Österreich erlebt die schwerste Frühjahrsdürre seit Beginn der Messungen: Die Böden trocknen aus, das Grundwasser sinkt. Die Landwirtschaft meldet bereits massive Schäden.
Schneefall, Frost, Hitze und eine extreme Trockenheit – dieses Jahr hat uns der Frühling einige konträre Wetterszenarien gebracht. Erst Anfang Mai ließ sich das Wetter in Österreich wieder einfacher zusammenfassen: Fast überall war es überdurchschnittlich warm und trocken.
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Im April gab es in sieben Bundesländern Niederschlagsdefizite von bis zu 75 Prozent. Damit befinden wir uns in einer landesweiten Dürre – mit fatalen Folgen für die Umwelt. Heuer brannten mit Mitte Mai bereits so viele Wälder wie 2023 und 2024 über das ganze Jahr verteilt. Erst die Regenschauer am Wochenende nach Christi Himmelfahrt brachten den lang ersehnten Regen – wenn auch nur mit leichter Erholung für die Natur.
Daten von GeoSphere Austria – dem nationalen Dienst für Geologie, Geophysik, Klima und Meteorologie – zeigen: So trocken war es noch nie seit Beginn der Messungen im Jahr 1858. Vor allem in den Regionen Süd-Salzburg, Steiermark und Kärnten sind die Werte extrem.
Niedriges Grundwasser: Schäden in der Landwirtschaft
Wie trocken die Böden sind, unterscheidet sich auch je nach Tiefe. Die oberste Bodenschicht reagierte schnell auf den Regen Mitte Mai – was vor allem die Vegetation freut – doch der Grundwasserspiegel „ist davon völlig unbeeindruckt“, sagt Andreas Tröscher von GeoSphere Austria.
Für ihn bleibt unklar, ob sich der Grundwasserstand heuer noch auffüllen wird. Denn dieses sammelt sich normalerweise mit Ende des Winters durchs Schmelzwasser. „Da müsste es schon noch zwei Wochen lang durchregnen, dass wir was im Grundwasser merken“, sagt Tröscher gegenüber der WZ.
Aktuell ist der Grundwasserstand fast überall ausgesprochen niedrig. Das beeinträchtigt vor allem die Landwirtschaft. „Schäden und Wachstumsdepressionen, die bereits eingetreten sind – etwas bei Raps, Zuckerrüben, aber auch bei Getreide – können nicht mehr ‚repariert‘ werden“, heißt es von der Landwirtschaftskammer Österreich (LKÖ) in einem Antwortschreiben an die WZ.
Aktuell rechnet die LKÖ mit einer unterdurchschnittlichen Ernte für das Jahr 2026. „Der jetzige Regen kann das nicht mehr wiedergutmachen“, so LKÖ-Generalsekretär Ferdinand Lembacher im Antwortschreiben.
Die schlechten Nachrichten gehen weiter: Bei den Getreidebeständen gibt es bereits irreversible Schäden und „der Raps schaut ganz schlimm aus“, sagt Lembacher, „er ist extrem schnell verblüht, wird ganz kurze Schoten haben und diese teilweise auch abwerfen. Wir erwarten heuer nicht viel Ertrag.“
Nur für den Weizen gibt es noch Hoffnung, da dieser erst vor seiner heiklen Phase steht, welche üblicherweise bis Juni dauert. „Wenn es aber wieder heiß und trocken wird, wird es sehr schnell wieder kritisch, da keine Reserven im Boden vorhanden sind“, so der LKÖ-Generalsekretär.
Ob die Dürre zurückgeht, bleibt fraglich. Denn auch in den Daten von GeoSphere Austria zeichnete sich über die Jahre eine konstant steigende Trockenheit ab. Sie breitete sich im Mai auf mehr als zwei Drittel der Landesfläche aus.
Greenpeace: „Wasser muss im Land bleiben“
„Wir müssen deshalb dafür sorgen, dass das Wasser in der Landschaft bleibt und versickert“, warnt Sebastian Theissing-Matei von Greenpeace Austria gegenüber der WZ. Er sieht das Problem des fehlenden Wassers unter anderem in der historischen Fehlplanung. „Seit dem 19. Jahrhundert haben wir viele Ressourcen dafür aufgewendet, Wasser sehr schnell in die Donau und damit aus Österreich zu leiten“, sagt Theissing-Matei, „und das muss sich jetzt umdrehen.“
Lösungen sieht Theissing-Matei dabei in der Renaturierung. „Dann hätten unsere Flüsse mehr Platz, wenn sie viel Wasser führen“, sagt er, „dann kann das Wasser länger liegen und versickern“.
Wird es bald solche Maßnahmen brauchen? 2021 stellte das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) in der Studie „Wasserschatz Österreich“ fest, dass der landesweite Wasserbedarf zur Gänze aus dem Grundwasser gedeckt ist.
Aufgrund steigender Temperaturen geht das BMLUK aber davon aus, dass die verfügbaren Ressourcen bis 2050 um rund 23 Prozent abnehmen werden. Gleichzeitig jedoch steigt der Bedarf der Wasserversorgung um rund 15 Prozent – in der Landwirtschaft wird er sich sogar verdoppeln. Der größte Teil der Wasserentnahme fällt aber nach wie vor auf die Industrie. Laut BMLUK mit einem Anteil von 70 Prozent – zusammengesetzt aus Grund- und Oberflächenwasser.
Theissing-Matei schlägt auf lange Sicht deshalb eine Bepreisung der Grundwasserentnahme vor. „Dann wäre die Entnahme nicht kostenlos und es gäbe wieder mehr Anreize, unser Wasser zu sparen.“
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Infos und Quellen
Gesprächspartner:innen
- Andreas Tröscher, GeoSphere Austria (Hinweis: Tröscher veröffentlichte als freier Autor auch Artikel in der Wiener Zeitung, zuletzt 2012)
- Sebastian Theissing-Matei, Greenpeace
- Claudia Jung-Leithner, Präsidialreferentin Landwirtschaftskammer Österreich
Daten und Fakten
- Für die Berechnung der Dürre wurde der WINFORE v2.1 Datensatz der GeoSphere Austria (ehemals Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik – ZAMG) herangezogen.
- Der Datensatz enthält unter anderem standardisierte Indexwerte der klimatischen Wasserbilanz, den sogenannten SPEI (Standardized Precipitation Evapotranspiration Index). Grundlage für die Berechnung des SPEI bilden tägliche Temperatur- und Niederschlagsfelder aus den Satellitendaten von Spartacus.
- Die klimatische Wasserbilanz beschreibt die Differenz zwischen Niederschlag und potenzieller Evapotranspiration, also jener Wassermenge, die bei unbegrenzter Wasserversorgung von einer grasbewachsenen Oberfläche verdunsten könnte.
- In WINFORE wird die potenzielle Evapotranspiration mit einer optimierten Methode nach Hargreaves berechnet. Dabei fließen sowohl die Tagesmitteltemperatur als auch der Tagesgang der Temperatur in die Berechnung ein.
- Die klimatische Wasserbilanz wird täglich über die vergangenen 30, 90 und 365 Tage aufsummiert. Bei den beiden kürzeren Aggregationszeiträumen nimmt der Einfluss älterer Werte linear mit zunehmender zeitlicher Distanz ab.
- Anschließend wird die klimatische Wasserbilanz mit der historischen Häufigkeitsverteilung verglichen, die zwei Klimanormalperioden von 1961 bis 2020 umfasst und für jeden Rasterpunkt sowie jeden Tag des Jahres vorliegt. Die Werte werden danach in eine Standardnormalverteilung transformiert. Dadurch kann beurteilt werden, ob und wie stark die aktuelle klimatische Wasserbilanz vom langjährigen Normalzustand abweicht.
- Im Artikel erfolgt die Einteilung in die Kategorien „feucht“ (SPEI ≥ 0,0) sowie „trocken“ (SPEI < -0,1) mit mehreren Abstufungen. Für die Klassifizierung des SPEI in der Karte wurden die Vorgaben laut Deutschem Wetterdienst (DWD) verwendet.
- Die Daten aus dem Grundwasserspiegel entstammen aus den elektronischen hydrographischen Daten Österreichs. Dazu gehören die Abteilung Wasserhaushalt im Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK), die Hydrographischen Dienste der Bundesländer, die viadonau rund 1.800 überwiegend privaten Beobachter:innen bereitgestellt.
Quellen
- GeoSphere Austria
- Grundwasser: eHYD - elektronische hydrographische Daten Österreichs
- Klima- und Energiefonds: Klimastatusbericht 2025
- Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK): Wasserschatz Österreich
- BLUK: Wasserhaushalt Österreich, Monatsbericht April 2026
- Klimatologische Kenntage in Wien 1955 bis 2023
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