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Der Bruch zwischen Trump und Katholik:innen ist vollbracht

7 Min
Seinen Heiligenschein hat Trump für die meisten US-Katholik:innen verloren.
© Illustration: WZ / Katharina Wieser. Bildquelle: Getty Images.

Der US-Präsident inszeniert sich als Heiland, attackiert den Papst – und hat seine katholische Anhängerschaft zu einem großen Teil verloren.


    • Donald Trump griff Papst Leo XIV. öffentlich an und verbreitete ein KI-Bild, das ihn als Jesus darstellt, was Empörung auslöste.
    • Die US-Bischofskonferenz und viele Katholik:innen distanzierten sich daraufhin deutlich von Donald Trump und kritisierten sein Verhalten scharf.
    • Der Bruch zwischen Donald Trump und dem katholischen Wählerblock in den USA gilt als tiefgreifend und kaum noch reparabel.
    • Mehrheit der US-Katholik:innen wählte 2024 Trump, nun deutlicher Bruch.
    • Papst Leo XIV. wurde öffentlich von Trump verbal angegriffen.
    • US-Bischofskonferenz verteidigte Papst Leo XIV. gegen Trump.
    • Über 2/3 der weißen Evangelikalen unterstützen weiterhin Trump.
    Mehr dazu in den Infos & Quellen

Ein Sonntag vor der katholischen „Cathedral of Christ the Light“ am Rande von Downtown Oakland. Der Gottesdienst an diesem sonnigen Morgen war mehr als gut besucht, fast 300 Gläubige füllten die Reihen in dem beeindruckenden Gotteshaus, einem Neubau aus dem Jahr 2008. Javier, ein Mann Mitte 30, ist jeden Sonntag hier. Zumindest versucht er es, wie er mit starkem spanischem Akzent sagt. Aber gerade ist es ihm besonders wichtig, seine Verbundenheit zur katholischen Kirche zu zeigen. Warum? Er grinst und sagt nur: „Trump“.

So wie ihm geht es hier vielen. Die verbalen Angriffe von Präsident Donald Trump auf Papst Leo XIV. kommen bei den Gottesdienstbesucher:innen der Oakland Kathedrale nicht gut an. Der Papst sei ein Mann des Friedens, meint Catherine, eine grauhaarige Frau Ende 50. „Trump greift ihn an wie einen politischen Gegner. Das geht gar nicht.“ Und was ist mit dem KI-Bild, das der Präsident auf seinem Truth Social Netzwerk geteilt hat, das ihn als Jesus darstellt, der einem scheinbar kranken Mann die Hand auf die Stirn legt? Catherine rollt nur mit den Augen. Das sei einfach unmöglich.

Hier in Oakland, in der Stadt, in der Kamala Harris aufgewachsen ist, findet man kaum jemanden, der bei der letzten Wahl für Donald Trump gestimmt hat. Die klaren Worte vor der Cathedral of Christ the Light kommen da also nicht unerwartet. Das hier ist nicht „Trump Country“. Doch bei der Wahl 2024 votierte eine Mehrheit der katholischen Wähler:innen in den USA für Trump. Seine zahlreichen Ehen, seine verbalen Tiefschläge, sein Playboy-Image, seine Skandale, seine Lügen und Verunglimpfungen – über all das wurde geflissentlich hinweggesehen. Trump stand für viele Katholik:innen als Kämpfer gegen Abtreibung. Das war für sie der ausschlaggebende Grund, für ihn zu stimmen.

Katholik:innen bleiben nicht länger still

Doch mit der breiten Unterstützung für ihn ist es nun vorbei. Trumps verbale Angriffe und seine Drohungen gegen den ersten US-amerikanischen Papst haben viele Katholik:innen zum Umdenken gebracht. „Leo sollte sich als Papst zusammenreißen, seinen gesunden Menschenverstand einsetzen, aufhören, der radikalen Linken nach dem Mund zu reden und sich darauf konzentrieren, ein großer Papst zu sein, nicht ein Politiker“, meinte Trump vor laufenden Kameras. Auf Truth Social schickte er dann noch hinterher: „Ich mag seinen Bruder Louis viel lieber als ihn, weil Louis voll auf MAGA steht. Er hat es kapiert, Leo dagegen nicht!“

Trump wäre nicht Trump, wenn er sich selbst bei diesem Konflikt nicht auch noch wichtiger nehmen würde, als er ist. „Leo sollte dankbar sein. Er stand auf keiner Liste der Papstkandidaten und wurde von der Kirche nur deshalb nominiert, weil er Amerikaner war und man glaubte, dies sei der beste Weg, um mit Präsident Donald J. Trump umzugehen. Wäre ich nicht im Weißen Haus, wäre Leo nicht im Vatikan.“ Viele Amerikaner:innen sahen sich nach diesen Worten darin bestätigt, dass der Präsident krankhaft egozentrisch sei.

Katholik:innen blieben nicht länger still, die Reaktion kam schnell. Die US-amerikanische Bischofskonferenz verteidigte Papst Leo XIV. gegen die Angriffe von Präsident Donald Trump und erklärte, sie sei „enttäuscht“ über dessen Kritik. „Papst Leo ist nicht sein Rivale und der Papst ist auch kein Politiker. Er ist der Stellvertreter Christi, der aus der Wahrheit des Evangeliums heraus und im Interesse aller Menschen handelt“, meinte Erzbischof Paul S. Coakley, der Vorsitzende der Bischofskonferenz. Selbst konservative Bischöfe, die Trump bislang verteidigt und seine Nähe gesucht hatten, schwenkten um. Neben den Verbalattacken störten sich viele Katholik:innen auch an Trumps Posts am Osterwochenende, den heiligsten Tagen in der katholischen Kirche. „Am Dienstag wird es im Iran den ‚Tag der Kraftwerke‛ und den ‚Tag der Brücken‛ in einem geben. So etwas hat es noch nie gegeben!!! Öffnet die ‚fuckin‛ Meerenge, ihr verrückten Mistkerle, oder ihr werdet in der Hölle leben – IHR WERDET SEHEN! Gelobt sei Allah. Präsident DONALD J. TRUMP“.

„Unverschämte Gotteslästerung“

Dass sich Trump dann auch noch dazu verleiten ließ, ein mit künstlicher Intelligenz entwickeltes Bild von sich als Jesus zu verbreiten, setzte dem Ganzen dann noch die Krone auf. Nicht nur Katholik:innen waren geschockt, auch viele aus dem evangelikalen Lager, die Trump bislang als feste Unterstützer:innen hinter sich wusste, reagierten verstört: „Ich weiß nicht, ob der Präsident dachte, er sei witzig, oder ob er unter dem Einfluss irgendwelcher Substanzen steht, oder welche Erklärung er sonst für diese UNVERSCHÄMTE Gotteslästerung haben könnte“, schrieb Megan Basham, eine bekannte konservative, protestantische Autorin und Kommentatorin,- aber er muss diesen Beitrag sofort löschen und das amerikanische Volk und anschließend Gott um Vergebung bitten.“ Und David Brody, ein bekannter, Trump-freundlicher Kommentator beim Christian Broadcasting Network postete: „Nehmen Sie das Bild runter, Herr Präsident. Sie sind nicht Gott. Keiner von uns ist das. Das geht zu weit. Das überschreitet eine Grenze.“

Zu Wort meldet sich selbst Doug Wilson, Mitbegründer der „Communion of Reformed Evangelical Churches“, einer streng konservativen calvinistischen Glaubensgemeinschaft, zu deren Mitgliedern auch Verteidigungsminister Pete Hegseth gehört. Er schrieb auf X: „Ich war sehr dankbar zu sehen, wie viele konservative Christen das blasphemische Jesus-Trump-Bild sofort verurteilt haben.“

Trump ruderte tatsächlich zurück – für ihn mehr als ungewöhnlich – und löschte das Foto. Einen Grund für eine Entschuldigung sah er allerdings nicht, vielmehr ging er in gewohnter Manier zum Angriff über: „Nun, es war keine Darstellung [von Jesus] – ich war das, ich habe es gepostet, und ich dachte, es zeige mich als Arzt, und es hat mit dem Roten Kreuz zu tun, das wir unterstützen. Nur die Fake News konnten das anders sehen.“ Glaubwürdig war das allerdings nicht. Die Late Night und Comedy Shows in den USA griffen das Bildnis Trumps als Jesus und dessen versuchte Erklärung nur zu gerne auf. Inmitten des Irankrieges wurde der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika zur Lachnummer degradiert.

Inszenierung als von Gott auserwählter Führer

Was bei all diesen zum Teil heftigen Reaktionen überraschend ist: Es ist nicht das erste und einzige Mal, dass Trump sich in aller Öffentlichkeit als Jesus und von Gott gesandt dargestellt hat. Im Januar 2024 teilte er etwa ein Video mit dem Titel „God made Trump“ (https://www.youtube.com/watch?v=1D71G0BC2t8&list=RD1D71G0BC2t8), das ihn als von Gott eingesetzten Kämpfer darstellt, der Amerika wieder zu „God’s country“ machen werde – ein Wunsch der Evangelikalen im Land, die zu nahezu 80 Prozent hinter Trump stehen. Viele Anhänger:innen sehen in Trump eine Art „König Cyrus“, einen von Gott auserwählten Führer, der sein Volk beschützt, obwohl er nicht die traditionellen christlichen Tugenden verkörpert.

Nach dem Attentatsversuch auf ihn im Juli 2024 betrachteten viele seiner Unterstützer:innen aus den evangelikalen Reihen sein Überleben als ein göttliches Wunder, was ihren Glauben bestärkte, dass er für eine bestimmte, heilige Aufgabe bestimmt sei.

Christ:innen in den USA sind kein einheitlicher und fester Wählerblock, sind nicht geeint hinter Trump. Das wurde nun mit dem Hin und Her zwischen Washington und dem Vatikan und den Reaktionen darauf erneut deutlich. Mehr als zwei Drittel der weißen Evangelikalen in den USA unterstützen nach wie vor Donald Trump und sind mit seiner Regierungsführung einverstanden, so eine Umfrage von AP-NORC im Februar. Doch nur vier von zehn Katholik:innen sehen die USA unter Trump auf dem richtigen Kurs.


Diese am 13. April 2026 erstellte Fotoillustration zeigt ein Bild des US-Präsidenten Donald Trump auf einem Bildschirm sowie ein von ihm auf seiner Plattform „Truth Social“ gepostetes, KI-generiertes Bild, auf dem er sich selbst als Jesus Christus darstellt, nachdem er Papst Leo XIV. kritisiert hatte. Trump veröffentlichte später ein KI-generiertes Bild, auf dem er sich offenbar als Jesus Christus darstellt. Auf dem Bild ist der Präsident in rot-weißen Gewändern zu sehen, während er einen Mann mit seiner heilenden Hand heilt. Über seiner Schulter ist die amerikanische Flagge zu sehen. Trump und das Weiße Haus haben bereits zuvor KI-generierte Bilder geteilt, darunter eines, das den Präsidenten als Papst verkleidet zeigte.
Trumps-KI-Bild, das für viele Christ:innen blasphemisch ist.
© Bildquelle: Apa Images.

Der Schwund der katholischen Wähler:innen begann bereits mit den Massenverhaftungen von Migrant:innen, mit denen die Trump-Administration schon kurz nach der Amtsübernahme begann. Viele Katholik:innen, die für den Präsidenten gestimmt hatten, merkten, dass sein Kurs nicht gerade der christliche Weg sei. Die aggressive Rhetorik gegen in den USA lebende Migrant:innen und Hilfesuchende an der südlichen Grenze zu Mexiko, Verhaftungen von Menschen vor Schulen, an ihren Arbeitsplätzen, auf offener Straße und sogar in Kirchen ließ viele aufhorchen. Auch wenn Trump und seine Minister:innen Migrant:innen ohne legalen Aufenthaltsstatus als Kriminelle beschimpften, war dies doch etwas ganz anderes als das, was er im Wahlkampf so großspurig angekündigt hatte – Mörder, Vergewaltiger, Gangmitglieder zu verhaften und abzuschieben. Katholik:innen wendeten sich immer mehr von Trump ab, auch, weil mit Papst Franziskus und nun Papst Leo zwei Kirchenführer immer wieder deutliche Worte fanden, die durchaus als Kritik gegen Präsident Trump gewertet werden konnten, ja, mussten.

J.D. Vance: „War ein Witz“

Nach dem jüngsten Affront aus dem Weißen Haus versuchte Trumps Umfeld die Wellen zu glätten. Vize-Präsident J.D. Vance erklärte, das Bild von Trump als Jesus sei ein Witz des Präsidenten gewesen, den wohl einige nicht verstanden hätten und meinte dann: „Es wäre am besten, wenn sich der Vatikan auf moralische Fragen beschränken würde, sich auf das Geschehen in der katholischen Kirche konzentrieren würde und den Präsidenten der Vereinigten Staaten die Gestaltung der amerikanischen Politik überlassen würde.“ Auch veröffentlichte das Justizministerium vor wenigen Tagen einen 800-seitigen Bericht, in dem der Biden-Regierung vorgeworfen wird, Abtreibungsgegner:innen gezielt ausspioniert zu haben, was mehr als fraglich ist. So will man wohl wieder die christlichen Reihen in diesem auch für Trump wichtigen Wahljahr wieder schließen. Immerhin wird im November 2026 der Kongress neu gewählt. Sollten die Republikaner verlieren, wäre Trumps Einfluss in den letzten zwei Jahren seiner Amtszeit stark limitiert. Doch der Bruch zwischen dem wichtigen Wählerblock der Christ:innen in den USA und dem Präsidenten ist unübersehbar und kann nicht mehr so einfach gekittet werden.


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Infos und Quellen

Gesprächspartner:innen

  • Javier, Kirchgänger in Downtown Oakland
  • Catherine, Gottesdienstbesucherin in der Oakland Kathedrale

Daten und Fakten

  • Rund 52 Millionen erwachsene US-Amerikaner:innen gehören der katholischen Kirche an, damit ist etwa jede:r fünfte Gläubige Katholik:in. Da es unter den Protestant:innen verschiedene Konfessionen gibt, ist die römisch-katholische Kirche die größte einzelne Glaubensgemeinschaft.
  • Trump selbst bezeichnet sich als nicht-konfessioneller Christ, obwohl er presbyterianisch erzogen und gefirmt wurde. Seine Frau Melania ist Katholikin.
  • Papst Leo XIV. ist der erste US-amerikanische Papst der Kirchengeschichte. Er wurde in Chicago geboren und heißt mit bürgerlichem Namen Robert Francis Prevost.
  • AP-NORC ist eine Forschungskooperation, wobei sozialwissenschaftliche Methoden der University of Chicago mit der investigativen Berichterstattung von Associated Press (AP) kombiniert werden.

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