessen wurde. Die Jahre in denen weniger als 12 Monate gemessen wurde, wurden aus der Statistik ausgeschlossen.
  • Die Verkehrsmessstellen messen beide Fahrtrichtungen getrennt und gemeinsam. Für diesen Artikel wurden die gemeinsamen Daten verwendet.
  • Ebenfalls zusammengefasst wurden Pkws und Lkws.
  • Für die Auswertung wurden die Daten verwendet, welche von Montag bis Sonntag messen.
  • Die Daten aus dem Kfz-Bestand entstammen Statistik Austria.
  • Die Daten für Geländewägen und SUVs wurden der WZ exklusiv zur Verfügung gestellt.
  • Laut Verkehrsministerium soll eine Verkehrsnovelle die autofreien Innenstädte ab 1. Jänner 2026 vorschreiben. Die Umsetzung obliegt jedoch den jeweiligen Städten und Gemeinden.

Quellen

Das Thema in der WZ

Wie das Auto in die Autofreie Mustersiedlung kam

Das Thema in anderen Medien

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