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Deine Kleidung für die Hitzewelle

6 Min
"Wissen wissen" ist eine Kolumne von Eva Stanzl. Darin ordnet sie aktuelle Themen aus Wissenschaft und Gesundheit ein.
© Illustration: WZ / Katharina Wieser. Bildquelle: Adobe Stock.

Der Klimawandel macht auch vor dem Kleiderschrank nicht halt. Wer gut gerüstet sein will, passt die Garderobe den neuen Bedingungen an.


    • Angesichts der Rekordtemperaturen sind wir gut beraten, die Sommergarderobe umzustellen.
    • Auch der Kleidungsstoff speichert Wärme oder gibt sie ab.
    • Schweiß kühlt nur dann, wenn er auch auf der Haut verdunsten kann. Dabei hilft luftige Kleidung.
    • Leinen, Seide und Baumwolle lassen die Luft auf der haut zirkulieren und wirken kühlend.
    • Auch Zellulose-Fasern wie Lyocell oder Viskose wirken weich und kühl auf der Haut.
    • Sommerkleidung sollte idealerweise locker geschnitten sein.
    Mehr dazu in den Infos & Quellen

Luftig gekleidet oder schweißtreibend angezogen? Diese Frage stellt sich in diesen heißen Tagen täglich vor dem Kleiderschrank. Angesichts der Rekordtemperaturen, die wir wohl auch in Zukunft erleben werden, sind wir gut beraten, die Sommergarderobe nach und nach umzustellen. Damit wird sich auch zeigen, was ein Stoff kann: ob er Luft bis zur Haut durchlässt oder Schweiß festhält, ob er bei Hitze beengend wirkt, sodass man sich darin gefangen fühlt, oder ob er den ganzen Tag locker und angenehm zu tragen bleibt.

„Der Körper kühlt sich, indem er Wärme abstrahlt, schwitzt oder Hitze durch Luftaustausch abgibt“, sagt der Textilforscher René Rossi im Telefonat mit der WZ. „Den Körperfunktionen der Kühlung sollte die richtige Sommerkleidung entgegenkommen.“ Denn auch der Kleidungsstoff speichert Wärme oder gibt sie ab. Er lässt Schweiß entweichen oder saugt ihn auf, schützt vor der UV-Strahlung der Sonne oder lässt sie durch. Doch was macht Sommerkleidung kühl, hautfreundlich und temperaturausgleichend und damit gesund für Körper und Haut?

Leinen, Seide und Baumwolle

Zu den Sommerstoffen, die am verlässlichsten kühlen, zählt Leinen. Der leichte Stoff aus Flachs lässt die Luft durch, womit sie unter der Kleidung auf der Haut zirkulieren kann. „Gerade an sehr heißen Tagen ist das ein Vorteil. Bekleidung aus Leinen mit einem weiten Schnitt steigert die Luftbewegung, weil sich der Stoff am Körper bewegt. Der Körper kann sich dann abkühlen, indem er über den Luftaustausch Wärme abgibt“, erklärt Rossi, Professor an der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt in Zürich, der zu Textilien für heiße Tage forscht.

Auch leichte Baumwolle kann bei Hitze eine gute Wahl sein. Sie fühlt sich weich und hautfreundlich an – wenn man nicht allzu sehr schwitzt. Zwar saugt die Baumwolle die Feuchtigkeit auf, aber sie trocknet nur langsam. Das T-Shirt kann sich dann schwer und klamm anfühlen.

Und Seide? Mit ihrer glatten Oberfläche fühlt sie sich angenehm kalt an, wenn sie bei Bewegungen über die Haut streift. „Seidenfäden leiten Wärme nicht gut. Wenn man also Seide am Körper trägt, wirkt sie als eine Art Schutzhülle: An kalten Tagen bleibt die vom Körper erwärmte Luft unter dem isolierenden Stoff ,gefangen‘ und kann keine Wärme an die Umgebung abgeben – so hilft Seide, den Körper warm zu halten. An sehr heißen Tagen kann umgekehrt die Hitze von draußen nicht so leicht zur Haut durchdringen“, schreibt die US-Materialforscherin Holly Capelo in einem Fachartikel. Doch der eigentliche Grund, warum der Stoff der Seidenraupe im Sommer kühlend wirken kann, sei, dass die Seidenfäden winzige Löcher haben, die den feuchten Schweiß von der Haut „wegsaugen“ können. „Und diese Eigenschaft hilft dabei, den Körper zu kühlen“, so Capelo.

Von Viskose bis Polyester

Auch die Zellulosefaser Lyocell wirkt glatt, weich und kühl auf der Haut. Ähnliches gilt bis zu einem gewissen Grad für Viskose: Sie kann leicht, fließend und in der Hitze angenehm zu tragen sein. Doch nicht jede Viskose ist gleich atmungsaktiv – es hängt von der Art der Verarbeitung ab. Schwieriger wird es bei Synthetikstoffen wie Polyester, Nylon oder Acryl, die selbst bei Kälte ein schwitziges Gefühl auslösen können und von manchen Menschen weniger gut vertragen werden. Pauschal ungesund sind sie allerdings nicht: In der Ausführung Sportbekleidung können bestimmte Polyester-Polyamid-Gemische sogar Schweiß gezielt vom Körper wegführen.

Schon allein im Sitzen hat unser Körper eine Heizleistung von etwa 100 Watt, ähnlich wie eine alte Glühbirne. Ein Marathonläufer produziert dagegen um die 1.000 Watt. Seine Körperkerntemperatur steigt beim Laufen so stark an, dass er einen Hitzeschlag erleiden würde, wenn er die Wärme nicht abgeben könnte. Und das wiederum gelingt, indem Schweiß verdunstet.

Wenn der Schweiß herunterrinnt

Aber Vorsicht: Schweiß kühlt nur dann, wenn er auch auf der Haut verdunsten kann. Denn nicht die Schweißproduktion selbst erzeugt den Kühlungseffekt, sondern die Verdunstung von Wasser. Wenn man aber zu viel schwitzt und einem der Schweiß schon herunterrinnt, bleibt einem heiß. „Sobald man stark schwitzt, bilden sich Tropfen auf der Haut. Dann steigt die Körperkerntemperatur im Inneren über die normalen 37 Grad, wir überhitzen und schwitzen flüssig“, erklärt Rossi. „Die Haut nimmt diese Flüssigkeit aber nicht auf, weil ihre oberste Schicht wasserabstoßend ist, damit keine fremden Stoffe eindringen können.“

Selbst bei weiter Bekleidung aus den erwähnten Materialien fließen also bei zu starkem Schwitzen die Schweißtropfen einfach den Körper herunter – nach demselben Prinzip wie in der Sauna kühlt der Körper nicht ab. Der Textilforscher hat daher einen im Hochsommer vielleicht ungewöhnlich erscheinenden Tipp: ein Unterleibchen. „Bei zu starker Hitze ist eine zweite Haut eher von Vorteil“, meint er und meint damit dünne Leibchen aus einem Gemisch aus den Kunststofffasern Polyester und Polyamid, wie sie von Sportler:innen getragen werden. Sie nehmen die Flüssigkeit auf und verteilen sie zwischen den Fasern großflächig, „wodurch die Flüssigkeit auch großflächig verdunsten kann“.

Wüstentaugliches Gewand

So weit muss es jedoch nicht kommen, wenn wir uns rechtzeitig in den Schatten begeben. Oder uns vor den Ventilator stellen. Oder uns nach dem Prinzip der Beduinen kleiden: Wüstenvölker tragen traditionell lange, wallende Gewänder aus Wollstoff, der verhindert, dass sich die Strahlungswärme der Sonne auf die Haut überträgt.

Für die meisten von uns besteht die neue Sommerkleidung jedoch idealerweise aus locker geschnittener Baumwolle, Leinen und anderen Naturfasern sowie bestimmten Chemiefasern und vielleicht Seide. Außerdem sollte sie locker geschnitten und lieber heller als dunkel sein, zumal helle Farben weniger Wärme aufnehmen, indem sie die Sonnenstrahlen reflektieren. Denn das richtige Sommergewand ist nicht nur eine Frage der Mode, sondern auch eine des Hautklimas: Entscheidend ist, ob ein Stoff Hitze entweichen lässt, mit Feuchtigkeit passend umgeht, die Haut nicht reizt und im besten Fall vor UV-Strahlen schützt. Wer sich nach diesen Kategorien einkleidet, ist an heißen Tagen gut angezogen.


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Infos und Quellen

Gesprächspartner

René Rossi, stellvertretender Direktor des Departments „Materials meet Life“ und Leiter des Labors für Biomimetische Materialien und Textilien der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) für anwendungsorientierte Materialwissenschaften und Technologie, die über drei Standorte in der Schweiz verfügt https://www.empa.ch/web/s401/rene-rossi

Daten und Fakten

Im Juni und Juli war es in Westeuropa so heiß wie nie zuvor in den beiden Sommermonaten. Die Durchschnittstemperatur in der Region betrug in dem Zeitraum 21,62 Grad, wie der Klimawandeldienst des EU-Programms Copernicus in Bonn mitteilte. Damit lag sie 2,79 Grad über dem langjährigen Juni-Mittel von 1991 bis 2020. Rekorde gab es auch bei den Wassertemperaturen in den Weltmeeren.

Quellen

Das Thema in der WZ

Das Thema in anderen Medien

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