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Der Traum vom klimaneutralen Fliegen

Gesprächspartner

  • Holger Friehmelt, Leiter des Instituts für Luftfahrt an der FH Joanneum Graz

  • Wolfgang Gründinger, Publizist, Klimaschutzexperte, Aktivist, Evangelist beim Greentech-Unicorn Enpal

  • Dirk Niemeier, Experte für Wasserstoff und Strategieentwicklung beim Beratungsunternehmen PwC

Daten und Fakten

Aktuell trägt die Luftfahrt etwa drei Prozent zum globalen CO2-Ausstoß bei. Um ihr Ziel zu erreichen, im Jahr 2050 CO2-neutral zu operieren, will die Branche auf grünes Kerosin – sogenannte Sustainable Aviation Fuels (SAFs) – umsteigen. Hier droht jedoch eine Versorgungslücke, warnt die Studie „From Feedstock to Flight: How to unlock the potential of SAF“ von Strategy&, der globalen Strategieberatung von PwC. Bereits im Jahr 2030 könnte die Branche demnach weltweit etwa 46 Millionen Tonnen SAFs benötigen, beim aktuellen Ausbautempo der dafür notwendigen Infrastruktur und Raffinerien könnten allerdings nach Berechnungen der International Air Transport Association (IATA) höchstens 24 Millionen Tonnen produziert werden, also nur etwa die Hälfte. Um diese Lücke zu schließen und ihre Klimaziele doch noch zu erreichen, müsste die Branche laut der Strategy&-Studie bis 2030 mindestens 100 Milliarden Euro investieren. Bis 2035 steigt der Investitionsbedarf auf 215 Milliarden Euro an, bis 2050 sogar auf eine Billion Euro.

Sustainable Aviation Fuels (SAFs) ist eine Sammelbezeichnung für biologische und synthetische Kraftstoffe, die aus Bioabfällen, Ölen, Lipiden (Fette und fettähnliche Substanzen) oder auch Wasserstoff und CO2 gewonnen werden. Die Strategy&-Studie schlägt einen fünfteiligen Aktionsplan vor, um die Versorgungslücke zu schließen: Als erstes sollte die Branche die Skalierbarkeit der Raffinerien unter Beweis stellen, etwa durch erfolgreiche Pilot-Anlagen. Zweitens muss die Versorgung mit den Grundstoffen für die Herstellung – also Biomasse und günstige erneuerbare Energie – in ausreichend großer Menge sichergestellt werden. Drittens können Subventionen und Kooperationsmodelle helfen, die finanziellen Risiken zu minimieren. Viertens braucht es internationale Standards, klare regulatorische Vorschriften und eine global anerkannte SAF-Zertifizierung. Fünftens muss die Branche die Öffentlichkeit von den Vorteilen der Technologie überzeugen, wenn sie auf dieses Pferd setzen will, bis andere Antriebe – etwa mit Batteriestrom oder Wasserstoff – ausgerollt werden. Bei all dem gilt es laut den Studienautoren auch, „mögliche negative Effekte, wie etwa die missbräuchliche Nutzung von Nahrungsmitteln zur Herstellung von Bio-Abfällen für die SAF-Produktion, offen anzusprechen und möglichst frühzeitig zu unterbinden“.

Quellen