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Deine Tschick fackeln den Wald ab

3 Min
Die Mehrzahl der Waldbrände werden direkt oder indirekt von Menschen verursacht.
© Illustration: WZ / Katharina Wieser

Eine weggeworfene Zigarette reicht, und aus Unachtsamkeit wird ein Inferno. In Österreich entstehen 85 Prozent aller Waldbrände durch Menschen. Kleine Fehler, die Jahrzehnte später noch nachwirken.


„Bei uns tritt so ein Feuer auf und damit ist diese ganze Entwicklung plötzlich unterbrochen“, sagt Harald Vacik, Forstwissenschaftler an der BOKU Wien. Die natürliche Entwicklung des Waldes beginnt von Neuem. Im Gebirge dauert das besonders lange, da die Vegetationszeit nur von Mai bis September reicht. Unter diesen Bedingungen hat jeder Brand massive Konsequenzen.

Mehr Blitze, mehr Brände

Waldbrände sind in Österreich kein neues Phänomen. Doch durch den Klimawandel nehmen lange Trockenperioden, instabile Wetterlagen und höhere Temperaturen zu. Bedingungen, die Wälder leichter entzündlich machen. Dadurch entstehen sogenannte Anomalien: Plötzlich herrscht Waldbrandgefahr mitten im Winter, also zu einer Zeit, in der man es am wenigsten erwarten würde. Bleiben die Niederschläge aus, fehlt der natürliche Schutz, der den Boden sonst vor dem Austrocknen bewahrt.

Etwa 15 Prozent aller Brände in Österreich gehen auf Blitzschläge zurück, deutlich mehr als im EU-Schnitt. Weil Unwetter hierzulande meist Regen bringen, bleiben diese Brände oft klein. Gefährlich wird es dann, wenn wochenlange Trockenheit und Gewitter aufeinandertreffen. In diesem Fall könnten Blitzschläge auch intensivere Feuer auslösen. Fachleute diskutieren das derzeit als mögliche Folge des Klimawandels.

Am I the problem?

Der größte Auslöser bleibt menschliches Verhalten. „Wir sehen Peaks am Wochenende und am späten Nachmittag. Das ist klarer Ausdruck menschlicher Aktivität“, sagt Vacik. Je mehr Menschen draußen unterwegs sind, desto mehr Zündquellen gibt es. Gleichzeitig zeigt sich, dass Aufmerksamkeit das Risiko mindern kann: Wenn Medien über Brände in Südeuropa oder Kanada berichten, verhalten sich Menschen auch hierzulande vorsichtiger. Es kommt zu weniger Waldbränden, sogar in Dürreperioden bei erhöhtem Brandrisiko. Bewusstsein wirkt in diesem Fall wie eine Brandschutzmaßnahme.

Da brennt’s

Brennen kann es grundsätzlich überall, wo Vegetation vorhanden ist. Besonders gefährdet sind aber Niederösterreich, südliches Kärnten, das Inntal oder Tirol. Ob ein Brand klein bleibt oder sich zu einem Großfeuer entwickelt, hängt von zwei Faktoren ab: der Geschwindigkeit des Feuerwehreinsatzes und der Windstärke. Tritt ein Brand am Abend auf, können Hubschrauber nicht mehr gut eingesetzt werden und die Chancen steigen, dass sich das Feuer ungehindert ausbreitet.

Die Folgen sind gravierend. Bei Kronenfeuern, die den ganzen Baumbestand vernichten, geht nicht nur Lebensraum verloren – auch der Schutz vor Steinschlag, Erosion oder Lawinen bricht weg. Im Gebirge dauert es Jahrzehnte, bis abgebrannte Flächen wieder bewachsen sind. Manche Hänge, die vor hundert Jahren oder mehr abgebrannt sind, sind bis heute kahl.

Eine Karte mit den Österreichischen Bezirken, in der verzeichnet ist, in welchen Bezirken das Risiko für Waldbrände besonders groß ist.
© Illustration: WZ / Quelle: Bundesministerium Landwirtschaft, Regionen und Tourismus

Brandbeschleuniger

Weitere Risikofaktoren verstärken die Gefahr: Stürme werfen Bäume um, der Borkenkäfer befällt geschwächte Bestände, und zurück bleiben große Mengen trockenes Material, leicht entzündlich und idealer Brennstoff. Fachleute sprechen hier von einem Kaskadeneffekt: Eine Störung zieht die nächste nach sich. Gleichzeitig beeinflussen politische Rahmenbedingungen, wie Wälder bewirtschaftet werden, ob abgestorbenes Holz im Wald bleibt oder entfernt wird. Doch letztlich spielt das Verhalten einzelner Menschen eine wichtige Rolle. Fast immer sind es kleine Unachtsamkeiten, die den Ausschlag geben.

Ein Funke weniger

Tschickstummel in die Blechdose, bei Trockenheit nicht grillen – so lassen sich Brände verhindern. Auch Politik und Forstwirtschaft sind gefragt: mehr Laubbäume, weniger Brennmaterial, bessere Prävention. Doch ohne Verantwortungsgefühl und Veränderung im Alltag geht es nicht. Jeder Schritt zählt, vom Anreisen mit dem Zug bis zum sorgsamen Umgang mit Feuer im Freien. „Wenn alle gemeinsam etwas ändern, hat das einen größeren Effekt. Da bin ich fix davon überzeugt, ich bin ein hoffnungsvoller Mensch“, sagt Vacik.


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Infos und Quellen

Genese

Wegen der andauernden Waldbrände weltweit hat WZ-Trainee Mimi Gstaltner realisiert, dass sie viel zu wenig Wissen über das Thema hat. Um das zu ändern, hat sie mit dem Experten Harald Vacik gesprochen.

Gesprächspartner

Harald Vacik ist Forstwissenschaftler an der Universität für Bodenkultur Wien. Er forscht zu nachhaltiger Waldbewirtschaftung, Biodiversität und Anpassung an den Klimawandel und entwickelt Entscheidungshilfen für die forstliche Praxis.

Daten und Fakten

  • Ein Waldbrand ist jedes unkontrollierte Feuer, das Waldvegetation oder Waldboden erfasst.
  • In Österreich werden 85 % der Waldbrände von Menschen verursacht, die anderen 15 % sind Blitzeinschläge.
  • Die häufigsten Ursachen in Österreich sind u. a. weggeworfene Zigaretten, außer Kontrolle geratene Lagerfeuer, heiße Asche und Feuerwerkskörper.
  • Es gibt verschiedene Arten von Waldbränden: Schwelbrände laufen unterirdisch ab und breiten sich langsam aus. Bodenfeuer verbrennen Bodenvegetation, Büsche und Äste und können Flammenhöhen von Dezimetern bis zu mehreren Metern erreichen. Kronenfeuer steigen bis in die Baumkronen und sind die intensivste Form; sie treten vor allem bei Trockenheit, starkem Wind und viel Brennmaterial auf.
  • In Österreich gibt es keine klar definierte Waldbrandsaison. Am häufigsten treten Brände im Frühjahr auf, mit einem Maximum im April, sowie im Hochsommer, besonders im Juli und August. Zu den Hotspots zählen das südliche Niederösterreich, Teile der Steiermark, Kärnten und Tirol.

Quellen

BOKU: Waldbrände in Österreich

BOKU: Waldbrand-Datenbank Österreich

BMLUK: Waldbrand-Risikokarte

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